zuletzt bearbeitet: 30.11.2011 09:43 Uhr
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Über den Tellerrand schauen
Köche des Freiberger Studentenwerks sind drei Tage lang in der Mensa der Fachhochschule (FH) im Einsatz.
Schmalkalden - Erzgebirger Schwammerltopf, Dresdner Sauerbraten und Weideschafskeule stehen in diesen Tagen auf dem Speiseplan der FH. Die sächsischen Spezialitäten werden von Frank Bernhard und seinem Team zubereitet, der normalerweise die Küche in der Mittweidaer Fachhochschule leitet. Die TauschAktion sei gut gedacht, der Aufwand groß, meint Bernhard. "Die Speisen in Sachsen und Thüringen sind sich ähnlich. Natürlich ist es noch außergewöhnlicher, wenn wir unsere traditionellen Gerichte mit an die Küste nehmen", so der erfahrene Küchenchef, der schon in einigen Regionen unterwegs war. Am besten funktioniere immer die Zusammenarbeit mit den Kollegen vor Ort, die sei meist "einfach spitze".
Lehrling Philipp Richter bestätigt dies. Der 18-Jährige kocht sonst in der Freiberger Mensa und gibt dort Essen aus. Heute verteilt er Weideschafskeule mit Pilzbohnen und Risoleekartoffeln für 2,60 Euro an die Schmalkalder Studenten. "Es macht Spaß, auch mal in den Arbeitsalltag der Kollegen hineinzuschnuppern. Bei uns ist allerdings noch viel mehr los", berichtet er und reicht eine Portion an einen Studenten. Thomas hat sich das sächsische Essen gekauft. "Das sah lecker aus", meint er. Der Wirtschaftsinformatikstudent entscheide meist spontan und nach dem ersten Eindruck, was auf den Tisch kommt. Den Koch-Austausch findet der 22-Jährige gut.
Die "Aktion Tandem - Studentenwerke im Dialog" ist eine Marketing-Initiative der ostdeutschen Studentenwerke, bei der jeweils zwei Studentenwerke sogenannte Tandems bilden und gegenseitig regionale Küche und andere Besonderheiten in ihren Mensen vorstellen. Der Erfahrungsaustausch der Kochteams ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. "Er ist die billigste Investition", so Heidrun Hofmann, Abteilungsleiterin Mensen und Caféterien des Thüringer Studentenwerks. Es sei im wahrsten Sinne des Wortes wichtig, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. "Das Besondere hierbei ist, dass sich die Kollegen untereinander treffen. Nicht nur die Verantwortlichen in höheren Positionen", sagt Hofmann. Anja Pforte, Bereichsleiterin für Ernährungs- und Verpflegungskonzepte des Studentenwerks, ergänzt: "Die Mitarbeiter erhalten Einblicke in die Arbeitsabläufe, lernen neue Produkte und Regionaltypisches kennen - sie können nur profitieren", so die Ökotrophologin.
Die Tandem-Aktion gibt es bereits seit sieben Jahren, die Zusammensetzung wechselt jährlich. Inzwischen ist das Projekt nicht mehr nur auf die ostdeutschen Studentenwerke beschränkt, es reicht sogar über Ländergrenzen hinaus. Das Studentenwerk Thüringen war mit dem Tandem bereits in Frankfurt/Main und sogar in Frankreich in der Picardie unterwegs.
Für die Kollegen aus Freiberg ist die Reise nach Thüringen ebenfalls nicht neu. Bereits im vorigen Jahr erlebten sie einen Austausch mit der Erfurter Mensa. Die Schmalkalder waren im Mai nach Mittweida gereist, der Gegenbesuch war nun fällig. Neben Küchenleiter Bernhard und zwei Lehrlingen sind zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen des Freiberger Studentenwerks an einem Stand in der Mensa vertreten. Hier gibt es kostenlos sächsischen Glühwein und Eierschecke, Stollen und der typische Bauerhase sollen noch verteilt werden. Der Sage nach wurde das Gebäck nach einem Koch namens Bauer benannt, der dem Markgrafen von Meißen im Mittelalter einen falschen Hasen servierte, um es dem damaligen Kaplan recht zu machen. Dieser war in Wut, als in der Osterfastenzeit ein Hasenbraten auf den Tisch gebracht werden sollte. So buk der gewitzte Koch einfach einen etwas anderen Hasen - aus Teig.
Außerdem liegen für interessierte Studenten am Info-Stand Flyer bereit, die die Region Freiberg vorstellen. Studentenwerksmitarbeiterin Kathrin Weser witzelt: "Wer uns ein Gedicht aufsagt, bekommt auch noch eine original Freiberger Magenwürze."
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