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"Leuchttürme sind doch eher Warnzeichen!"

Als Liedermacher trat Steffen Mensching im Oktober 1989 mit einem legendären und von Verbot bedrohten Programm an der TH Ilmenau auf. Am Freitag referierte er an der Uni zur "Theaterdämmerung im Land der Klassiker".

Von Wolfgang Rauprich
  • Steffen Mensching (r.) mit Hörern der Seniorenakademie. Foto: b-fritz.de
  • Steffen Mensching bei einem seiner Auftritte im Jahr 1990 in der Ilmenauer Mensa. Foto: wr
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Ilmenau - Die Seniorenakademie der TU Ilmenau startete am vergangenen Freitag ihr Programm des Frühjahrssemesters 2012 mit einem aktuellen kulturpolitischen Thema. Als Referent zu Gast war Steffen Mensching, Intendant des Theaters Rudolstadt. Das Thema seines Vortrages lautete: "Theaterdämmerung im Land der Klassiker - Wieviel Theater braucht der Freistaat?".

Doch nicht wenige Hörer der Seniorenakademie erinnerten sich noch gut an Steffen Mensching, als er am 5. Oktober 1989 in der Mensa der damaligen Technischen Hochschule Ilmenau gemeinsam mit Hans-Eckardt Wenzel das Programm "Altes aus der DaDaeR" zur Aufführung brachte. Die SED Bezirksleitung Suhl wollte den Auftritt verbieten, weil dabei auch eine Protestresolution bekannter Künstler verlesen wurde. Doch der damalige Prorektor der TH Ilmenau, Professor Cordt Schmidt, widersetzte sich der Weisung der Bezirksleitung. Wenzel und Mensching führten ihr Programm in der überfüllten Mensa auf und ernteten stürmischen Beifall.

Auch nach dem Umbruch hat sich Steffen Mensching als kritischer und streitbarer Künstler immer wieder eingemischt. Die Themen haben sich indes gewandelt. Als Intendant des Theaters Rudolstadt beleuchtete er nun die Situation der Thüringer Theaterlandschaft im Spannungsfeld von künstlerischer Auseinandersetzung und Sparzwang. Mensching: "Die große Sinnfrage ist in dem Titel des Vortrags schon enthalten. Das klingt nach Wagner und großer Dramatik..." Am Beispiel seines Rudolstädter Theaters machte er jene Dramatik deutlich, die vor allem die kleinen Bühnen beutelt.

Für den Intendanten und Geschäftsführer geht es dabei zumeist um Geld, besonders um fehlendes Geld. Während den großen Häusern Weimar, Erfurt, Meiningen noch gegeben werde, herrsche in den kleinen Theatern Sparzwang. Als Förderung der Leuchttürme firmiere diese Politik. Doch Mensching hielt dem entgegen: "Leuchttürme sind doch eher Warnzeichen! Kein Seemann steuert auf einen Leuchtturm zu..."

Trotz der weltweit größten "Theaterdichte", über die Thüringen verfügt, und der hohen Kosten, die damit verbunden sind, plädierte Steffen Mensching für den Erhalt der kleinen Bühnen, um eine wichtige Tradition zu erhalten und die Menschen im ländlichen Raum nicht von dieser Kultur abzuschneiden. Vorerst scheinen die vorhandenen Theater bestehen zu bleiben. Mensching: "Doch wenn das Land die Finanzierung der kleinen Bühnen den Kommunen überlässt, dann wird es ab 2017 ein Theatersterben geben."

    
    

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