» zur Übersicht Meiningen
    
    
Artikel
 
    
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   
"Tourismus ohne Kirchturm-Denken"

  • Jörg Marwede ist vor einem Jahr nach Meiningen gezogen. Er spricht sich für eine Vernetzung der Region im Tourismus aus. Foto: M. Hildebrand-Schönherr
Bild von

Meiningen - Jörg Marwede ist vor einem Jahr mit seiner Frau, der Superintentendin Beate Marwede, nach Meiningen gezogen. "Meiningen ist eine schöne Stadt - aber für die Zukunft muss etwas getan werden, auch im Tourismus", sagt der 57 Jahre alte Diplompsychologe. In seinem früheren Wohnort im niedersächsischen Herzberg im Harz arbeitete er im Stadtrat und im Fremdenverkehrsausschuss mit. Wie muss sich Meiningen aufstellen, um im touristischen Wettbewerb nicht auf der Strecke zu bleiben? Die Frage stand in der vergangenen Woche bei einer Diskussionsrunde im Ratssaal im Mittelpunkt. Jörg Marwede war nicht dabei, hat dazu aber einen Standpunkt, den er der Redaktion in einem Brief mitteilte:

Tourismus in Meiningen ist ein stiefmütterlich behandeltes Thema, das auch durch Veranstaltungen mit Appellcharakter wie mit Professor Feige nicht wirklich besser beleuchtet wird. Der heutige Gast stellt mehr Ansprüche, als die Meininger Verantwortlichen wahrhaben wollen. Besucher kommen erst gar nicht, wenn sie nicht das finden können, was sie sich wünschen. Tourismus-Angebote sind so vielfältig und zum Teil gut gemacht, dass der Bürger nicht darauf wartet, aus Meiningen ein weiteres Angebot durchschnittlicher Art zu erhalten. Es gibt nicht "den Gast": Gäste sind eine vielschichtige Gruppe mit ganz unterschiedlichen Interessen.

Der eine will Kultur: Da ist Meiningen mit seinem Theater ganz gut aufgestellt. Der zweite will Wanderungen: Doch die Beschilderung ist zum Teil verwirrend, Wege sind ungepflegt. Der dritte will gut essen: Der moderne Gast will gesunde, regional ausgerichtete Speisen. Haben wir die? Der vierte Gast will Lokalkolorit: Werden in Meiningen Angebote aus der Umgebung einbezogen? Der fünfte Gast will seine Kinder gut betreut wissen, wenn er sich anderes gönnt. Haben wir ein durchgehendes Kinder-Sommer-Programm? Der sechste Gast will Mountainbike fahren, paddeln: Wo und wie wird das angeboten? Der siebte Gast will ein attraktives Wellness-Angebot, der achte will Eisenbahn - zu wenig eingebunden in den Meininger Tourismus. Der neunte Gast will Geologie und Urzeit-Leben, der zehnte Gast will ...

Erst wenn wir definieren, wen wir als Gast sehen, können wir entsprechende Angebote aufbauen - und aktiv bewerben. Angebote machen heißt: Tourismus-Pakete über drei bis vier Tage schnüren mit interessanten Inhalten für die jeweiligen Zielgruppen. Jetzt ein paar Broschüren verteilen, ist ehrenwert, bringt aber nicht neue Gäste in großen Mengen.

Ein zielgruppenorientiertes Tourismus-Programm aufzustellen, kostet Zeit und Kraft. Die lokalen Anbieter müssen an einen Tisch (das ist schon eine sensationelle Leistung), das "Umfeld" muss mit an den Tisch: Akteure für ein Kinderprogramm, Kirchen, Paddler. Ein Ziel muss her, dessen Umsetzung in Schritten geplant wird.

Dazu kommt noch ein weiterer großer Schritt, der in Südthüringen bisher nur unzureichend gegangen wurde: Der Gast will keinen Ein-Ort-Aufenthalt. Er ist mobil, will auch Angebote aus anderen Orten: Kühndorf, Bauerbach, auch Viba und Schmalkalden, Biathlon und Oberhof, Geba und Rhön. Wir brauchen die Vernetzung im Tourismus-Bereich zwischen Thüringer Wald und Rhön mit dem gesamten Werratal und kein eigenbrötlerisches Kirchturm-Denken. Eine solche Vernetzung gibt es heute in unserer Region nicht. Kein gutes Zeichen! Also: Packen wir es an!

Hinweis der Redaktion: Wenn auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, Vorschläge und Kritiken zum Tourismus äußern wollen, schreiben Sie uns bitte: FW Meininger Tageblatt, Neu-Ulmer Straße 8a, Fax: 03693/44 03 35, E-Mail: meiningen@fw-mt.de

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Kleinkariert

von telewalther m (63) am 21.02.2012 16:44
Wenn es schon um die An- oder Abwesenheit eines Bratwurststandes auf dem Weihnachtsmarkt Querelen gibt, kann man nichts anderes erwarten,als dass es zum Problem wird, über den Meiningen Tellerrand zu blicken.
(0)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf insuedthueringen.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Meiningen

Längst vergessene Widersprüche beackert

Erst jetzt bearbeitet das Landratsamt zehn Jahre alte Widersprüche gegen Abwasserbescheide. Die Gebühr ist für manchen Grundstücksbesitzer ein Ärgernis. Andere werden so an die Chance einer Rückzahlung erinnert. »mehr
    
    

 
Zweiter Platz für Werra-Badespaß

Meiningen - Fürs Siegertreppchen hat's wieder nicht ganz gereicht: Beim Mission-Olympic-Wettstreit um die "Initiative de... »mehr
    
 
    

 
Unfall: Vorfahrt missachtet

Zu einem Unfall mit drei verletzten Personen kam es am Montag, 17.15 Uhr, auf der L3089 bei Untermaßfeld (Schweinemastan... »mehr
    
 
    

 
Das ganze UL-Spektrum

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine große Schau für den UL-Flugsport auf dem Flugplatzgelände am Dolmar geben. »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Magazine

Stadtfest Ilmenau 2012
Leserreisen 2012
Gästezeitung Thüringer Wald
Bikers Guide 2012
Landesgartenschau 2012
t-wood 2012
Bikers Guide 2012
Gesundheitsforum März 2012
Gesundheitsführer Hildburghausen
Sportkalender HBN 2012
Thüringen im Blick
FH-Schmalkalden
Sportkalender Suhl 2011
Gesundheitsführer Schmalkalden
Anpfiff FW/STZ
Anpfiff FW
Gesundheitsführer Suhl
    
Anzeige
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    

Deutschland hat im Ostseerat den Hut auf

Deutschland führt zur Zeit eine wichtige Gruppe an: den Ostseerat. Unser Land hat seit fast einem Jahr den Vorsitz, deshalb ist Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Woche auch die Gastgeberin beim Ostseerats-Gipfel in Stralsund. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Silly wird die Suhler Schwarzbiernacht rocken 

Mit dem Liveprogramm zur Erfolgsplatte "Alles rot" eröffnen Anna Loos und Silly am Pfingstsamstag, 26. Mai, die Suhler Schwarzbiernacht. Ab sofort gibt es die Karten. »mehr
    
    

Börseninformationen