zuletzt bearbeitet: 08.02.2012 09:41 Uhr
Text
Text
Rollen sind rar, aber: "Ich will spielen"
In die wilden Zwanziger Jahre entführt Marianne Thielmann in ihrem neuen Solo-Abend. "Dirnenlied" heißt die Kriminalkomödie, die sie am Samstag im Henneberger Haus zur Premiere bringt.
Meiningen - Zusammen mit dem Schauspieler und Regisseur Dietmar Horcicka hat die Meininger Schauspielerin ihren neuen Solo-Abend einstudiert. Das Stück von Anne Clausen erzählt über Clara von Stelzenbühl, einer reichen Unternehmersgattin mit Tick fürs Berliner Kulturleben. Sie ist besonders angetan von der "Stiftung zur Erhaltung des preußischen Kulturguts", einem Theater, in dem sie nicht nur aus- und eingeht, sondern auch mit dem Star des Hauses, Fräulein Kessie, persönlich befreundet ist. Doch die ist nach einer skandalösen Premiere plötzlich verschwunden. Getrieben von mütterlicher Sorge macht sich Clara auf die Suche nach Kessie. Dabei deckt sie manche Merkwürdigkeiten über das vermeintliche "Preußische Kulturgut" auf und erkennt schließlich den ganzen Schwindel, der dahinter steht.
Anrüchig und humorvoll
Anrüchiges, Humorvolles aber auch Spannendes verspricht dieser Mini-Krimi, den die Berliner Autorin und Schauspielerin ursprünglich für sich selbst schrieb. Marianne Thielmann fand das Stück passend und hat dazu noch sieben Lieder aus ihrem Repertoire, unter anderem von Kurt Tucholsky und Günter Neumann, eingebaut. Besonders freut sie sich, dass ihr Meininger Schauspielerkollege Renatus Scheibe den Titelsong für sie komponierte, textete und mit Keyboard einspielte.
Um den Monologtext recht lebendig auf die Bühne zu bringen, nahm sie sich erstmals einen Regisseur zur Seite. Mit Dietmar Horcicka stand Marianne Thielmann schon schon auf der Meininger Bühne. Seine Regiearbeiten hat die Schauspielerin zuletzt im Märchen "Ein Kranich im Schnee" schätzen gelernt.
"Ich brauche vor allem Ideen von außen", sagt Marianne Thielmann, die bislang ihre Monologstücke selbst inszenierte. Mit ihrem Solotheater profilierte sich die gebürtige Meiningerin, die seit 1982 am hiesigen Theater fest engagiert ist, nicht nur in der Meininger Kleinkunstszene, wo sie im Rautenkranz und im Henneberger Haus spielt. Mit Franca Rames Aufklärungsstück "Sex - aber mit Vergnügen" - noch eine Produktion des Meininger Theaters aus den 90er Jahren -, der Satire "Männer und andere Irrtümer" und zuletzt dem Stück "Die heilige Johanna der Einbauküche" gastierte sie auch in Suhl, Bamberg, Coburg, Schweinfurt sowie im Hessischen rund um Marburg. Hinzu kommen im Frühjahr und Sommer Auftritte in Rostock und Warnemünde, wo sie sich zugleich an der Ostsee etwas erholt.
Schwere körperliche Arbeit
Es ist nicht leicht, sich als Schauspielerin selbst zu vermarkten und als No-Name in der Kleinkunstszene Fuß zu fassen, so die Erfahrung der Schauspielern. Ein Solo-Abend bedeutet für sie zudem schwerste körperliche Arbeit: "Weil man alles - von der Werbung bis zum Auftritt - selbst organisieren muss, dazu den Auf- und Abbau macht und allein auf der Bühne spielt." Trotzdem macht es ihr großen Spaß und die freiberufliche Arbeit möchte sie nicht missen. Zumal es ihre eigene Entscheidung war, einen Teil des festen Engagements am Meininger Theater aufzugeben. "Nach so vielen Jahren bin ich unkündbar. Aber Rollen in meinem Alter sind rar. Es gibt kaum Stücke für Frauen ab 50, nur Minirollen, nichts Attraktives. Aber ich will spielen und nicht warten müssen, bis ich wieder mal besetzt werde", sagt die Mitfünfzigerin, die sich im besten, weil lebenserfahrenen Alter fühlt.
In großen und kleinen Rollen brilliert Marianne Thielmann mit prägnanter Präsenz auf der Meininger Bühne. Mit ihrem wandlungsfähigen Spiel füllt sie jede Rolle aus und gibt ihr ein unverwechselbares Profil. Sie beherrscht gleichermaßen die Kunst des Spielens und Sprechens, aber auch Singen und Tanzen kann sie. Als Anita war sie 1993 in der "West Side Story" und als Edith Piaf in "Edith" zu erleben. Unter der Regie von Manfred Wekwerth gab sie 1995 die Shin in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan". In Shakespeares "Sommernachtstraum" spielte sie 1996 die Hippolyta und Titania und im "Hamlet" 2001 die Königin Gudrun. In Goethes "Faust I" (2007) überzeugte sie als Marthe und in Ibsens "Gespenster" als Frau Alving. Große Frauen erweckte sie mit Jacki O. (1998), Maria Callas in "Meisterklasse" (2000) und Marlene Dietrich in "Marleni" (2002) zum Leben.
Inzwischen ist Marianne Thielmann nur noch für zwei Stücke pro Spielzeit vertraglich am Meininger Theater gebunden. Zuletzt spielte sie in "Die Katze auf dem heißen Blechdach" und im Märchen "Ein Kranich im Schnee". Auch wenn sie inzwischen in einem kleinen Ort bei Marburg eine zweite Heimat fand, wird das Meininger Theater ihre erste bleiben. Hier hat sie ihre Kollegen, die sie unterstützen- ob beim Kulissenbau, den Kostümen, der Maske oder anderen kreativen Arbeiten. "Ohne ihre Hilfe würde ich mein Solo-Theater gar nicht machen können", lobt Marianne Thielmann.
Kein Schreibtalent
Für ihre Programme ist sie stets auf Suche nach passenden Stücken. Erotisches geht am Besten, weiß sie aus Erfahrung. Frauen im Selbstfindungsprozess kommen auch gut an. Die Verlage bieten ihr Stücke zu diesen Themen an, doch es findet sich meist wenig Verwendbares darunter. "Kabarettisten schreiben ihre Programm selbst, aber dazu habe ich kein Talent", gesteht die Schauspielerin. Einen Abend mit ihren Lieblingsgedichten, Geschichten und Liedern würde sie gern machen.
Aber zunächst will sie ihren neuen Solo-Abend "Dirnenlied" am kommenden Samstag (20 Uhr) auf der Kleinen Hennebühne im Henneberger Haus zur Premiere bringen. Eine zweite Vorstellung folgt schon am Sonntag, 12. Februar, um 18 Uhr. Weitere sind für den 14. April um 20 Uhr und den 15. April um 18 Uhr angekündigt. Karten können unter Telefon 03693/50 89 90 vorbestellt werden.
Diesen Artikel
|
|||||
Die neuesten Kommentare
Ȇbersicht Meiningen
Längst vergessene Widersprüche beackert
Erst jetzt bearbeitet das Landratsamt zehn Jahre alte Widersprüche gegen Abwasserbescheide. Die Gebühr ist für manchen Grundstücksbesitzer ein Ärgernis. Andere werden so an die Chance einer Rückzahlung erinnert. »mehr
Zweiter Platz für Werra-Badespaß
Meiningen - Fürs Siegertreppchen hat's wieder nicht ganz gereicht: Beim Mission-Olympic-Wettstreit um die "Initiative de... »mehr
Unfall: Vorfahrt missachtet
Zu einem Unfall mit drei verletzten Personen kam es am Montag, 17.15 Uhr, auf der L3089 bei Untermaßfeld (Schweinemastan... »mehr
Das ganze UL-Spektrum
Auch in diesem Jahr wird es wieder eine große Schau für den UL-Flugsport auf dem Flugplatzgelände am Dolmar geben. »mehr
Das könnte Sie auch interessieren
Party
Nachrichten
Sport
Gelesen
Kommentiert
Bewertet
Magazine
Umfrage









































