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Abschied in Deutschlands Mitte

Der Journalist und langjährige Sportredakteur des Deutschlandfunks Herbert Fischer-Solms wählte das Thüringer Rhönhaus zur Begegnungsstätte für seinen Abschied vom Berufsleben.

Von Tino Hencl
  • Eine illustre Gesellschaft: Freunde und Weggefährten von Herbert Fischer-Solms im Schnee vor dem Thüringer Rhönhaus, wo der Sportredakteur Abschied feierte.
  • Herbert Fischer-Solms (r.) mit dem Sport-Chef der FAZ Anno Hecker und Ehefrau Luise Fischer. Fotos (2): T. Hencl
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Oberweid - An vielerlei Besucher aus nah und fern sind die Betreiber des Thüringer Rhönhauses am Ellenbogen, das Ehepaar Erika und Hartmut Lümpert aus Oberweid, gewöhnt. Jetzt hatten sich jedoch recht außergewöhnliche Gäste aus ganz Deutschland im rustikalen Ambiente des Gasthauses auf der Hohen Rhön eingefunden. Herbert Fischer-Solms, bekannter Redakteur und Journalist beim Deutschlandfunk in Köln, hatte Weggefährten, gute Freunde und Berufskollegen anlässlich seines Abschiedes vom Berufsleben hierher eingeladen - nicht von ungefähr.

Kontakt gehalten

Fischers Familie zog Anfang der 50er Jahre von Sachsen nach Westdeutschland, während die Verwandtschaft weiter in der DDR lebte. Der Familienzusammenhalt blieb fest bestehen - trotz mancher Schwierigkeiten in der Zeit des Kalten Krieges. Einer seiner Cousins kam als "Grenzer" nach Oberweid und lebt dort bis heute mit seiner Familie. Alle zwei Jahre wurde irgendwo ein Familientreffen organisiert - nur in Oberweid selbst wegen seiner Lage in der Sperrzone war dies unmöglich. Nach der politischen Wende im Herbst 1989 ergab sich die Möglichkeit, die Heimat des Cousins ohne Einschränkungen kennenzulernen. Herbert Fischer-Solms und seine Frau nutzten diese Chance und kamen seither von Solms aus immer wieder in die Rhön zurück. (Übrigens: Der Wohnort Solms sorgte für den Namenszusatz von Herbert Fischer, weil seinerzeit in der Sportredaktion zwei Redakteure gleichen Familiennamens zu finden waren.)

Besonders in den turbulenten Wendezeiten beobachtete, recherchierte und speicherte der Journalist auch beruflich die rasanten Veränderungen, die sich in den ländlichen Gebieten ereigneten. Eine der Bürgerprotestversammlungen in Oberweid beispielsweise zeichnete er auf und gestaltete damit eine Reportage im Deutschlandfunk. Auch umfangreiches zeitgeschichtliches Bildmaterial zu diesen Themen nennt er sein eigen.

Als nunmehr anlässlich seiner bevorstehenden Pensionierung ein Veranstaltungsort für seinen "Ausstand" gesucht wurde, fiel die Wahl desselben nicht schwer. Zentral gelegen im Herzen Deutschlands, bot sich das Thüringer Rhönhaus am Ellenbogen für alle Gäste gleichermaßen gut erreichbar an, begründete Fischer seine Entscheidung.

Obendrein hat Herbert Fischer-Solms eine besondere Beziehung zum Gasthaus: Schon zur Eröffnung im Jahr 1990 war er mit seiner Frau anwesend und erinnert sich gut an die damalige Ausstattung. "Wirklich unglaublich, was hier in den zwei Jahrzehnten geschaffen wurde und was sich alles verändert hat", blickt er jetzt beeindruckt zurück.

Fachleute-Treffen

Die Gästeliste seiner Ausstandsfeier liest sich wie das "Wer ist wer" von bekannten und anerkannten Größen aus Sport, Medizin und Journalismus. Rund 35 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter beispielsweise der führende Experte für Dopingfragen in Deutschland, Prof. Werner Franke, mit seiner Frau Brigitte Berendonk, der Sportmediziner Dr. Wolfgang Stockhausen, die ehemaligen DDR-Spitzensportler Andreas (früher Heidi) Krieger, Ute Krause, Marie Katrin Kanitz, der ehemalige Skilanglauftrainer Henner Misersky und seine Frau Ilse, aber auch Berufskollegen wie der Radsportjournalist Ralf Meutgens und der Sport-Chef der FAZ, Anno Hecker.

Beim gemütlichen Zusammensein am Nachmittag wurden alle Gäste von Herbert Fischer-Solms ausführlich vorgestellt, Lebenserinnerungen ausgetauscht und manche Anekdote aus alten Zeiten zum Besten gegeben. Mit vielen, die er während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit beim Deutschlandfunk kennen- und schätzen gelernt hat, verbindet ihn eine intensive Freundschaft.

Die Eingeladenen revanchierten sich mit einem bunten Programm am Abend bei Herbert Fischer-Solms, würdigten seine Leistungen und Verdienste im deutschen Journalismus, insbesondere zu den Themen Sport und Doping im Sport, und überreichten so manch seltenes Erinnerungsstück an den frischgebackenen Ruheständler.

Noch was vorgenommen

Nach dem Abendessen war die illustre Gesellschaft noch bis weit in die Nacht hinein in der anheimelnden Atmosphäre des Thüringer Rhönhauses mit Fachsimpelei, Diskussion und Erfahrungsaustausch beschäftigt.

In Zukunft will Herbert Fischer-Solms seine nun zunehmende Freizeit für häufigere Besuche der Rhön nutzen, weiterhin sein umfangreiches Datenmaterial aus jahrelanger Arbeit im privaten Archiv ordnen und zeitgeschichtliche Bild- und Tonaufnahmen aus der Rhöner Gegend der Ortschronik Oberweid zur Verfügung stellen, sagte er im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Für die Zukunft möchte er sich auch weiter journalistisch betätigen zu den Schwerpunkten Sportpolitik und deutsch-deutsche Geschichte. Und: Außerdem möchte er natürlich seinen Ruhestand genießen.

Zur Person

Herbert Fischer-Solms wurde 1946 in Löbau (Lausitz) geboren. Nach Übersiedlung nach Solms und der Schulzeit absolvierte er ein Volontariat in Gießen, anschließende Mitarbeit in verschiedenen Redaktionen in Kassel und Wiesbaden.

Seit 1973 war er als Sportjournalist und Redakteur beim Deutschlandfunk in Köln tätig.

Besonderes Interesse hatte Herbert Fischer-Solms am Dialog zwischen beiden deutschen Staaten. Es folgte fast 40 Jahre lang eine umfassende Sportberichterstattung zu vielerlei sportlichen Großereignissen in Ost und West.

Fischer ist Mitglied der Hörfunk-Dopingkommision.


    
    

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