zuletzt bearbeitet: 03.09.2011 09:42 Uhr
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Hoffen, dass der Hammer fällt
Damit es im Breitunger Schloss weitergehen kann, verabschiedet sich Schlossherr Martin Koenitz von etwa 1000 Kunstgegenständen und Antiquitäten. Sie werden am 24. September versteigert.
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Martin Koenitz mit einem der gewichtigen, gut 100 Jahre alten Sammelbände der Zeitschrift "Über Land und Meer". Die meist in Halbleder gebundenen Bücher stammes aus der Bibliothek des italienischen Königs Viktor Emmanuel III. Fotos (4): fotoart-af.de
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Unterm Himmel schlafen: Bei diesem klassizistischen Möbel geht's mit 1800 Euro los.
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Aus Goethes Zeiten: Stützerbacher Siegelstempel. Drei Stück für mindestens 80 Euro.
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Aus Zinn: Kakaokanne, Schüsseln, Teller. Ab 80 Euro.
Breitungen - Das Grammophon aus den 1930er-Jahren, mit dem Martin Koenitz schon einmal in einer Fernsehsendung gezeigt wurde, das Louis-Philippe-Sofa mit seiner geschwungenen Rückenlehne, auf dem sich Jubelpaare haben fotografieren lassen, eine Kupferstichkarte des Henneberger Landes aus dem Jahr 1697 oder jene geheimnisvolle Dame aus Gips, die jedem Konzert im Schlosssaal beiwohnt: In drei Wochen könnte die Zeit dieser Gegenstände im Breitunger Schloss vorbei sein. Knapp 1000 Positionen werden bei einer Auktion am 24. September im Saal des Schlosses versteigert.
Nobel wie nie
Abgesehen von etlichen Schmuckstücken alles Dinge, die der Schlossherr zusammengetragen hat. Eine "kleine Kunstsammlung" ist so im Schloss entstanden, zur Präsentation von Möbeln und Gemälden hat er die Räume des Schlosses eingerichtet. "So nobel haben sie noch nie ausgesehen", sagt Koenitz.
Originale Stücke aus dem Schloss sind nicht dabei. Schlicht, weil es keine gab. "Wir haben hier nichts vorgefunden, außer Sperrmüll und Stühle aus NVA-Beständen." Als Kunsthändler bezeichnet Koenitz sich selbst als "Magnet, der schlecht widerstehen kann." Er pflegt gute Kontakte, weiß, was bei Auktionen zwischen Hamburg und München angeboten wird und kauft, wie er sagt, "sehr billig ein".
Nun wird es Zeit für einen Aderlass. Von der statischen Sicherung des Fürstenflügels und der Gestaltung der Musterfassade im vergangenen Jahr sind noch Rechnungen offen - trotzdem soll es weitergehen. Der Kammerkonzertsaal im Fürstenflügel zum Beispiel steht kurz vor der Vollendung, hier ist Hausmeister Frank Messerschmidt seit Monaten mit Putzarbeiten beschäftigt. Aus ehemals fünf Wohnräumen ist wieder ein Saal entstanden, dessen durchhängende Decke zwei hölzerne Stützen tragen.
Für weitere Projekte
Für das nächste Jahr ist die Restaurierung der oberen Schwarzküche geplant, die romanische Mauer im Kräutergarten soll gesichert werden und bei den beiden zu (Sommer-)Gästezimmern ausgebauten Mönchszellen ein Bad entstehen. Martin Koenitz bietet Übernachtungen im Schloss an - hauptsächlich für Gruppen, die den Charme des historischen Gebäudes schätzen, aber keine allzu hohen Ansprüche hegen. Bislang müssen sie mit drei Duschen zurechtkommen. Das neue Bad soll Abhilfe schaffen. Außerdem wird es wieder Arbeit für Fensterbauer geben. Oben im Nordflügel, dort, wo eines Tages eine Wohnung entstehen soll, sind die Fensteröffnungen noch mit Plastikfolie bespannt, ebenso jene im kleinen Treppenturm.
Um die Vorhaben finanzieren und die Restschulden tilgen zu können, ist der Aderlass nötig. "Es fällt nicht ganz leicht", gibt Koenitz zu. Doch lässt sich einer, der als Privatmann ein baufälliges Schloss kauft und sich freiwillig die Lebensaufgabe der Restaurierung aufhalst, nicht so leicht unterkriegen. "Wenn die Auktion gut läuft und ich für nächstes Jahr Projekte planen kann, dann ist es einfach."
Vorbesichtigung
In Zusammenarbeit mit dem Auktionshaus Franke in Nürnberg hat Koenitz einen bebilderten Auktionskatalog erstellt, der jetzt im Internet einzusehen ist. Wer die Gegenstände in Natura sehen möchte, kann die Vorbesichtigungstermine nutzen: Der erste findet am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September von 10 bis 18 Uhr statt, außerdem von Samstag, 17. September bis Mittwoch, 21. September, täglich von 11 bis 18 Uhr.
Zwischen all den großen und kleinen Möbeln, vom Blumenständer bis zum reichbeschnitzten Buffet aus der Neorenaissance, über Teppiche, Meißner Porzellan, Ankerbaukästen und Hockmäntel, Flügelhorn und Himmelbett, Silberkanne oder Zinn-Konvolut macht der Schlossherr besonders auf eine Auswahl an historischen Bildern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert mit Motiven aus der Region sowie auf Landkarten auf Thüringen aufmerksam. Da gibt es eine "Ansicht von Brotterode vor dem Brande", Motive aus Schmalkalden, Eisenach, vom Haunschen Hof in Bad Salzungen oder einen seltenen Kupferstich von 1630 aus "Meißners Schnatzkästlein" mit einer Stadtansicht von Schmalkalden, Kampfszenen und dem Sinnspruch "Besser vor denn nachgekommen".
Auch wenn für besondere Stücke, etwa ein Barockdielenschrank aus Eiche mit beschnitzten Füllungen, vierstellige Mindestgebote verlangt werden, kann die Auktion auch für den schmaleren Geldbeutel etwas bieten. "Es geht mit 20 Euro los", sagt Koenitz, das durchschnittliche Mindestgebot liege allerdings bei über 100 Euro. "Es ist kein Flohmarkt", betont der Schlossherr. Er sei bemüht, keine Ramsch-Auktion zu machen.
Koenitz sitzt auf einem Stuhl, an der Lehne baumelt, wie an fast allen Gegenständen, ein weißes Papp-Etikett mit der Auktionsnummer. Wenn ein Großteil dieser zusammengesammelten Dinge nach dem 24. September nicht mehr hier sind, "ist dass Leben genau so reich", sinniert der ehemalige Theologie-Student. Sie nun zugunsten der weiteren Sanierung des Schlosses wegzugeben, betrachte er als "eine Art Übung". Wie eine Häutung. "Nur komme ich nicht als Schmetterling heraus."
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