zuletzt bearbeitet: 22.02.2012 09:52 Uhr
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Wohin mit den abgelaufenen Medikamenten?
Ilm-Kreis - Winterzeit ist Schnupfenzeit und die beste Gelegenheit, einmal die Hausapotheke aufzuräumen. Eine halbe Flasche Hustensaft, Kopfschmerztabletten, Salben gegen Blessuren oder eine angebrochene Schachtel Antibiotika von der vergangenen Grippe-Erkrankung. Wohin mit den Medikamenten, wenn die Haltbarkeit abgelaufen ist?
Laut Gesetz dürfen die nicht mehr brauchbaren Arzneimittel in den Hausmüll entsorgt werden. Der Umwelt zuliebe sollte man aber die Verpackungen von den Arzneien trennen. Damit Kinder oder andere Erwachsene nicht an die weggeworfenen Pillen und Tinkturen gelangen, raten Apotheker zudem, die Reste in Papier einzuwickeln beziehungsweise anderweitig zu tarnen.
Jedoch ist zur Vorsicht geraten bei chemisch komplexen und gefährlichen Arzneien wie Zytostatika (Medikamente gegen Krebs). Auch Spritzen sollten nicht ohne Weiteres im Müll landen. Apothekerin Verena Laudan von der Lindenberg-Apotheke und Sprecherin der Landesapothekerkammer Thüringen (Lakt) im Ilm-Kreis empfiehlt, Spritzen nur mit der beiliegenden Schutzhülle oder in einem anderen Gefäß zu entsorgen. Legale Betäubungsmittel wie Morphiumpräparate oder bestimmte Fertigarzneimittel auf Cannabis-Basis müssen mit einem Protokoll in der Apotheke abgegeben und sofort vernichtet werden. Laudan und ihr Kollege Hans-Joachim Jaep, ebenfalls Sprecher der Lakt und Geschäftsführer der Apotheke am Markt in Stadtilm, raten verunsicherten Kunden dazu, im Zweifel abgelaufene Medikamente in der Apotheke abzugeben.
Kosten für Apotheker
Da gibt es aber ein Problem. Bis 2009 war die Entsorgung der nicht mehr verwendbaren Medikamente für Apotheken kostenfrei. Die Pharmaindustrie finanzierte ein zentrales Entsorgungssystem. 2009 wurde jedoch eine EU-Verpackungsnorm erlassen, mit der die zentrale Entsorgung entfiel. Für Apotheken wurde der medizinische Müll damit kostenpflichtig. Aus Sicherheitsgründen nehmen Apotheker im Ilm-Kreis immer noch die Medikamente von verunsicherten Kunden an, empfehlen aber die Hausmüll-Variante. Denn zufrieden ist niemand mit den zusätzlichen Kosten.
"Uns ist der Service wichtiger als die Kosten", sagt Lydia Trampe, Inhaberin der Wald-Apotheke in Schmiedefeld. Sie rät auch dazu, die eigene Hausapotheke mindestens zweimal im Jahr aufzuräumen. Am besten vor der Erkältungssaison. Auch in Großbreitenbach werden abgelaufene Medikamente in der Mylius-Apotheke noch angenommen, aber nur in begrenzten Maßen, weist Inhaber Heiko-Lutz Kobe auf die Kosten hin, die für ihn entstehen. Kunden brächten kleinere Mengen in sein Geschäft, weil sie sicher gehen wollen, dass die Medikamente fachgerecht entsorgt werden. Auch Kobe ärgert sich über die Kosten, hält die Rücknahme in der Apotheke aber für sicherer. "Wir wollen auch für unsere Kunden die Risiken vermeiden", sagt er. Axel Minz betreibt in Langewiesen die Stadtapotheke und in Gräfinau-Angstedt eine weitere Filiale. Er ärgert sich, dass die Regierung noch keine einheitliche Lösung für das Entsorgungsproblem gefunden hat und empfiehlt seinen Kunden die Entsorgung im Hausmüll. Vor 2009 habe man gern die Medikamente angenommen. Heute mache man das mit Verweis auf den Hausmüll. Mit der EU-Norm sei das Problem nur verschoben worden, weshalb er sich als Apotheker "hängen gelassen" fühle. In der Stadt-Apotheke in Ilmenau geben viele Kunden ihre abgelaufenen Produkte ab, beobachtet die Pharmazeutisch-Technische Assistentin Annemarie Lindig. Sie rät den Kunden, die Medikamente zu tarnen, bevor sie im Müll landen, und Spritzen in Sicherheitssystemen zu entsorgen.
Im Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit hält man sich an die Argumentation der Bundesregierung, die der Auffassung ist, dass mit der Hausmüllentsorgung ein System für die Medikamententsorgung gegeben ist. "Wenn es die Kammer sicherer haben möchte, kann sie auch selbst tätig werden", erklärt Pressesprecher Uwe Büchner und verweist auf die Lösungen anderer Bundesländer. dz
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