» zur Übersicht Meiningen
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   
"Kleine Eiszeit" und ihre Folgen

Minusgrade ade'. Doch nicht überall ist die Freude groß: Vielerorts treten jetzt in der Tauzeit die Frostschäden erst zutage. Kaputte Heizungen, defekte Rohre - Fachleute berichten.

Von Kerstin Hädicke
  • Die Mitarbeiter der Stadtwerke hatten am vergangenen Wochenende alle Hände voll zu tun: Drei größere Havarien hielten sie auf Trab - und das bei Temperaturen unter 20 Grad. Hut ab vor den Monteuren! Foto: Stadtwerke
Bild von

Meiningen - Das vergangene Wochenende mit seinen minus 20 Grad forderte den Sanitärfachleuten und Klempnern eine Menge ab. Wasserfontänen brachen sich Bahn und überschwemmten Fußwege und Straßen, Leute saßen frierend in ihren Häusern, weil die Heizung ausfiel - Wasseruhren froren ein. Wir fragten bei Fachleuten nach, wie groß das Ausmaß der Schäden war und was sie erlebten in der "kleinen Eiszeit" der vergangenen Wochen.

"Horroreinsätze"

"Wenn Sie so wollen, brachte das vergangene Wochenende bei minus 20 Grad schon Horroreinsätze für uns", bestätigt Karl-Heinz Rückert, Netzmeister Wasser und Gas bei der Stadtwerke Meiningen GmbH. "Drei Bereitschaftsleute von uns und drei von der eingebundenen Firma aus Erfurt/ Untermaßfeld waren im Einsatz bei drei Havarien." So trat in der Kirchstraße in Dreißigacker Trinkwasser aus der Straße aus. Der Rohrbruch unterbrach für immerhin sechs Stunden die Wasserversorgung für 20 Häuser.

In der Meininger Helenenstraße hatte die Kälte einen Schieber demoliert. Der Wasserrohrbruch ließ das Nass aus dem Fußweg sprudeln. Die Reparatur dauerte acht Stunden. Die Hälfte der Straßenanlieger musste bis in die späten Abendstunden ohne Wasser auskommen.

Notrufnummer

Betroffen ebenso die Meininger Ernestinerstraße: Der dortige Wasserrohrbruch beschäftigte die Männer im Einsatz zwischen 1 Uhr nachts und 13 Uhr des folgenden Sonntags. Auch hier war ein Großteil der Anwohner für Stunden von der Wasserversorgung abgeschnitten. Karl-Heinz Rückert schätzt die Gesamt-Reparatur-Kosten an jenem Wochenende auf rund 10 000 Euro. "Anwohnern oder Passanten haben uns informiert. In Havarie-Fällen sollte die Netzwerkstelle der Stadtwerke unter 03693/48 42 00 angerufen werden."

Parallel musste ein zweites Team der Stadtwerke eingefrorene Installationsleitungen wie Wasserzähler oder Rohrleitungen reparieren. Oft, so Rückert, seien die Kunden selbst schuld an dem Malheur: "Sie haben vergessen, Fenster zu schließen, oder die Heizung aufzudrehen. Bei solchen extremen Minustemperaturen wie jüngst schon Versäumnisse, die Schäden verursachen können."

Hut ab vor den Einsatzkräften, die in bitterer Kälte oft Stunden im Freien ausharren mussten, um die defekten Leitungen aus dem Eis zu befreien, den hartgefrorenen Boden aufzutauen, die Leitungen zu reparieren. "Freilich dauerten unter diesen Bedingungen die Arbeiten viel länger als sonst.

Die Baumaschinen in Gang zu bringen, an die Absperranlagen und Schieber zu gelangen - das war schon grenzwertig", fasst Karl-Heinz Rückert zusammen.

Allerdings habe in keinem Fall Gefahr für Leib und Leben bestanden. "Für uns waren das letztendlich kleinere Havarien, betroffen fast nur Hausanschlüsse. Da machen sich die Investitionen der Stadtwerke in den letzten Jahren in das Leitungssystem schon bemerkbar. Die neuen Rohre sind stabiler, sodass sich die Auswirkungen der Kälte im Rahmen gehalten haben."

Durchgängig auf "3"

Auch Fachmann Dominik Döller hatte mit seiner Meininger Heizungs- und Sanitär-Firma viel zu tun. "Da sind schon mal andere reguläre Baustellen liegen geblieben. Man will ja die Leute mit ihren Havarien nicht allein lassen." Döller spricht von eingefrorenen Wasserleitungen und Brennerausfällen. "Viele Heizungsanlagen wurden mit der Wende neu installiert und sind nunmehr in die Jahre gekommen. Da sind Reparaturen schon vorprogrammiert."

Eine Vielzahl an Havarien allerdings "haben die Betroffenen selbst verursacht. Sie sparen an der Heizung, schalten sie über Nacht ab. Bei den vergangenen enormen Minustemperaturen frieren sie dann ein". So sei es eine Mär, dass die Sternchenstellung am Thermostaten verhindert, dass die Heizung einfrieren kann.

Fachwissen

"In einem normalen Haus öffnet der Thermostat eben nicht, es wird nicht geheizt, solange eine Raumtemperatur von acht Grad herrscht. Erst darunter macht er auf und lässt Wasser in den Heizkörper einströmen. Aber wenn der Frost bereits in den Wänden ist, frieren die Leitungen dennoch ein. ,Sternchen' heißt also nicht, dass es keinen Frost geben kann."

Vermehrte Einsätze könnten gerade jetzt, wenn der Frost aus dem Boden weicht, auf den Fachmann zukommen. "Wenn eingefrorene Leitungen auftauen, dann platzen sie auf." Kupferleitungen in der Wand seien ganz besonders anfällig. "Aber die werden für Meiningen nicht mehr empfohlen. Weil wir so weiches Wasser haben. Es kann sich keine Kalkschicht im Kupferrohr bilden und Kupferteilchen werden mit der Fließgeschwindigkeit des Wasser ausgespült. Das Kupfer wird dünner und geht schneller kaputt." Kunststoffleitungen hingegen dehnen sich und frieren laut Fachmann dann nicht auf. "Zumal auch die Wandstärke in den neuen Häusern dicker ist als früher."

Dominik Döllers krassestes Havarie-Erlebnis der vergangenen Tage war eine zugefrorene Grundleitung. "Wir wussten nicht, wo die Leitung entlangführt. Wir mussten eine Spülfirma mit Fräse holen und letztlich die Hauswand aufmachen." Döllers Fazit: "Aber im Jahr 2011 war es schlimmer. Die Leute richten sich meistens nach den Angaben der Fachleute. So hatte ich in den schlimmen Kältetagen bei mir zu Hause die Raumtemperatur durchgängig, auch nachts, auf 20 Grad eingestellt. Das heißt, der Thermostat sollte mindestens auf 3 stehen."

Sollte dennoch eine Heizung nicht mehr arbeiten, weil der Frost durch die Wand gedrungen ist, dann rät der Fachmann: Wasser aus der Heizung ablassen und den Spezialisten rufen.

Teurer Sparwahn

Bis zu 30 Einsätze täglich musste der Kundendienst der Thüringer Gesundheitstechnik (TGT) Meiningen in der letzten Januar- und der ersten Februar-Woche fahren. "Da war es am schlimmsten", fasst Marcus Hartmann, Mitarbeiter der TGT, zusammen. "Der Kundendienst hatte Bereitschaft rund um die Uhr. Weil vor allem Wasserleitungen eingefroren und Heizungen ausgefallen sind. Alles in allem sind in dieser Zeit wohl Reparaturkosten von rund 15 000 Euro angefallen." Teilweise, so Hartmann weiter, mussten Innenwände aufgestemmt werden, um an die defekten Leitungen heran zu kommen. "Auf jeden Fall hatten wir in dieser kalten Zeit mehr zu tun als in den Jahren zuvor."

Bei Handwerksmeister für Sanitär und Heizung Reinhard Koch aus Herpf hielten sich die Notrufe in Grenzen. "Das ist ja ein gutes Zeichen und zeigt, dass die von mir eingebauten Anlagen gut funktionieren." Allerdings, so mahnt Hartmann an, gibt es vor allem bei Kunden, "die zu viel sparen, erhebliche Probleme. Freilich ist Heizen heutzutage sehr teuer, aber der Sparwahn kann vor allem bei sehr niedrigen Temperaturen auch sehr teuer werden". So berichtet Reinhard Koch von Kunden, die im kalten Wohnzimmer saßen auf die Gefahr hin, dass die Leitungen einfrieren.

"Dickmacher" Minusgrade

"Aufgefallen ist mir in diesem Winter ebenso, dass die Leute sich nicht genügend mit Öl bevorraten, sodass sie dann bei hohen Minusgraden nachtanken mussten. Da gab es einige Probleme, weil das Öl andickte. Mein Rat: Die Leute sollten vor dem Winter so viel Öl kaufen, dass sie wenigstens bis in den März damit auskommen."

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf insuedthueringen.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Meiningen

Längst vergessene Widersprüche beackert

Erst jetzt bearbeitet das Landratsamt zehn Jahre alte Widersprüche gegen Abwasserbescheide. Die Gebühr ist für manchen Grundstücksbesitzer ein Ärgernis. Andere werden so an die Chance einer Rückzahlung erinnert. »mehr
    
    

 
Zweiter Platz für Werra-Badespaß

Meiningen - Fürs Siegertreppchen hat's wieder nicht ganz gereicht: Beim Mission-Olympic-Wettstreit um die "Initiative de... »mehr
    
 
    

 
Unfall: Vorfahrt missachtet

Zu einem Unfall mit drei verletzten Personen kam es am Montag, 17.15 Uhr, auf der L3089 bei Untermaßfeld (Schweinemastan... »mehr
    
 
    

 
Das ganze UL-Spektrum

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine große Schau für den UL-Flugsport auf dem Flugplatzgelände am Dolmar geben. »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Magazine

Stadtfest Ilmenau 2012
Leserreisen 2012
Gästezeitung Thüringer Wald
Bikers Guide 2012
Landesgartenschau 2012
t-wood 2012
Bikers Guide 2012
Gesundheitsforum März 2012
Gesundheitsführer Hildburghausen
Sportkalender HBN 2012
Thüringen im Blick
FH-Schmalkalden
Sportkalender Suhl 2011
Gesundheitsführer Schmalkalden
Anpfiff FW/STZ
Anpfiff FW
Gesundheitsführer Suhl
    
Anzeige
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    

Deutschland hat im Ostseerat den Hut auf

Deutschland führt zur Zeit eine wichtige Gruppe an: den Ostseerat. Unser Land hat seit fast einem Jahr den Vorsitz, deshalb ist Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Woche auch die Gastgeberin beim Ostseerats-Gipfel in Stralsund. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Silly wird die Suhler Schwarzbiernacht rocken 

Mit dem Liveprogramm zur Erfolgsplatte "Alles rot" eröffnen Anna Loos und Silly am Pfingstsamstag, 26. Mai, die Suhler Schwarzbiernacht. Ab sofort gibt es die Karten. »mehr
    
    

Börseninformationen