zuletzt bearbeitet: 21.02.2012 10:12 Uhr
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Langsam einfahren wie neuen Sportwagen
Meiningen - Erstmals gibt es am kommenden Sonntag im Meininger Theater nach längerer Pause wieder einen Tag der offenen Tür. Nach der Generalsanierung mit dem Umbau des Bühnenhauses, einschließlich der neuen Drehbühne sowie neuer Künstlergarderoben und Aufenthaltsräume für die Techniker, verspricht der Blick hinter die Kulissen des Theaters interessante Entdeckungen für die Besucher. Vorab standen wir mit Ansgar Haag im Gespräch. Über den Umzug des Ensembles und die Arbeit mit der neuen Technik hinaus gibt der Intendant Auskunft, wie sich das Meininger Theater in Zukunft den neuen künstlerischen Herausforderungen stellen will.
Herr Haag, Anfang Januar dieses Jahres hat Schauspieldirektor Olaf Hanke in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt: "Unser Weg hat gerade erst neu begonnen". Was meint der Intendant einen Monat später?
Ich denke, dass wir inzwischen auf einem ganz guten Weg sind. Künstlerisch müssen wir vor allem den Spagat zwischen den politischen Absichten unserer Arbeit einerseits und dem Wunsch nach ausverkauften Vorstellungen andererseits meistern. Zur Wiedereröffnung des Großen Hauses haben wir auf Shakespeare, Wagner, Theaterjubiläumsgala und Konzerte gesetzt. Das ging auch sehr gut. Aber jetzt müssen wir es natürlich schaffen, dass nicht allein das wiedererstrahlte Theater die Attraktivität für unser Publikum ist, sondern das Interesse an unseren Inszenierungen wieder im Zentrum steht. Wir veranstalten deshalb einen Tag der offenen Tür, um die Neugierde unseres Publikums auf die neue Technik zu befriedigen und einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen.
Wie läuft die neue Bühnentechnik - mit der computergesteuerten Anlage gab es ja anfangs Probleme?
Da wir die neue Technik für die ersten beiden Inszenierungen "Maß für Maß" und "Liebesverbot" doch ein bisschen zu extrem eingesetzt haben, gab es Probleme. Mit der neuen Theatertechnik ist das ähnlich wie mit einem neu gekauften Sportwagen, wenn man den gleich am ersten Tag über 200 fährt, kriegt der Motor Schwierigkeiten. Man sagt ja auch bei Autos, dass sie langsam eingefahren werden sollen. Das versuchen wir jetzt mit den Neuproduktionen im Großen Haus. Sie fordern die neue Technik nicht mehr in solch großen Maßen. So können unsere Techniker jetzt in Ruhe nacharbeiten. Ein großer Prüfstein war gerade das Musical "20 000 Meilen unter dem Meer". Die Inszenierung hatte vor ein paar Monaten bereits Premiere im Landestheater Eisenach, wo der Schnürboden noch mit alten Motorzügen bedient wird. Aber es gab genügend Zeit, um die Programmierung für die Computersteuerung einzurichten. Und wenn alle Kollegen in Meiningen das Verfahren beherrschen, wird es kaum mehr Pannen geben. Insgesamt funktioniert inzwischen aber alles gut, unsere Leute haben das in sechs Wochen gut in den Griff bekommen.
Parallel zu den Neuproduktionen lief der Umzug der Techniker, Künstler und Verwaltungsmitarbeiter. Haben inzwischen alle ihre alten beziehungsweise neuen Arbeitsplätze in Besitz genommen?
Der Umzug ist soweit abgeschlossen. Die Büros, die neuen Aufenthaltsräume und Künstlergarderoben haben die Kollegen bezogen. Auch alle in Containern ausgelagerten Bühnenbildteile sind zurück an ihren Plätzen. Das einzige, was wir noch holen müssen, sind Möbel und Requisiten, die wir in der gegenüberliegenden Knieselschule abgestellt haben.
Und wie sind alle in den neuen Räumen heimisch geworden?
Die Räume sind jetzt großzügiger. Und wir haben jetzt Duschen und Klimaanlagen. Wobei Letzteres für einige Künstler auch Nachteile bringt, wenn sie verschwitzt vom Auftritt in die Garderobe kommen und die Klimaanlage zieht. Da wird man noch nachjustieren müssen. Vor allem fürs technische Personal haben sich die Arbeitsbedingungen verbessert, denn erstmals haben auch die Bühnenmeister Büros und die Techniker großzügigere Aufenthaltsräume.
Derzeit gibt es Schlag auf Schlag Premieren. Besteht da nicht die Gefahr, dass die künstlerische Qualität unter der Quantität leidet?
Ich hoffe, dass dies nicht passiert. Natürlich haben wir im Moment so viele Premieren, weil wir ganz schnell ein Repertoire aufbauen müssen. Da hilft uns die Kooperation mit Eisenach. Aber auch mit andern Häusern wie Aschaffenburg, wo wir im vergangenen November die "Jungfrau von Orleans" produziert haben , bevor sie dann im Januar in Meiningen zur Premiere kam. Auch die nächste Opernpremiere, meine Inszenierung von Verdis "Ein Maskenball", habe ich am Theater in Lübeck schon vorproduziert. Nach den Maßen der neuen Drehscheibe wurde das Bühnenbild in Kooperation mit den Werkstätten in Lübeck hergestellt, so dass jetzt die Produktion in Meiningen im fertigen Bühnenbild neu inszeniert wird.
In Eisenach gab es am vergangenen Wochenende die Premiere von Mozarts "Hochzeit des Figaro" mit welcher Besetzung?
Die Proben waren äußerst eng, da wir das Meininger Orchester gegen das Eisenacher ausgetauscht und das Bühnenbild der Kammerspiele in den Guckkasten des Großen Hauses in Eisenach umgebaut haben. Im Gegenzug brachten die Eisenacher mit "20 000 Meilen unterm Meer" in Meiningen ein aufwendiges Musical zur Premiere. In dieser Zeit war unser Ensemble im Urlaub. Da wir 2011 den ganzen Sommer durchgespielt haben, mussten wir 14 Tage Urlaub nachgeben. Am kommenden Wochenende folgt das Eisenacher Ballett mit Tschaikowskis "Schwanensee". Dazu spielt dann die Meininger Hofkapelle unterm Dirigat von GMD Philippe Bach. Sieben Premieren allein im Januar und Februar im Großen Haus und in den Kammerspielen sind natürlich extrem. Aber nach und nach wird sich jede Produktion in unser Bühnenraster einfügen, so dass wir die Vorzüge der neuen Technik dann richtig nutzen können.
Interview: Carola Scherzer
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