» zur Übersicht Schmalkalden
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   
Frost mit vielen Facetten

Die sibirische Kälte hat die Region voll im Griff. Die eisigen Temperaturen malen nicht nur traumhafte Bilder in die Natur. Der Frost hält die Leute mächtig in Atem.

  • Schwerstarbeit in der Agrargenossenschaft Fambach: Festgefrorene Gülle und Wasser an den Tränken müssen abgepickelt werden. Fotos (2): Schunk
  • Im Breitunger Blumengrund war eine Wasserleitung aufgefroren und musste repariert werden. Die Straße glich einer Eisbahn.
Bild von

Schmalkalden - In der Agrargenossenschaft Fambach bringt die eisige Kälte viel Arbeit mit sich. Trotz moderner Technik funktioniert der automatische Schieber, der den Boden im Stall rund um die Uhr von Gülle befreit, nicht mehr. Die Abprodukte der Kühe frieren fest. Die Mitarbeiter müssen Hand anlegen und die Schicht abpickeln. "Zusätzliche Leute, die eigentlich dienstfrei hatten, mussten deshalb auch schon am Wochenende ran", sagt Vorstandschef Frank Koch. Den Mitarbeitern, die im und am Stall tätig sind, kriecht die Kälte in die Stiefel und unter die Jacken. Sie bekommen täglich die volle Breitseite des Frostes ab. Auch im Melkstand ist es Koch zufolge deutlich kälter als sonst für die Mitarbeiter. Der Arbeitstag für die Leute ist lang und hart. Die Rinder hingegen kommen weit besser mit den kalten Temperaturen zurecht. "Nur Zugluft müssen wir vermeiden", sagt der Vorstandsvorsitzende. Die ist Gift. Deshalb sind an den Ställen die Schotten dicht.

Neben dem erhöhten Aufwand für die Mitarbeiter kostet der Winter den Betrieb auch richtig Geld. Damit die Gülle im großen Behälter nicht einfriert, wird das Gemisch rund um die Uhr umgewälzt und in Bewegung gehalten. An normalen Tagen läuft die Pumpe sonst gerademal eine Stunde. Das heißt: die Stromkosten schnellen in die Höhe. Und auch die Kühe quittieren den erhöhten Energiebedarf mit geringerer Leistung. Sie geben weniger Milch - und das bedeutet zusätzlich weniger Einnahmen.

In der Mutterkuhhaltung wirkt sich die Kälte nicht ganz so drastisch aus. "Die Tränken sind frostiger und erhöhte Aufmerksamkeit, damit nichts einfriert, ist wichtig", sagt Vorstandsvorsitzende Astrid Paeger. Ansonsten habe man nicht mit Extremen zu kämpfen. Mehr Sorgen bereiten die Kulturen auf jenen Flächen im Werratal, auf denen kein Schnee liegt. Frostschäden werden befürchtet. Während man bei den anderen Kältefolgen noch etwas tun kann, ist man hier ziemlich machtlos. "Wir können keinen Teppich über die Felder legen", sagt die Agrarchefin.

Und auch die Bauarbeiter und Havariedienstler sind in diesen Tagen nicht zu beneiden. In Breitungen gab und gibt es reichlich zu tun - und das unter freiem Himmel. "Alte Wasserleitungen sind aufgefroren. Die GEWAS ist informiert", so Bürgermeister Peter Heimrich gestern Vormittag. Die Mitarbeiter seien vor Ort, um zu reparieren und die Versorgung zu sichern.

Auch der Heizungs- und Sanitärbranche hat die Kälte ein Mehr an Arbeit beschert. Eingefrorene Heizungen und Wasserleitungen sind an der Tagesordnung. Dabei ist nicht alleine die Kälte an sich schuld. "Die Heizkosten sind hoch und die Leute wollen sparen. Doch wegen 50 Euro mehr sollte man ein Einfrieren nicht riskieren. Alles in unbenutzten Zimmern auf Frostschutz zu stellen reicht bei diesen Temperaturen nicht aus", sagt Stefan Förster, der Obermeister der Innung Schmalkalden-Meiningen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Frostschutz bedeute, dass im Zimmer nichts einfriere, aber für die Zuleitungen gebe das keine Garantie.

In vielen älteren Häusern liegt die Leitung in den kalten Wänden und der Weg ist weit. Kinder sind weggezogen, viele Räume stehen leer. Deshalb rät der Fachmann, in solchen Fällen die Heizung mindestens auf die Stufe eins zu stellen. "Wenn es dann auf Null Grad geht, kann man auch wieder auf Frostschutz schalten, aber nicht in diesen Tagen bei minus 15 Grad." Die tatsächlichen Schäden werden wohl aber erst sichtbar, wenn alles auftaut. Die Handwerker sind in diesen Tagen weit mehr als acht Stunden unterwegs. "Da ist man auch mal um 22 Uhr beim Kunden, wenn etwas ausfällt", so Förster. Auch wird man mitunter in der Annahme, die Heizung sei kaputt, geholt. Zwanzig Betriebsstunden am Tag machen die Leute nervös. Die gestiegenen Kosten bringen sie trotz eisiger Temperaturen ins Schwitzen.

Die Kfz-Branche kann sich ebenso über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Batterien geben in diesen eisigen Tagen gerne ihren Geist auf.

Und auch den Haustieren sollte man in Anbetracht der niedrigen Temperaturen ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken. "Katzen und Hunde, die normal ernährt sind und sich auch sonst draußen aufhalten, kommen bei der Kälte an sich klar", erklärte Amtstierarzt Georg Möllers gegenüber unserer Zeitung.

"Allerdings sollte man ihnen mehrmals am Tag Wasser anbieten - erst recht, wenn es vorwiegend Trockenfutter gibt." Mit dem einmaligen Auffüllen des Wasser-Napfes am Tag ist es nämlich nicht getan. Das friert im Handumdrehen ein.

"Auch sollte man im Interesse des Tieres dafür sorgen, dass die Hundehütten isoliert sind - sowohl an den Wänden als auch auf dem Boden", so Möllers. Ein Bündel Stroh könne zudem helfen. Dabei sollte die Behausung nicht zu groß und nicht zu klein sein, um optimalen Schutz zu bieten. "Der Hund muss reinpassen und sich drehen können." Da auch die Haustiere derzeit einen erhöhten Energiebedarf haben, sei es nicht verkehrt, die Futterration ein wenig zu erhöhen. "Aber in Maßen, denn viele Haustiere sind ohnehin schon zu dick ", appelliert der Fachmann an das Augenmaß der Halter. ana

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf insuedthueringen.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Schmalkalden

Heiko Gerull will Bürgermeister werden

Bis Dienstagmittag lagen der Breitunger Wahlleiterin die Unterlagen eines Bürgermeisterkandidaten vor. Es sind die eines Überraschungskandidaten: Heiko Gerull vom Verein "Gervina". »mehr
    
    

 
Freiwillig, aber keineswegs umsonst

Engagement im Kulturbereich für ein Taschengeld und wertvolle Erfahrungen: Seit September 2011 absolviert Maximilian Grä... »mehr
    
 
    

 
280 Kilo über dem Feuer

Geschmückt wie ein Pfingstochse lautet eine Redensart - in Breitungen ist er vor allem eines: sehr lecker. »mehr
    
 
    

 
Führerschein nur noch in Dreißigacker

Seit Anfang April ist die Schmalkalder Außenstelle der Fahrerlaubnisbehörde geschlossen. Zulassungen, Um- und Abmeldunge... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Magazine

Stadtfest Ilmenau 2012
Leserreisen 2012
Gästezeitung Thüringer Wald
Bikers Guide 2012
Landesgartenschau 2012
t-wood 2012
Bikers Guide 2012
Gesundheitsforum März 2012
Gesundheitsführer Hildburghausen
Sportkalender HBN 2012
Thüringen im Blick
FH-Schmalkalden
Sportkalender Suhl 2011
Gesundheitsführer Schmalkalden
Anpfiff FW/STZ
Anpfiff FW
Gesundheitsführer Suhl
    
Anzeige
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    

Deutschland hat im Ostseerat den Hut auf

Deutschland führt zur Zeit eine wichtige Gruppe an: den Ostseerat. Unser Land hat seit fast einem Jahr den Vorsitz, deshalb ist Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Woche auch die Gastgeberin beim Ostseerats-Gipfel in Stralsund. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Silly wird die Suhler Schwarzbiernacht rocken 

Mit dem Liveprogramm zur Erfolgsplatte "Alles rot" eröffnen Anna Loos und Silly am Pfingstsamstag, 26. Mai, die Suhler Schwarzbiernacht. Ab sofort gibt es die Karten. »mehr
    
    

Börseninformationen