zuletzt bearbeitet: 23.11.2011 10:31 Uhr
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Mit moderner Technik in die Vergangenheit reisen
Dass sich Hightech und Historie hervorragend verbinden lassen, kann man in der Tourist-Info testen. Mit dem Klosterpuzzle wurde an der Fachhochschule eine neue Form der Wissensvermittlung entwickelt.
Schmalkalden - Der zehnjährige Fabio Pesavento drängelt. Ungeduldig wartet er darauf, die weißen Bausteine in die Hand nehmen und vorsichtig über die Glasplatte schieben zu dürfen. Sein Blick wandert immer wieder zu dem Tisch, an dessen Ende ein Flachbildschirm steht. Noch ist auf dem Monitor nur ein Grundriss zu sehen. Auf dem jedoch, so wird ihm versprochen, das Modell der im Bauernkrieg 1525 fast völlig zerstörten Zinsterzienserabtei Georgenthal sichtbar wird, in Farbe und dreidimensional. Vorausgesetzt natürlich, dass Fabio die Steine dem entsprechenden Gebäude richtig zuordnet.
Was dem Zehnjährigen problemlos gelingt. Sitzt der Stein in der richtigen Position, erhält er zusätzlich Informationen zu dem Objekt - von der Basilika bis zum Kornhaus - , das er gerade in Stellung gebracht hat. Vermittelt werden diese auditiv und per Bildschirm. Nach nur wenigen Minuten hat Fabio eine mittelalterliche Klosteranlage zusammengesetzt, von der, 867 Jahre nach ihrer Gründung, nur noch eine Ruine mit Fundamenten der Basilika und dem zweigeschossigen Kornhaus erhalten sind. Der Viertklässler ist begeistert, wie Bürgermeister Thomas Kaminski, der das 3D-Lernspiel natürlich auch testen möchte.
Das Klosterpuzzle ist ein Erlebnispunkt, der überwiegend jüngere Museumsbesucher ansprechen soll und spielerisch den prinzipiellen Aufbau eines Klosters erfahrbar macht, sagt Jens Büttner. Der Ingenieur gehört zu dem Team von Wissenschaftlern, Architekten und Ingenieuren, die diese neue Form der Wissensvermittlung mit Hilfe modernster Technik entwickelt haben. Eigentlich ein "Abfallprodukt", das aus dem InnoRegio Projekt InnoTP (2006) hervorging, an dem, neben dem Frauenhofer Institut, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, auch Experten der FH Schmalkalden, der Uni Erfurt und des Architektur- und Ingenieurbüros Bießmann + Büttner beteiligt waren. Das Ziel bestand damals darin, auf dem Klostergelände Georgenthal einen behindertengerechten Parcours zu entwerfen und das verfallene Klostergelände durch visuelle und akustische Eindrücke mit innovativen Techniken wieder erlebbar und erfahrbar zu machen.
Ein Ergebnis war das von der Fachhochschule, Fakultät Informatik, erstellte dreidimensionale Bildmaterial für den Film "Man nennt mich Frieden". Unter den Gästen der 1. Nacht der Wissenschaften in Schmalkalden vor zwei Jahren löste dieser Film Begeisterungsstürme aus. Nachdem die gesamte Technik viele Jahre in der FH lagerte, soll der Film nun dem Vernehmen nach im Kloster Reinhardsbrunn etabliert werden.
Erstes Puzzle am Start
Das Gesamtprojekt in Georgenthal ist zwar aus verschiedensten Gründen gescheitert, einzelne Projekte jedoch, wie das Klosterpuzzle, sind daraus hervorgegangen. Vorgestellt wurde es schon auf der Cebit, die fast einjährige Testphase im Hennebergischen Museum Kloster Veßra (Landkreis Hildburghausen) konnte erfolgreich beendet werden. 137 Personen, im Alter von unter sechs bis über 60 Jahren, begaben sich auf die kleine Zeitreise, probierten, lobten und kritisierten. In einem Resümee von Ute Bretschneider heißt es, dass fast alle Nutzerinnen und Nutzer begeistert waren. 86 Prozent der Kinder hätten die Schulnoten 1 und 2 vergeben, bei den Erwachsenen waren es 90 Prozent. Den Lerneffekt schätzte die Hälfte der Kinder als sehr hoch ein, knapp Dreiviertel der Erwachsenen als ziemlich hoch. Bretschneider kommt zu dem Ergebnis, dass der Testlauf deutlich gezeigt hat, dass moderne Technik im Museum begeistert aufgenommen wird und in Zukunft kaum mehr aus dem didaktischen Angebot wegzudenken ist. Im Kloster Veßra macht man bereits Nägel mit Köpfen. Hier geht, nach erfolgreichem Testlauf, am 6. Dezember das erste Klosterpuzzle in Betrieb.
Nun kommen die Schmalkalder in den Genuss einer Lehrstunde in Sachen Klosterbau und -anlage. Am Ende werden sie belohnt: Mit einem virtuellen Flug über die ehemalige Zinsterzienserabtei.
Jens Büttner zufolge planen 4YOU2 und die FH bereits neue Museumsprojekte, so für Breitungen, Themar - hier soll der Ortskern in 3D modelliert werden - und Oberhof.
4YOU2 ist eine Ausgründung der Fachhochschule Schmalkalden und vereint die interdisziplinären Kompetenzen verschiedenster Bereiche in Projektnetzwerken. Sie ist ein Full-Service Dienstleister im Bereich Multimedia mit Schwerpunkt auf Barrierefreiheit. Dem Team gehören, neben Praktikanten und
Diplomanden der Fachhochschule Schmalkalden, der Informatikprofessor Ralf Böse (FH) sowie die Schmalkalder Architekten und Ingenieure Steffen Bießmann und Jens Büttner an.
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