zuletzt bearbeitet: 06.02.2012 09:53 Uhr
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Gar nicht erst versuchen zu kopieren
Mit klaren Botschaften und einem "Rucksack" voller Werbegeschenke - von stabiler Kreisumlage bis zusätzlichem Straßenbau - zieht Michael Heym für die CDU in den Landratswahlkampf. Am Freitag stellte sich die Mitgliederversammlung na-hezu geschlossen hinter ihn.
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Ein Goldesel oder ein Sparschwein für magere Zeiten: Michael Heym hatte die Qual der Wahl beim Geschenk-Aussuchen.
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Demonstrierten Geschlossenheit im Wahlkampf - die CDU-Kandidaten für die Landrats- und Bürgermeisterwahlen im April: (v. l.) Michael Heym, Ralf Holland-Nell (für Floh-Seligenthal), Torsten Widder (für Zella-Mehlis), Martina Taubert (für Schwallungen) und Uwe Achtelstetter (für Meiningen). Vorn rechts der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Andreas Trautvetter. Fotos (2): Antje Schreyl
Meiningen - Genau 100 CDU-Mitglieder fanden sich am eisigen Freitagabend im Meininger "Rautenkranz" ein, um ihren Wunschkandidaten für die Landratswahl am 22. April offiziell zu küren: Michael Heym, der dem volkstümlichen Langzeit-Landrat Ralf Luther im Amt nachfolgen könnte. Der Saal war voll, so wie seinerzeit der (allerdings viel größere) Robotronsaal, als 1994 ein gemeinsamer CDU-Landratskandidat für den neuen Großkreis Schmalkalden-Meiningen zu nominieren war. Etwa 800 CDU-Anhänger hatten sich damals zur Kampfabstimmung Ralf Luther - Ralph Puderbach versammelt, wie Michael Heym erinnerte. "Wir mussten erst noch lernen, diesen Landkreis als Einheit zu begreifen. Keiner hätte es so vermocht, den Landkreis zusammenzuschmieden und dahin zu führen, wo er jetzt steht, wie Ralf Luther", würdigte er den populären Noch-Landrat, der sich nach 22 Jahren an der Spitze der Kreise Schmalkalden/Schmalkalden-Meiningen ins Privatleben verabschiedet. "Du übergibst einen gut strukturierten, gut aufgestellten, schuldenfreien Landkreis - ein Privileg in einer Zeit, wo das Geld nirgends reicht", lobte Michael Heym. "Zwar entscheidet der Kreistag, aber es muss ja jemand da sein, der vorangeht, denkt und lenkt."
Klares Bekenntnis
Der aus Rohr stammende langjährige CDU-Landtagsabgeordnete und ehrenamtliche Kreisbeigeordnete, der sich die Entscheidung zur Kandidatur nicht leicht machte, hatte es bei seiner Nominierung am Freitag einfacher als seinerzeit Luther. Einen Gegenkandidaten wünschten seine Parteifreunde nicht, auf den 98 abgegebenen Stimmzetteln setzten 97 ihre Kreuzchen hinter seinem Namen und kommentierten das deutliche Wahlergebnis am Ende mit großem Jubel. Auf das klare Bekenntnis zu Heym und eine den Abend begleitende kämpferische Aufbruchstimmung legte die Mitgliederversammlung großen Wert. Schließlich stellt man sich auf rauen Wind im Wahlkampf ein. Die jüngsten Äußerungen des Staatssekretärs und Oberhof-Beauftragten Jochen Staschewski über Michael Heym wurden als sicheres Zeichen dafür gewertet. Und nicht umsonst hatte die SPD-Konkurrenz einen Beauftragten in den "Rautenkranz" entsandt, der aufmerksam der CDU-Wahlkampfstrategie lauschte. "Ich habe Informationen, dass die SPD-Parteizentrale in Erfurt das unbedingte Ziel hat, diesen Landkreis zu knacken", deutete Michael Heym an.
Ralf Luther, dem an diesem Abend viel Wertschätzung zuteil wurde, betonte, dass es für ihn nun kein Zurück mehr gibt. Seinem Vielleicht-Nachfolger versicherte er, dass er im Landkreis die nötigen finanziellen und inhaltlichen Voraussetzungen sowie verlässliche Partner für eine erfolgreiche Arbeit finden wird. "Andere Gedanken und neue Impulse an der Spitze - das kann die Region nur voranbringen. Bei dir wäre der Landkreis in guten Händen", ist Luther überzeugt und sieht vor allem Heyms Erfahrungen und Kontakte in Erfurt als vorteilhaft an. Als Geschenk bot er ihm zwei Alternativen an und überließ Heym die Wahl zwischen einem dünnen Sparschwein für magere Zeiten und einem Goldesel. Heym griff zum Esel. "Das wäre auch meine Wahl gewesen," schmunzelte Luther, fütterte als Draufgabe aber auch das Glücksschwein, das die Runde machte und mit 524 Euro Wahlkampfausstattung zurückkehrte.
Kreisumlage nicht erhöhen
Geschenke hatte auch Michael Heym mitgebracht: Seine Partei stattet ihn für den Wahlkampf mit attraktiven Werbegeschenken aus. "Wir haben die geringste Kreisumlage in Thüringen und das soll so bleiben. Aber trotz Sparens sah der Haushaltsentwurf 2012 knapp eine Million mehr Umlage vor, was für einen Aufschrei bei den Bürgermeistern sorgte", erinnerte der CDU-Kandidat. Intensiv habe er sich im Gespräch mit dem Landrat und der Fraktion Gedanken gemacht und einen Weg gefunden. "Wir werden den Fraktionen ein unwiderstehliches Angebot machen, dem sie sicher folgen können. Die Kreisumlage wird dann in absoluten Zahlen nicht erhöht. Ein Zeichen von Solidarität und gutes Signal, wie der Kreis mit seinen Gemeinden umgeht."
Straßenbau zusätzlich
Obendrein hatte er eine "Mitgift aus Erfurt" für seinen Wahlkampf zu verkünden: "Von den 10 Millionen Steuerregen, die der Freistaat zusätzlich ans Verkehrsministerium in den Straßenbau gegeben hat, werden in unserem Landkreis allein über drei Millionen Euro verbaut. Das kommt nicht von ungefähr und das sind alles Dinge, die 2012 zusätzlich laufen. Bei den Kollegen im Landtag schafft das keinen Beifall, aber in der Region sorgt es für Freude", so der Landratskandidat und er zählte auf: die Ortsdurchfahrten von Unterschönau (500 000 Euro), Frankenheim (300 000), Oberhof vom Kanzlersgrund kommend (400 000 in diesem, 360 000 im nächsten Jahr), Stepfershausen (650 000), von Viernau (260 000) und Unterkatz (150 000 dieses, 480 000 nächstes Jahr). Auch sicherte er zu, dass die Ortsdurchfahrt Reichenhausen weitergebaut wird, für die sich stark zu machen er versprochen habe. Nur für die Wasunger Ortsumfahrung konnte er noch keine Lösung präsentieren. "Der Verkehrsminister sagt: Wir haben schon große Probleme, das planerisch abzusichern. Aber man redet miteinander und vielleicht gibt es schon in ein paar Wochen doch eine Lösung. Ich denke, auch Wasungen wird ein gutes Ende nehmen." Ein künftiger Landrat müsse zudem alle seine Möglichkeiten nutzen, dass die Rhön mit der B 87 neu eine leistungsfähige Verkehrsachse bekommt. Allerdings sollten die Anlieger mit einer Stimme sprechen, statt sich zu streiten.
Neben einem fairen Umgang mit den Kommunen und dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nannte der gelernte Facharbeiter für Eisenbahnbautechnik und studierte Diplomverwaltungsbetriebswirt weitere wichtige Ziele, für die er im Falle eines Wahlerfolgs stehen würde. Die Amtszeit von Ralf Luther sei von stringenter Personalpolitik gekennzeichnet, etwa im Schulnetz. Mit dem erreichten Stand könne man nun in die nächsten Jahre gehen. Heyms klare Botschaft lautete: "In den nächsten Jahren wird es kein Herumschrauben am Schulnetz geben. Wir haben noch ein paar schöne Jahre Zeit bis zum nächsten Geburtenknick." Ebenso deutlich fiel seine Haltung zu den Kreiswerken aus: "Mit mir gibt es keine Veräußerung dieses Tafelsilbers. Die Kreiswerke würden so weiter erhalten wie bisher." Mehr konzentrieren möchte sich der 49-Jährige in den nächsten Jahren auf Wirtschaftsansiedlungen - für das Gewerbegebiet Thüringer Tor im Grabfeld, aber auch andernorts. "Die Landesentwicklungsgesellschaft hat bei der Akquise noch Reserven. Thüringen beginnt nicht erst an der Achse Eisenach - Erfurt - Jena. Die LEG hat noch keine Ansiedlung in den Kreis geholt. Ich würde sie in jede Kreistagssitzung einladen und abfragen, was sie unternommen und erreicht hat, wenn ich es schaffen sollte, Landrat zu werden." Der Landkreis brauche zukunftsträchtige Arbeitsplätze. Alle Kultur und Berühmtheit um den Sport sei nichts wert, wenn die Leute hier kein Ein- und Auskommen haben. "Einen beträchtlichen Teil der Ausgaben im Landkreis machen die Sozialleistungen aus", griff er einen weiteren Themenschwerpunkt auf. "Nicht ohne Grund haben wir angestrebt, Optionskommune zu werden, also alle Leistungen im Sozialbereich aus einer Hand zu organisieren. Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Leute über das Jobcenter gezielt bedarfsgerecht für unsere Unternehmen fit zu machen. Ein enger Schulterschluss mit der Wirtschaft ist dazu Voraussetzung." Für selbstverständlich hält Heym, dass die Vielfalt der Vereine und Vereinigungen Unterstützung verdient. Das sei zwar keine Pflichtaufgabe, aber "der Kitt in den Kommunen. Das, was die Leute aus den Häusern holt, sie zusammenführt und der Region Identität gibt." Ralf Luther habe die Vereine immer "gut verwöhnt" - eine Tradition, der sich Heym verpflichtet fühlt. Grundsätzlich stellte der frisch gekürte CDU-Kandidat aber klar: "Wenn es einen Landrat Michael Heym geben sollte, werde ich nicht mal den Versuch machen, Ralf Luther zu kopieren." Jeder bringe seinen eigenen Stil mit. So würde er beispielsweise "das eine oder andere im Landratsamt gern etwas anders organisieren. Meine Handschrift wird vernehmbar sein", kündigte er an.
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