zuletzt bearbeitet: 27.04.2011 15:14 Uhr
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Armut ist kein Randphänomen mehr
"Leben mit wenig" heißt ein neues Projekt zur Armutsbekämpfung und Integration sozial benachteiligter Menschen im Kirchenkreis.
Schmalkalden - Als Initiator folgte das Diakonische Werk im Kirchenkreis Schmalkalden damit dem Aufruf der Landessynode, wieder vermehrt den Auftrag des Evangeliums wahrzunehmen und sich der Armen anzunehmen.
Als Kooperationspartner konnten der Landkreis Schmalkalden-Meiningen, die Stadt Schmalkalden, die Kirchengemeinde, das Familienzentrum und verschiedene diakonische Beratungsstellen gewonnen werden. Im Diakoniegottesdienst am Sonntag in der Schmalkalder Stadtkirche nutzte Diakoniepfarrer Ingo Schäfer die Gelegenheit, das neue Projekt, dessen Koordination Susann Pfeifer übernommen hat, genauer vorzustellen. "Wir wollen zu den Menschen, die von Armut betroffen sind, hingehen, diese Armut sichtbar machen und uns gemeinsam mit Betroffenen und Menschen, die etwas ändern können, an einem Tisch setzen, um das Problem stückweit zu lösen", sagte er. Dies funktioniere nur miteinander.
Getreu den Jesu-Worten "Was willst du, das ich dir antun soll?". Was aber bedeutet "Leben mit wenig"? Sind drei Paar Sommerschuhe viel oder wenig? Ist ein Hauptschulabschluss viel oder wenig? Sind 1000 Euro im Monat viel oder wenig? Das alles könne unterschiedlich definiert werden, eben weil es vom Empfinden des Einzelnen abhänge.
Natürlich gebe es objektive Kriterien - diejenigen, die im Monat mit weniger als 700 Euro auskommen müssen, leben unter der Armutsgrenze. Wer seine Kinder im musischen oder sportlichen Bereich nicht entsprechend fördern oder Nachhilfeunterricht nicht bezahlen könne, dem blieben letztlich Chancen verwehrt. Ebenso dem Arbeitslosen über 50.
Alle Genannten haben unterm Strich weniger Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Auch dürfe man Armut nicht nur im Sinne von materieller und sozialer Benachteiligung betrachten, sondern müsse sich ebenso der seelischen Armut annehmen.
"Leben mit wenig kann jeden treffen - es ist längst kein Rand-Phänomen mehr, wird aber oft übersehen", so der Diakoniepfarrer. So gebe es auch in den Gemeinden Gruppen, die zunehmend übersehen beziehungsweise gar nicht gesehen werden wollen. Aus Scham oder weil sie ihrer Ansicht nach nicht in die Gemeinde passen, blieben sie Gottesdiensten fern und nähmen Angebote in den Kirchengemeinden nicht wahr.
Nach einer soziologischen Untersuchung ist die Kirche eine Mittelstandskirche geworden, stellte der Theologe heraus. Heißt: Es kommen nur noch bestimmte Gruppen zu den verschiedenen Veranstaltungen - die bunte Vielfalt gibt es nicht mehr. "Wir leiden an Millieuverengung", erläuterte Pfarrer Schäfer den Fachbegriff. Und so will man mit dem Projekt "Leben mit wenig" sozial benachteiligte Menschen vor Ort nach frühchristlichem Vorbild wieder integrieren.
"Man darf die Menschen nicht von ihren Defiziten her bewerten, sondern von ihrem Potenzial", mahnte der Theologe. Von der klassischen Versorgungsmentalität müsse man wegkommen, hin zu einer aktivierenden Initiative der Betroffenen. Ziel sei es eine lebendige Gemeinde zu entwickeln, in der Arme und Reiche, Junge und Alte, sozial Benachteiligte und Bessergestellte auf Gottes Wort hören und gemeinsam Abendmahl feiern.
Im Gottesdienst wurden außerdem 34 Damen und Herren, die im Pflegedienst, in der Hospiz- und Palliativbewegung sowie bei der Schmalkalder Tafel tätig sind, eingesegnet. Ebenso sprach Pfarrer Schäfer der Koordinatorin des neuen Projektes "Leben mit wenig" den Segen Gottes zu.
Als kleines Geschenk überreichte die Geschäftsführerin der Schmalkalder Diakoniestation, Jana Herrmann, jedem der 34 Mitarbeiter eine Kerze.
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