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Steigendes Lampenfieber

Am Sonntag ist es soweit: Das Musical "Don Quijote" feiert im Bürgerhaus Trusetal Premiere. Die letzten Proben laufen.

Von Ann-Christin Wolf
  • Was für ein Gewusel: Johannes Eberlein (l.) hält die musikalischen Fäden beim Orchester in der Hand. Fotos (2): Ann-Christin Wolf
  • Test: Linda (Don Quijote) und Clara-Sophie (Sancho Panza) richten Technik und Requisiten.
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Trusetal - Alles ist ganz ruhig im Trusetaler Rathaus an dem Samstagmorgen, an dem gewöhnlich eine Auszeit vom geschäftigen Treiben der Woche herrscht. Oder doch nicht? Nähert man sich dem Gebäude, hört man etwas, Kinderstimmen. Um die Ecke herum werden sie lauter und die Klänge von Violine, Klavier und Schlagzeug kommen hinzu. Dann sieht man das komplette Orchester und die Bühne, auf der Akteure der Musicalklasse der Brotteroder Grundschule gerade proben.

In dieser Szene sitzen sie auf Holzschulbänken in der Kulisse eines Klassenzimmers, das den Schauplatz der Handlung des Kindermusicals "Don Quijote" bildet. Protagonist Michael wird im Unterricht dabei ertappt, wie er sich in Rittergeschichten hineinträumt. Er wird mit Nachsitzen bestraft, doch die bösen Buben der Nachsitzklasse sind sich anfangs nicht sicher, ob sie ihn in der Gruppe aufnehmen sollen. Michael muss beweisen, dass er Fantasie hat und beginnt, die Geschichte des Ritters Don Quijote zu erzählen und zu inszenieren, indem er die Rollen auf seine Mitschüler verteilt. Die Abenteuer des Don Quijote beginnen.

Im Probenraum ist es still, solange die Szene vor sich geht. Vor und hinter der Bühne lauschen die anderen Mitwirkenden, Eltern und musikalischen Verantwortlichen. Ausgehend von der Musicalvorlage von Thomas Lui Scholz (Musik und Songtexte) und Manfred Glock (Bühnentext) haben Katrin Kaufmann (Gesang) und Maria Töffels (Tanz) das Stück über zwei Jahre mit den Grundschülern eingeübt. "Don Quijote", angelehnt an die Romanvorlage von Miguel de Cervantes, ist das dritte Musical, das in Zusammenarbeit mit der Musikschule Schmalkalden, die seit vier Jahren besteht, auf die Bühne gebracht wird.

"Inhaltlich sind in diesem Musical viele anspruchsvolle Gedanken enthalten, die zum Teil über das Grundschulniveau hinausgehen", sagt Schulleiterin Jutta Marthold. Aber eine Herausforderung solle man annehmen. Günstig sei, dass es viele Parallelen zum täglichen Leben gebe, da alles in einer Schule spielt. "Ich bin immer wieder beeindruckt von der Arbeitskraft der Kinder, die das alles neben dem normalen Unterricht auf die Beine stellen", so Marthold.

An diesem Tag laufen die Proben schon seit drei Stunden. Trotzdem sind alle voller Elan, trotz hoher Temperaturen und schönstem Sonnenschein, der eher zum Schwimmen einlädt. Auch der Einsatz der Eltern gehe über das Normale hinaus, lobt die Schulleiterin. Neben der Bühne stehen Claudia Malsch und Simone Köbis, deren Söhne Maximilian und Oskar im Musical mitspielen, als Anführer und Lehrer der Nachsitzklasse. Sie schauen auf ihren Plan, auf dem genau zu sehen ist, wer wann im Einsatz ist, sich umziehen muss oder das Headset auf den Kopf bekommt. "Wir sorgen dafür, dass die Kinder rechtzeitig fertig sind, Ruhe bewahren, ausreichend trinken", sagt Malsch. Sie findet es gut, dass die Kinder Bühnenerfahrung sammeln und dadurch ihr Selbstbewusstsein stärkten. "Die Proben sind sehr anstrengend und umfangreich", meint Fördervereinsvorsitzende Köbis. Das Üben konzentriere sich auf diese Stunden, daheim habe der Sohn weniger Lust dazu.

In diesem Moment kommen die Kinder von der Bühne, es gibt eine kurze Pause. Die meisten rennen nach draußen, um sich ein bisschen zu erholen. Aber nur kurz, dann klatscht Musikschulleiter Johannes Eberlein schon wieder auffordernd in die Hände und ruft: "So, kommt, wir machen gleich weiter." Und die Kinder stehen parat. Der Vorhang ist zugezogen, eine Gruppe von Schülern steht am Bühnenaufgang und wartet auf den Einsatz. Keiner sieht gelangweilt, genervt oder ausgelaugt aus. In ihren Augen kann man die Freude und Aufregung ablesen, die sie haben, wenn es wieder auf die Bühne geht. Es folgt eine Tanzszene zum Lied "Senseo, der Bartschneider". Die Musik zu "Don Quijote" ist geprägt von Elementen der klassischen Musik, der Pop- und Rockmusik bis hin zu jazzig swingenden Arrangements. Lieder, rein instrumentale Stücke und Tänze wechseln sich ab. Tanzlehrerin Maria Töffels ist zufrieden mit ihren "Mäusen": "Es ist nicht so leicht, mit einem Orchester zu tanzen, das live spielt. Ich musste mich auch erst daran gewöhnen, die Kinder erst recht."

Viel Zuversichtlichkeit

Mittlerweile klappt es gut. Die aus Trusetal stammende 29-Jährige, die in der heimischen Trachten- und Volkstanzgruppe engagiert ist, entwarf die Choreografie. "Ich habe viele Elemente aus der Folklore eingebaut, da ich aus diesem Bereich komme", sagt Töffels. Im Training passe sie ihre Ideen an die Kinder an, je nach Leistungsvermögen. "Es gibt eben solche und solche", weiß die Erzieherin. Auch Katrin Kaufmann, die für den Gesang verantwortlich ist, ist zuversichtlich. Die Sängerin und Musikpädagogin aus Ilmenau kam wie Töffels in den letzten zwei Jahren jeden Montag an die Grundschule, um das Stück zu erarbeiten. "Mit jeder Probe wird das Schauspielerische durch die wachsende Sicherheit besser", sagt sie. Kleinigkeiten gebe es immer, "das Große und Ganze soll rüberkommen".

Die Kinder haben es mittlerweile geschafft, die beiden letzten hüpfen von der Bühne und legen ihr Headset ab. Es sind die Hauptdarsteller Linda und Clara-Sophie, die Don Quijote und seinen Begleiter Sancho Panza verkörpern. Clara-Sophie liebt ihre Rolle, da sie "ein bisschen verrückt" sei und sie dabei "frei" sein könne. Die Viertklässlerin gibt sich wie ein Profi: Der Text sitze und die Aufregung sei weg, wenn sie erst einmal auf der Bühne stehe. Linda gefällt besonders, dass sie einen Ritter spielen kann, der von sich selbst überzeugt ist. Der Wechsel vom Schul- ins Ritterleben sei das Schöne am Stück. Sie freut sich auf die Aufführung, gesteht aber schmunzelnd: "Das einzig Komische ist, eine Liebesszene mit einem anderen Mädchen zu spielen. Das ist nicht ganz so einfach für mich."

Die Akteure haben nun Feierabend, die Instrumente werden abgebaut, hier und da wird noch diskutiert. Auch Johannes Eberlein ist von der Probe geschafft, bewundert, "wie selbstverständlich die Kinder das nach einer harten Schulwoche durchstehen". Aber auch ihm kann man die Freude darüber ansehen, dass nun alles zum Abschluss kommt. In der Musicalaufführung fließen die Klassenmusizierkurse der Musikschule zusammen. Die Musicalklasse erarbeitete das Stück. Im eigens zusammengestellten Instrumentalensemble spielen auch ehemalige Schüler der Streicher- und Bläserklasse der Grundschule Fambach und Schüler der Percussiongruppe der Regelschule Breitungen.

Die Aufführung ist nun Anlass, um die neuen Verträge für die Kooperationsprojekte zu unterzeichnen. "Die politischen Vertreter sind überzeugt von unserer Arbeit", sagt Eberlein und lobt das Finanzierungskonzept, das in Thüringen wohl einmalig sei. Das Kultusministerium, der Landkreis und die beteiligten Kommunen tragen je ein Drittel der Projektkosten. Da einige Darsteller in der vierten Klasse mit dem Stück begannen und nun schon Fünftklässler sind, musste auch mit dem Schmalkalder Gymnasium und der Trusetaler Regelschule kooperiert werden, um für Proben alle unter einen Hut zu bekommen. Zusätzlich bekam die Aktion Hilfe von Schülern der Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales in Schwallungen, die Kulissen und Requisiten gestalteten und von der Kunststation Oepfershausen, die Plakat und das Faltblatt designten. Maria Töffels formuliert es so: "Es ist riesig, so ein tolles Projekt mit allen zusammen auf die Bühne zu bringen. Das ist ähnlich wie bei einem Film. Dort laufen die Namen im Abspann, von allen Mitwirkenden. Wenn einer fehlt, geht es krachen." Sie hofft, dass am Ende alles glatt läuft. Wenn man es mit den Worten Sancho Panzas aus Cervantes' Roman sagt, dürfte kein Zweifel bleiben, denn: "Wo Musik ist, kann nichts Böses sein."

Aufführungen

Sonntag, 8. Juli, 18 Uhr,

Bürgerhaus Trusetal

Samstag, 14. Juli, 19 Uhr,

Kulturhaus "Kraftwerk" Breitungen

Sonntag, 15. Juli, 17 Uhr,

Meininger Theater, Kammerspiele

Eintritt: 3 Euro

 

Kartenvorverkauf : Musikschule Schmalkalden, Grundschule und Gästeinfo Brotterode, Bürgerhaus Trusetal, Raumausstattung Pfannstiel Breitungen, Theaterkasse Meiningen; Restkarten an der Abendkasse


    
    

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