zuletzt bearbeitet: 20.01.2012 10:06 Uhr
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Schmalkalden wird "fit" gemacht
Rund 250 Gäste waren der Einladung der Fachhochschule (FH), ihres Fördervereins und der Stadt Schmalkalden zum Neujahrsempfang gefolgt.
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Wirtschaft trifft Politik: FH-Rektor Elmar Heinemann bezeichnete den Neujahrsempfang als wichtiges Kommunikationsereignis. Hier begrüßt die Vorstandsvorsitzende der Rhön-Rennsteig-Sparkasse, Marina Heller, selbst Mitglied des Hochschulrates, die Schmalkalder Stadträte Peter Hammen (BI, r.) und Peter Handy (SPD). Foto: fotoart-af.de
Schmalkalden - Bürgermeister Thomas Kaminski freut sich auf das Jahr 2012. Das gab das Stadtoberhaupt in seinem Grußwort zum Neujahrsempfang zu. Obwohl das Land die Mittel für die Kommunen kürzte und die Stadt finanziell arg gebeutelt ist, "gehen die Samen jetzt auf". Er freue sich auf die Eröffnung von Viba sweets, sagte Kaminski, und darüber, was auf diesem Gewerbestandort, der früher einem Sammelsurium glich, entstanden ist. Jeder könne sehen, dass es sich lohne, nach Schmalkalden zu kommen. "Wir machen Schmalkalden fit für die nächsten fünf Jahre", gab sich Kaminski optimistisch, ja fast kämpferisch.
Dass die Wirtschaft brumme, machte er an den Arbeitsmarktzahlen und den Gewerbesteuereinnahmen, die von 3,2 Millionen Euro 2009 auf 6,2 Millionen Euro 2011 gestiegen sind, fest. Aber auch die Studierendenzahlen seien ein Indiz dafür, sagte der Bürgermeister im größten Hörsaal der Fachhochschule. Leider sehe man von den Studenten "noch zu wenig in der Innenstadt", bedauerte er, aber das soll sich ändern. Die Stadt wolle in der FH mehr für ihre Veranstaltungen werben als bisher und umgekehrt, benannte er ein Ziel, das man sich für 2012 vorgenommen habe. Getreu seinem Motto, man solle nicht so viel jammern, wenn es ein Problem gebe, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen.
Das praktizieren Thomas Kaminski und Elmar Heinemann, Rektor der Fachhochschule Schmalkalden, schon länger. Heinemann blickte noch einmal ins Jahr 2011 zurück, das von der Diskussion um die Finanzen bestimmt gewesen ist. Aus Sicht der Hochschule sei der Hochschulpakt, der vier Jahre gilt und auch der Fachhochschule Schmalkalden Planungssicherheit gibt, ganz wichtig gewesen. Dennoch müsse die Hochschule Steigerungen, wie Gehaltserhöhungen und Nebenkosten, selbst schultern, was heißt, dass "das Realbudget enger geworden ist". Vor einigen Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass Hochschulen Marketing betreiben, nun sei dies Realität. Die rückläufigen Schülerzahlen bedeuten, dass die FH künftig noch stärker Studierende aus den anderen Bundesländern und dem Ausland gewinnen muss, will sie ihre Zahl von 3000 Studenten stabil halten. Diese Zahl sei "die große Unbekannte" in den nächsten Jahren, sagte Heinemann. Seinen Blick richtete der Rektor auf den Sommer. Da will die Fachhochschule ihren 110. Geburtstag begehen.
Mit Ekkehart Fischer, Geschäftsführer einer Stahl- und einer Glasbaufirma in Offenbach, wurde ein Festredner gewonnen, der kurzweilig und unterhaltsam einen Einblick in das Leben als Unternehmer gab. Fischer hatte von 1980 bis 1985 im Fernstudium Maschinenbau an der damaligen Ingenieurschule Schmalkalden studiert. 1989 flüchtete er noch vor dem Mauerfall in die Bundesrepublik. Mit Frau, zwei Kindern und einem Koffer kam er "im Westen" an und musste erst einmal seinen Abschluss anerkennen lassen. Was allerdings gar kein Problem war, wie er feststellte, als er im Kultusministerium in Wiesbaden erklärte, er sei Absolvent der Ingenieurschule Schmalkalden. Er begann als Technischer Leiter, machte sich 1993 zunächst mit einem Ingenieurbüro selbstständig, absolvierte ein Ergänzungsstudium zum Schweißfachingenieur und baute 1999/2000 sein erstes Werk in Groß-Umstadt.
Mit komplexen Stahlkonstruktionen und Bauwerken mit hohen Ansprüchen machte sich Fischer einen Namen, erweiterte mehrmals und zog 2010 nach Offenbach um. Etwa 70 Mitarbeiter beschäftigt die Firma, die unter dem Motto "Glas trifft Stahl" firmiert und deren Referenzobjekte großes Staunen bei den Gästen des Neujahrsempfangs hervorriefen. Komplizierte Glasdachkonstruktionen für Einkaufszentren, Lufthansa-Wartungshallen und das Airrail-Center in Frankfurt sowie Lärmschutzwände für den ICE gehören dazu. Fischer gab Anekdötchen zum Besten. So musste für den Bau eines Towers der Flugverkehr in Frankfurt gesperrt werden. Seine Firma bekam vier Stunden nachts Zeit, um die Teile auf 78 Meter Höhe zu montieren. In dieser Nacht konnte auch der Chef nicht schlafen. Der Auftrag für das Landeskriminalamt Düsseldorf hatte es ebenfalls in sich. Das Glas, das verbaut werden sollte, musste schusssicher sein. Der erste Beschuss-Test ging daneben, doch Ekkehart Fischer und sein Team meisterten auch diese Herausforderung.
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