zuletzt bearbeitet: 22.02.2012 09:47 Uhr
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Ein Denkmal fällt
Brotterodes Ortskern verliert ein weiteres markantes historisches Gebäude. Seit Montag wird das frühere Hotel "Zur Post" abgerissen. Damit verschwindet nicht nur ein Denkmal, sondern auch eine Traumfabrik.
Brotterode-Trusetal - Es war der Rosenmontag, der höchste Feiertag der Faschingsfeierer und auch die Uhrzeit war karnevalistisch: "Um 1.11 Uhr nachmittags fiel der Turm des traditionsreichen Gebäudes unter lautem Getöse", beobachteten Bürger aus der "Oberstadt" von Brotterode-Trusetal. Dennoch gerät nur bei wenigen Bürgern das Weltbild ins Wanken. Das Gebäude, das einem Privateigentümer gehört, war nach einem Brand baufällig. Und auch die Troika - Stadtverwaltung, Bauaufsicht und Denkmalbehörde - wussten Bescheid.
"Es ist doch schon länger bekannt, dass die Post abgerissen werden muss. Sie wird stückweise abgetragen", sagte Bürgermeister Karl Koch (Die Linke), der sich mit Grausen an das eingestürzte Hotel Krone erinnert, dessen Trümmer womöglich auf Kosten der Steuerzahler entsorgt werden müssen. Und Günter Kraensel von der Bauaufsicht erinnert sich: "Seit 2004 müssen wir keine Abrisse genehmigen. Aber einschreiten, wenn Gefahr in Verzug ist."
Gleichwohl musste die Denkmalbehörde zustimmen - und hat es auch." "Eigentlich eine alte Geschichte aus 2010. Der Eigentümer ist aufgefordert worden, das nach dem Brand angegriffene Gebäude baulich zu ertüchtigen. Und da er das alles finanziell nicht konnte, ist dem Abriss zugestimmt worden", sagte Bärbel Oehring von der Behörde.
Das Geburtsgebimmel und Totenglöcklein mit Bränden zu tun hatten, gehört zur Ironie der Geschichte. Denn das Hotel "Zur Post" war nach der großen Feuersbrunst 1895 gebaut worden, die das alte Brotterode fast komplett einäscherte." Die Häuser in der Schmalkalder Straße wurden Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, die letzten 1905 bis 1910", erinnerte Denkmalschützerin Oehring. Allesamt stattliche Gebäude, deren Größe und Lage heute einen hohen Preis fordert. Sie sind schwer verkäuflich. Dass die alte Post überhaupt einen neuen Eigentümer nach 1990 bekommen hatte, sei wohl eher Zufall. Der neue Besitzer, ein angenehmer und verständnisvoller Gesprächspartner, wie Oehring sagte, habe wohl Vorstellungen gehabt, die so nicht eintrafen. Er sei von den Behörden aufgefordert worden, etwas zu unternehmen, das Gebäude zu ertüchtigen. Es habe Einsturzgefahr bestanden. "Der Brand war das eine, aber Wasser und Frost haben dem Haus noch mehr zugesetzt. Die Lehmfüllungen sind herausgeplatzt", so Oehring. Doch für die meisten Brotteroder war die alte Post nicht die alte Post, sondern die frühere Kurverwaltung, Bibliothek und vor allem das alte Kino.
"Ich war als Kind jeden Sonnabend dort und viele Brotteroder auch. Das war doch wunderbar", erinnerte sich die Trachtlerin Almut Rohmeiß an die Traumfabrik. "Der Name der Rose" und Dirty Dancing" gehörten zu den letzten Filmen, die dort liefen. Doch der Vorhang war damit noch lange nicht gefallen. Der Eigentümer stellte seine Immobilie der Brotteroder Volkstheatergruppe kostenlos zur Verfügung. Das Publikum belohnte es, das Haus war gewöhnlich brechend voll. Brotterode sei vor Jahren in der Städtebauförderung gewesen, erinnert sich Denkmalschützerin Oehring. Das Haus des Gastes sei so saniert worden, eine Ausnahme. Überdurchschnittliche Geschäftigkeit habe das Programm in der Verwaltung aber nicht ausgelöst. Mit etwas Geschick wäre da einiges für Brotterode dringewesen. Die "Krone" und die "Post" werden nicht die letzten Gebäude sein, die aus dem Ortsbild verschwinden. "Irgendwann wird auch die alte Tabakwarenfabrik abgerissen", kündigte die Mitarbeiterin des Landratsamtes an.
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