zuletzt bearbeitet: 21.02.2012 09:56 Uhr
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"Tourismus ohne Kirchturm-Denken"
Meiningen - Jörg Marwede ist vor einem Jahr mit seiner Frau, der Superintentendin Beate Marwede, nach Meiningen gezogen. "Meiningen ist eine schöne Stadt - aber für die Zukunft muss etwas getan werden, auch im Tourismus", sagt der 57 Jahre alte Diplompsychologe. In seinem früheren Wohnort im niedersächsischen Herzberg im Harz arbeitete er im Stadtrat und im Fremdenverkehrsausschuss mit. Wie muss sich Meiningen aufstellen, um im touristischen Wettbewerb nicht auf der Strecke zu bleiben? Die Frage stand in der vergangenen Woche bei einer Diskussionsrunde im Ratssaal im Mittelpunkt. Jörg Marwede war nicht dabei, hat dazu aber einen Standpunkt, den er der Redaktion in einem Brief mitteilte:
Tourismus in Meiningen ist ein stiefmütterlich behandeltes Thema, das auch durch Veranstaltungen mit Appellcharakter wie mit Professor Feige nicht wirklich besser beleuchtet wird. Der heutige Gast stellt mehr Ansprüche, als die Meininger Verantwortlichen wahrhaben wollen. Besucher kommen erst gar nicht, wenn sie nicht das finden können, was sie sich wünschen. Tourismus-Angebote sind so vielfältig und zum Teil gut gemacht, dass der Bürger nicht darauf wartet, aus Meiningen ein weiteres Angebot durchschnittlicher Art zu erhalten. Es gibt nicht "den Gast": Gäste sind eine vielschichtige Gruppe mit ganz unterschiedlichen Interessen.
Der eine will Kultur: Da ist Meiningen mit seinem Theater ganz gut aufgestellt. Der zweite will Wanderungen: Doch die Beschilderung ist zum Teil verwirrend, Wege sind ungepflegt. Der dritte will gut essen: Der moderne Gast will gesunde, regional ausgerichtete Speisen. Haben wir die? Der vierte Gast will Lokalkolorit: Werden in Meiningen Angebote aus der Umgebung einbezogen? Der fünfte Gast will seine Kinder gut betreut wissen, wenn er sich anderes gönnt. Haben wir ein durchgehendes Kinder-Sommer-Programm? Der sechste Gast will Mountainbike fahren, paddeln: Wo und wie wird das angeboten? Der siebte Gast will ein attraktives Wellness-Angebot, der achte will Eisenbahn - zu wenig eingebunden in den Meininger Tourismus. Der neunte Gast will Geologie und Urzeit-Leben, der zehnte Gast will ...
Erst wenn wir definieren, wen wir als Gast sehen, können wir entsprechende Angebote aufbauen - und aktiv bewerben. Angebote machen heißt: Tourismus-Pakete über drei bis vier Tage schnüren mit interessanten Inhalten für die jeweiligen Zielgruppen. Jetzt ein paar Broschüren verteilen, ist ehrenwert, bringt aber nicht neue Gäste in großen Mengen.
Ein zielgruppenorientiertes Tourismus-Programm aufzustellen, kostet Zeit und Kraft. Die lokalen Anbieter müssen an einen Tisch (das ist schon eine sensationelle Leistung), das "Umfeld" muss mit an den Tisch: Akteure für ein Kinderprogramm, Kirchen, Paddler. Ein Ziel muss her, dessen Umsetzung in Schritten geplant wird.
Dazu kommt noch ein weiterer großer Schritt, der in Südthüringen bisher nur unzureichend gegangen wurde: Der Gast will keinen Ein-Ort-Aufenthalt. Er ist mobil, will auch Angebote aus anderen Orten: Kühndorf, Bauerbach, auch Viba und Schmalkalden, Biathlon und Oberhof, Geba und Rhön. Wir brauchen die Vernetzung im Tourismus-Bereich zwischen Thüringer Wald und Rhön mit dem gesamten Werratal und kein eigenbrötlerisches Kirchturm-Denken. Eine solche Vernetzung gibt es heute in unserer Region nicht. Kein gutes Zeichen! Also: Packen wir es an!
Hinweis der Redaktion: Wenn auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, Vorschläge und Kritiken zum Tourismus äußern wollen, schreiben Sie uns bitte: FW Meininger Tageblatt, Neu-Ulmer Straße 8a, Fax: 03693/44 03 35, E-Mail: meiningen@fw-mt.de
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Kleinkariertvon telewalther
(63) am 21.02.2012 16:44Wenn es schon um die An- oder Abwesenheit eines Bratwurststandes auf dem Weihnachtsmarkt Querelen gibt, kann man nichts anderes erwarten,als dass es zum Problem wird, über den Meiningen Tellerrand zu blicken. |
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