zuletzt bearbeitet: 22.02.2012 09:55 Uhr
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Neue Häuser statt Gräber
Hinter dem Ilmenauer Friedhof soll eine Erweiterungsfläche für den Friedhof wegfallen. Dadurch können in dem Wohnhaus-Gebiet, das ab diesem Jahr hier entstehen wird, 15 zusätzliche Häuser gebaut werden.
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Der Ilmenauer Friedhof wird wohl nicht erweitert, weil die vorhandenen Gräberfelder reichen - auch dank des Kolumbariums mit Urnenwänden (im Hintergrund), das voraussichtlich im Sommer eröffnet wird. Eine Erweiterungsfläche hinter dem Friedhof soll deshalb zur Familienhaus-Grundstücksfläche werden. Foto: b-fritz.de
Ilmenau - Der Bebauungsplan der Stadt Ilmenau "Am Friedhof Ost" wird voraussichtlich noch einmal umgeschrieben. Durch eine mögliche Planänderung, die Stadtplanerin Diethild Warenski vom Ilmenauer Bauamt am Montagabend den Mitgliedern des Bauausschusses vorstellte, soll eine zusätzliche Erweiterungsfläche für Grabstellen am Friedhof wegfallen. Es geht dabei um eine Fläche hinter dem Friedhof in der Nähe der dort aufgestellten Urnenwände. Dort könnten dann, so ist die aktuelle Diskussion, weitere Grundstücke für Hausbauer bereitgestellt werden.
Günstigere Grundstücke
"Grundstücke zur Einfamilienhaus-Bebauung sind immer wieder nachgefragt", erklärte Diethild Warenski. Direkt hinter dem Friedhof soll im Frühjahr die Erschließung eines neuen Einfamilienhausgebietes beginnen. Durch die knapp 10 000 Quadratmeter große Zusatz-Friedhofsfläche, die wegfallen würde, könnten noch einmal 15 zusätzliche Grundstücksflächen für Häuser entstehen. Mit dieser weiteren Fläche würden dann fast 100 Grundstücke zum Verkauf stehen.
Die Erschließungsflächen würden um etwa zehn Euro pro Quadratmeter sinken, sagt Bauamtsleiter Uwe Wolf - das habe eine Erschließungs-Kostenberechnung ergeben.
"Friedhof ist groß genug"
Zum Für und Wider des Planänderungsvorschlags entspann sich in der Sitzung eine längere Diskussion. Bauausschuss-Vorsitzender Kurt Retzlaff (CDU) hatte den Antrag zur Änderung des Bebauungsplanes begrüßt. Man brauche die Erweiterung des Friedhofes voraussichtlich nicht, sagte er, denn "die Bestattungsmöglichkeiten werden sich ohnehin ändern." Bedenken äußerte der berufene Bürger Johannes Hoefert: "Diese Planänderung kommt für mich etwas überraschend. Wir reden von einem Zeitraum von etwa 100 Jahren, sollte dann noch einmal Bedarf für eine Friedhofserweiterung anstehen, dann geht das nicht mehr, weil hinter dem Friedhof auf allen Flächen Einfamilienhäuser stehen." Das geplante Familien-Wohnhausgebiet könne man doch bei Bedarf auch in Richtung Ortsteil Roda erweitern, fügte er hinzu.
Auch Ausschussmitglied Horst Zink (Freie Wähler) meldete Bedenken an. Er halte es derzeit nicht für gut, dass sich die Stadt hinter dem Friedhof eine Fläche verbauen könnte. Kurt Retzlaff verstand die Bedenken zwar, sagte aber, dass ein Gang über den Friedhof zeige, dass dort "in vielen Ecken noch erhebliche Freiflächen sind, die man vermutlich nicht brauchen wird".
Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber pflichtete ihm bei: "Seit spätestens 1945 hat sich die Bestattungskultur wesentlich geändert, durch Kolumbarien, Urnenwände, Feuerbestattungen und Gräber auf der Grünen Wiese." Er könne sich nicht vorstellen, dass bei der derzeitigen Bevölkerungsentwicklung und einer auf Mobilität fixierten Gesellschaft sich an dieser Entwicklung bald wieder etwas ändern könne.
Viele Verstorbene legten Wert darauf, ihren Kindern nicht zur Last zu fallen, dadurch würden auch die Gräber immer kleiner, einfacher und pflegeleichter. Ändern könne sich das wohl nur durch eine unerwartet große Bevölkerungszuwanderung aus aller Welt nach Ilmenau, meinte Seeber.
Oswald Kowalski (Bürgerbündnis) war unschlüssig - er meinte zwar, das Ilmenau tatsächlich viel Zuzug bekommen werde, allerdings nicht aus der großen Welt, sondern vorwiegend aus den umliegenden kleinen Gemeinden. Ob die Fläche für den Friedhof noch gebraucht werde, könne er nicht beurteilen.
Trend zur Urnenwand
Kurt Retzlaff meinte, dass auch in den Ilmenauer Ortsteilen die unbelegten Freiflächen auf den Friedhöfen immer größer werden. Das bestätigte Manebachs Bürgermeister Karl-Heinz Kühn (CDU), der ebenfalls eine Tendenz zu einfachen Bestattungsformen erkennt: "Grüne Wiese, Urnenwände und Feuerbestattungen sind heute deutlich gefragter als Erdbestattungen oder große Familiengräber. Die entscheidende Frage ist die nach Kosten und Nutzen: Lieber einen kleinen, gepflegten Friedhof, als einen unendlich großen Park, der kaum genutzt wird."
Auch Eckhard Bauerschmidt (Linke) meinte, der Ilmenauer Friedhof sei groß genug. Man solle nun das vierte große Neubesiedlungsgebiet im Blick haben, da alle anderen restlos ausgelastet sind: "Ich bin für Wohnbebauung", sagte er. Damit gehörte er der Mehrheit im Bauausschuss an, die mit sechs Stimmen bei zwei Enthaltungen für den Änderungsvorschlag stimmte. Die Planänderung soll in einer der nächsten Sitzungen beschlossen werden.
Auf dem Friedhof in Ilmenau entstehen mit Fertigstellung des Kolumbariums im Sommer 655 Doppel-Urnenfächer und 200 Einzel-Urnenfächer. Im Jahr 2011 waren 2520 Urnen- und Erdgrabstätten belegt und weitere 216 Fächer in sechs Urnenwänden. Zudem gibt es sechs Urnengemeinschaftsanlagen mit Namen und eine anonyme Urnengemeinschaftsanlage. Im Jahr 2011 fanden 273 Urnenbeisetzungen und 14 Erdbestattungen auf dem Hauptfriedhof statt. Die Ruhezeit bei Erdbestattungen beträgt 25 Jahre, bei Urnenbestattungen 15 Jahre. Quelle Friedhofsverwaltung
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