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Im Dienst der Nächstenliebe

Mit zwölf Schwestern startete die Diakoniestation Schmalkalden/Steinbach-Hallenberg. 20 Jahre später betreuen 70 Fachkräfte rund 600 pflegebedürftige Patienten.

Von Annett Recknagel
  • Jana Herrmann, Geschäftsführerin der Diakoniestation, und Pflegedienstleiterin Ursula Kittner sind ein eingespieltes Team.
    Annett Recknagel
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Schmalkalden/Steinbach-Hallenberg - Besonders im Schmalkalder Bereich sind sie nicht zu übersehen, die weißen Flitzer mit dem blauen Schriftzug "Diakoniestation Schmalkalden". 29 Autos sind im Bereich Schmalkalden/Steinbach-Hallenberg täglich zu pflege- und hilfebedürftigen, alten und kranken Menschen unterwegs und "das 30. Auto ist schon bestellt", berichtet Schwester Ursula Kittner. Sie leitet die Diakoniestation Schmalkalden/Steinbach-Hallenberg seit 20 Jahren. An die Anfänge kann sie sich noch gut erinnern.

Nachdem der Kirchenkreisvorstand, mit Gisela Höland an der Spitze, alle Formalitäten in die Wege geleitet hatte, gründete sich die Diakoniestation Schmalkalden/Steinbach-Hallenberg am 2. Januar 1991. Zwölf Schwestern gehörten damals zum Team. Ursula Kittner und Gerlinde Häfner sind vom ersten Tag an dabei. In Schmalkalden war das Untergeschoss des ehemaligen Hospitals der Hauptsitz, in Steinbach-Hallenberg bezog man zunächst Räumlichkeiten in der Bismarckstraße. 1995 erfolgte der Umzug in die Brunnenstraße.

In der Anfangszeit standen den Schwestern nur zwei Fahrzeuge zur Verfügung. Sie mussten mit ihrem privaten Pkw fahren, das Fahrrad nehmen oder zu Fuß gehen. In Steinbach-Hallenberg halfen Anfang der 90er Jahre noch Diakonissen aus. Schwester Irma beispielsweise durfte mit Sondergenehmigung ohne Sturzhelm auf ihrem Moped zu den Patienten fahren, weiß Ursula Kittner noch genau.

Im gesamten Haselgrund waren die Frauen unterwegs. Die Schwestern in Schmalkalden deckten, außer dem Stadtgebiet mit seinen Ortsteilen, auch den Bereich Floh-Seligenthal ab. Unterstützung bekamen sie in all den Jahren von Zivildienstleistenden, die insbesondere von den Patienten sehr gut angenommen wurden. Matthias König war der erste Zivi in Schmalkalden, Heiko Marr in Steinbach-Hallenberg. Zeitweise wurden in beiden Pflegebereichen vier junge Männer über den Wehrersatzdienst beschäftigt.

Nachdem sich jetzt die Gesetzlichkeiten geändert haben, wurde mit Phillip Schleicher der letzte Zivi Ende März in Schmalkalden mit einem großen Blumenstrauß voller Pflegeutensilien verabschiedet. "Für uns Mitarbeiter, aber auch für die pflegebedürftigen Menschen, waren die Zivis einen wertvolle Unterstützung", betont Ursula Kittner. Heute gehören in beiden Bereichen 70 ausgebildete Fachkräfte zur Diakoniestation. Etwa 600 Pflegebedürftige werden betreut.

Wichtig ist den Schwestern, nicht nur die Patienten zu versorgen, sondern auch die Familien, so weit wie möglich, zu entlasten. "Angehörige brauchen den Sonntag für sich", weiß Ursula Kittner. Auf Wunsch und mit Absprache der jeweiligen Familien kommen die Schwestern deshalb auch an den Wochenenden. Das Pflegeangebot bezieht sich auf die Grund- und Behandlungspflege. Letzt Genannte beinhaltet unter anderen das Wechseln von Verbänden, das Messen des Blutzuckerwertes und das Geben von Injektionen.

Um den gestiegenen Anforderungen der Pflege gerecht zu werden, sind Fortbildungen für die Mitarbeiter der Diakoniestation selbstverständlich. Menschen mit Port oder Beatmungssystemen zu Hause zu versorgen und ihnen damit das Leben in der vertrauten Umgebung zu ermöglichen, wird durch diesen Wissenserwerb ermöglicht.

Freilich ist die Arbeit der Schwestern psychisch und physisch sehr anstrengend. Doch "es kommt auch sehr viel zurück", berichtet Ursula Kittner und nennt Freude, Dankbarkeit und vor allem das Vertrauen als wichtige Beispiele.

Unerlässlich und sehr wertvoll ist die Zusammenarbeit mit den Familien der zu Betreuenden. So werden regelmäßig Kurse für pflegende Angehörige angeboten, die insbesondere auf an Demenz erkrankte Menschen ausgerichtet sind. In den vergangenen 20 Jahren lag es Ursula Kittner immer am Herzen, viel Vertrauen zu den pflegebedürftigen Menschen aufzubauen und sie auf ihre Weise zu verstehen.

Mitunter begleitete sie manch einen Patienten über ein ganzes Jahrzehnt. "Über einen derartig langen Zeitraum kann ein recht intensives Verhältnis zu den Pflegebedürftigen aber auch zu dessen Familie aufgebaut werden", meint Schwester Ursula.

Für ihre künftige Tätigkeit wünscht sie sich, dieses Miteinander weiter zu stärken. Hauptanliegen der Arbeit der Diakoniestation ist es, fachliche Professionalität und christliches Profil miteinander zu verbinden. Dementsprechend besteht die Möglichkeit, sich in der Diakoniestation für eine Ausbildung zum Altenpfleger zu bewerben. "Wir freuen uns über neue Mitarbeiter", sagt Geschäftsführerin Jana Herrmann. 2003 übernahm sie dieses Amt von ihrem Vorgänger Harald Feindt. Bis dahin hatte die Geschäftsführung in den Händen von Pfarrern gelegen, wie Pfarrer Dietmar Gerstenberger und Pfarrer Christoph Nordmeyer. Jana Herrmann weist ganz besonders auf die gute Zusammenarbeit der Diakoniestation, unter anderem mit dem Kreiskrankenhaus, den Haus- und Fachärzten, Kirchengemeinden und Pfarrern, Kommunen, Altenpflegeschulen, Sanitätshäusern, Physiotherapeuten, dem ambulanten Hospizdienst und der Kreisdiakonie hin. Alle sie sind eingeladen, den 20. Geburtstag der Diakoniestation Schmalkalden mit zu feiern. Begangen wird das Jubiläum mit einem Festgottesdienst am 18. September in der Schmalkalder Stadtkirche St. Georg.

    
    

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