zuletzt bearbeitet: 09.09.2011 10:22 Uhr
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Angebote zu wenig bekannt
"Leben mit wenig" - das Thema des Projekts spiegelt im Großen und Ganzen auch die Lebenssituation derjenigen wider, die sich an der Fragebogenaktion beteiligt haben.
Schmalkalden - "Es war eine Chance für alle", sagte Susann Pfeifer jüngst im Rathaussaal. Dort hatte sie die von ihr ausgewerteten Fragebögen zur Thematik "Leben mit wenig" vorgestellt. In Schmalkalden waren 371 zurückgekommen. Die Altersspanne der Befragten lag zwischen 27 und 44 Jahren. Senioren hatten sich nur einige wenige beteiligt. Größtenteils seien die Befragten verheiratet, arbeiteten in Vollzeit und verdienten zwischen 800 und 2100 Euro monatlich.
In einem waren sich alle Befragten einig: In Schmalkalden fehlt ein Kino. Der Wunsch nach mehr Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche sei in allen drei Gemeinden, die Fragebögen wurden in Bermbach, Brotterode und Schmalkalden verteilt, geäußert worden. Allerdings gilt es zu beachten, dass von 5000 ausgegebenen Exemplaren nur 478 ausgefüllt wurden. "Für uns ist das ein erstes Stimmungsbild", schätzte Diakoniepfarrer Ingo Schäfer ein.
Das Projekt als Kooperation zwischen Stadt Schmalkalden und den evangelischen Kirchengemeinden wurde bereits im Hauptausschuss und im Kirchenvorstand in Brotterode sowie im Schmalkalder Stadtrat vorgestellt. Die Umfrageergebnisse in Bermbach und in Brotterode wurden bei mehr oder weniger großem Interesse auch schon öffentlich gemacht. In Bermbach regte man zur Bildung eines "Runden Tisches" an. Auch von den etwa 20 Gästen im Rathaussaal, darunter der erste Beigeordnete der Stadt, Rainer Stoffel, und Renate Löscher, Vorsitzende des Kirchenkreisvorstandes, wurde diese Idee für gut befunden. Projektverantwortliche Susann Pfeifer begann ihre Ausführungen mit einer Fotopräsentation, die sieben Jugendliche aus dem Jugendhaus Walperloh aufgenommen haben. Auch betonte sie, dass die Umfrageergebnisse keine empirische Erhebung, sondern vielmehr ein Meinungsbild darstellen.
Mit ihrer Stadt seien die meisten der 371 Befragten recht zufrieden. Auch Fragen nach dem privaten und beruflichen Umfeldern ergaben zumeist positive Antworten. Nicht zufrieden waren einige mit ihrer finanziellen Situation, der eigenen Mobilität und stellenweise mit der Erwerbstätigkeit. Kirchliche und sportliche Angebote würden oft genutzt, kulturelle ab und an. Zuallererst informierten sich die Befragten über die Tageszeitung, erst an Position zwei kommt - noch vor dem Internet - der Buschfunk.
Die Wünsche der 371 Umfrageteilnehmer hatte Susann Pfeifer auf Papier gebracht und aneinandergeklebt. Zusammengerollt überreichte sie je ein Exemplar an Rainer Stoffel und Renate Löscher. In der sich an die Vorstellung der Umfrageergebnisse anschließenden Diskussionsrunde wurde das weitere Vorgehen des Projektes "Leben mit wenig" besprochen. Karola Leyh von der Kreisdiakoniestelle stellte heraus, dass man nicht bei Null anfangen brauche, sondern zusammenstellen solle, was gerade an Angeboten für Kinder und Jugendliche vorhanden sei. Treffpunkte gebe es in Schmalkalden genug, meinte Jana Lenk, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schmalkalden. Auch über das Projekt "nelecom" habe man versucht, an Jugendliche verstärkt heranzukommen. Selbst zum Jugendparlament sei eingeladen worden.
Leider habe niemand daran Interesse gezeigt. Ralph Winter, Leiter der Erziehungsberatungsstelle des Diakonischen Werkes, wies darauf hin, dass die Befragten alles Eltern seien, die mehr Angebote für ihre Kinder forderten. Oftmals würden gerade Beratungsangebote nicht wahrgenommen, einfach auch, weil sie unbekannt seien.
Die 27- bis 44-Jährigen wissen nicht, was in Schmalkalden angeboten wird, deshalb sollte man die Angebote bündeln, schlug Günter Pfaff von der Verbraucherberatungsstelle vor. Auch Stadträtin Magdalene Saal (Die Linke) bezeichnete die Angebote für Kinder und Jugendliche in Schmalkalden als sehr gut. Allein die Frage, warum sie nicht angenommen würden, sei der Knackpunkt. Pfarrer Schäfer sprach diesbezüglich von einem "Aktivierungsproblem". Wichtig sei es, zunächst die Durchlässigkeit der Angebote zu prüfen und als Einrichtungen, die Angebote machen, stärker aufeinander hinzuweisen. Aufgaben für den "Runden Tisch" gebe es damit ausreichend.
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