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Fest-halten und Fasten fast überall

Die traditionelle Fastenzeit beginnt heute auf ein Neues. 40 Tage der Besinnung auf Wesentliches gleich österliche Bußzeit bis zum 7. April. Ist das noch zeitgemäß - oder wieder?

Von Kerstin Hädicke
  • Heute beginnt die Fastenzeit. Sie sollte ein Innehalten im hektischen Alltagsleben sein, ein Besinnen auf Wesentliches. Für viele heißt das auch, sich dem körperlichen Wohlbefinden zu widmen, ein paar überflüssige Pfunde abzuwerfen.
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Meiningen - Fasten - das Wort begegnet uns heute an vielen Orten. Eingenommen auch die unzähligen "Fastenkuren", genannt Diäten, um sich letztlich ebenso auf das Wesentliche zu besinnen: Auf weniger Fleischeslust und mehr körperliche Fitness. Und sogar im Flugzeug springt uns das "Fasten" ins Auge - denn das "fasten seat bells", das Bitte-Anschnallen, heißt nichts anderes, als einen Abschnitt zu beenden, ab- und zu beschließen. "Fasten" und "fasten" haben den gleichen Wortstamm aus dem Lateinischen und bedeuten schlechthin das "Fest-halten", "Bewachen": im kirchlichen Sinne die Gebote der Enthaltsamkeit, im Alltagssinn den Körper im Flugzeugsitz.

Schon Hippokrates von Kos regte einst an: "Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung ... und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei."

Laut Wikipedia ist Fasten "die willentliche, völlige oder teilweise Enthaltung von Speisen, Getränken und Genussmitteln". Fasten als Gestaltungselement des Lebens: Heute beginnt traditionell wieder die österliche Bußzeit als Zeit der Buße und der Umkehr, die bis zum 7. April andauern wird. Doch ist dieses Ritual noch zeitgemäß? Oder wieder? Wir fragten bei unseren Lesern nach.

Ralf Luther, Landrat des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, will auf jeden Fall auf etwas verzichten, das ihm lieb geworden ist. "Ich habe mir erst am Montag grundlegend Gedanken ums Fasten gemacht. Ich werde mir etwas auferlegen. Was, das muss ich erst noch herausfinden. Zumal ich im Vorjahr zur Fastenzeit zehn Kilo abgespeckt habe - natürlich in einer Fastenverlängerung bis zum Mai. Damals verzichtete ich auf Süßes - und ich nasche doch so gern! Und dann bin ich regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen. Leider habe ich das wegen dienstlicher Zwänge nicht durchgehalten - die zehn Kilo sind fast schon wieder drauf ..."

Christoph Knoll, geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kirche in Meiningen: "Das Fasten hat zwar einen religiösen Hintergrund. Doch die wenigsten Menschen leben noch danach. Vielmehr hat das Fasten für sie einen gesundheitlichen Aspekt. Für viele ist diese vorgegebene Zeit eher eine Stütze, eine Hilfe, mal für eine gewisse Zeit auf Alkohol oder Süßes zu verzichten. Dinge, die wir in unserer Überflussgesellschaft ja reichlich konsumieren.

Die Motivation der Gruppe, in der Fastenzeit auch ,lukullisch' etwas kürzer zu treten, motiviert auch mich. Wenngleich ich nicht die ganze Zeit durchhalten werde. Zwischendurch gibt es einige Feiern. Da wäre es ein Frevel, aufs Essen zu verzichten. Denn das Leben ist zu kurz - da kann man auch in der Fastenzeit mal die eine oder andere Ausnahme machen! Man muss sich nicht so kasteien, bis Blut fließt ... Für mich ist Fasten kein Dogma. Jeder sollte mit sich selbst ins Reine komme, wie er inne halten will während dieser Zeit."

Dr. Frauke Feller, Allgemeinmedizinerin in Meiningen, verabschiedet sich seit fünf Jahren während der Fastenzeit "von nicht gesunden aber lieb gewordenen Gewohnheiten". Frauke Feller weiter: "Ich sehe das eher als Übung, sich zu mäßigen. Für mich heißt das: Sechs Wochen lang Verzicht auf Alkohol, auf Süßes und Salzgebäck. Ich kann nach dem Fasten für eine Zeit dem unzweifelhaft ungesunden süßen Genuss leichter wiederstehen."

Frank Schnabel, Diakon, sieht in der Fastenzeit eine Gelegenheit, mehr Dankbarkeit zu zeigen für das, was uns gegeben ist. "Es ist wichtig, sich immer mal der Schöpfung bewusst zu werden. Dass wir in einer reichen Gesellschaft leben, ohne hungern zu müssen. Der Prozess ist interessant: Den inneren Schweinehund zu überwinden, ist auch für die Persönlichkeit gut. Bei mir war es im Vorjahr der Verzicht auf Bier. Nach dem Fasten hatte ich ein gutes Gefühl, weil ich widerstehen konnte. Und das Bier war danach wieder etwas Besonderes für mich. Fasten - ja, aber man sollte dann auch auf etwas verzichten, was man gern macht. Es sollte schon weh tun ..."

Reinhard Kupietz, Meiningens Bürgermeister, verbindet mit der Fastenzeit eine Gelegenheit, wieder bodenständiger zu werden. "Fasten ist auf jeden Fall zeitgemäß. Wir leben im Überfluss und sollten von Zeit zu Zeit innehalten. Für mich bedeutet Fasten ein ,Mehr-auf-sich-Achten' im physischen wie im geistigen Sinne. Ursprünglich hat es ja einen religiösen Hintergrund. Der ist heute aber ebenso für nichtchristliche Menschen ein praktischer Lebenswink: nach Zeiten der Völlerei wieder kürzer treten."

Ulf Siebert, Küster in der Meininger evangelischen Kirche, entscheidet spontan, wie und wann er fastet. "Ins Gleichgewicht kommen, nicht stets vom Selbstverständlichen ausgehen: Alles ist immer da, man verliert schnell die Freude an Dingen, die in anderen Ländern Luxus sind und für uns tagtägliches ,Allerlei'. Fastenzeit heißt für mich, bewusster zu leben, in Ruhe auf sich aufmerksam werden, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Das alles aber nie unter Zwang! Jeder sollte das für sich entscheiden.


Was bedeutet Fastenzeit?

Fastenzeit oder auch Passionszeit heißt im Christentum der Zeitraum der Vorbereitung auf das Hochfest Ostern. Sie erinnert an das 40-tägige Fasten Jesu Christi vor seinem öffentlichen Wirken.

Fasten als Gestaltungselement des Lebens ist historisch in zahlreichen Religionen belegt. Kulturhistorisch überwiegen Fastenzeiten im Frühling, wo sie zusätzlich der Darmreinigung und somit einem gesundheitlichen Aspekt dienen. Innere Reinigung, Innehalten, auf Wesentliches konzentrieren, bewusst wieder die Freude an alltäglichen Dingen wecken - all' das kann das Fasten mit sich bringen.

Der Fastende verzichtet völlig oder teilweise auf Speisen und Genussmittel. Nicht zu unterschätzen ist der solidarische Aspekt: Manche Gemeindehäuser bieten einfache Gerichte für alle an - gegen eine Spende, die dann in Projekte in der 3. Welt fließen.


    
    

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