zuletzt bearbeitet: 03.02.2012 09:49 Uhr
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Großmama ehrenhalber
Der Oma-Opa-Service im Ilmenauer Mehrgenerationenhaus kann von liebevollen "Wahlverwandtschaften" berichten. Noch mehr erfahrene Familienhelfer als Oma oder Opa ehrenhalber werden dringend gesucht. Zum Thema wird heute in Erfurt mit Familienministerin Heike Taubert beraten.
Ilmenau - So hat es die kleine Kerli natürlich am liebsten: zwischen Mama und der "Oma Ilmenau" der Hahn im Korb zu sein und die Nestwärme von beiden zu genießen. Obendrein denken natürlich auch die "richtige" Oma und der Opa zu Hause in Schönebeck dauernd an den kleinen Wildfang. Aber Kerli kam vor einem Jahr nun mal in Ilmenau zur Welt, weil der Job Mutti Laureen Kreutzberg hierher verschlagen hat und die Liebe sie hier hielt. Nach der Trennung des Paares aber war am Ende des Babyjahres für Laureen guter Rat teuer: Wohin mit der Kleinen, wenn sie wieder in den Beruf als Verwaltungsfachangestellte einsteigen würde? Wohin angesichts ihres Dienstes bis 18 Uhr zweimal die Woche? Krippenbetreuung nach 17 Uhr gibt es nur gegen Mehrkosten. Oder vielleicht ein Kindermädchen, das allerdings auch bezahlt werden muss? Nein, eine Oma müsste es sein, eine ruhige, souveräne Frau mit Lebenserfahrung nach dem Vorbild ihrer Eltern wünschte sich die 25-jährige Mutti.
Einziger Service im Ilm-Kreis
Als damalige Mitarbeiterin im Bürgerservice des Landratsamtes kannte sie die Einrichtungen in der Stadt und nahm schließlich schnurstracks den Weg ins Mehrgenerationenhaus in der "Alten Försterei". Hier wird seit 2008 der ehrenamtliche Oma-Opa-Service vermittelt. Projektleiterin Christine Körner konnte ganz schnell ein erstes Treffen mit der Mutti und der 60-jährigen Karin Krüger arrangieren, die gerade "frei" geworden war als Leihoma.
Zu Frau Krüger, die nach ihrer Tätigkeit als Sparkassenberaterin seit einiger Zeit im Un-Ruhestand war, hatte Christine Körner im vorigen Frühjahr sofort einen "Draht", so ein gutes Bauchgefühl wegen ihrer offenen, sachlichen und herzlichen Art - wie geschaffen als gute Helferin einer jungen Mutti. Von solchen, erzählt Frau Körner, braucht der Ilmenauer Großeltern-Service, der einzige im Ilm-Kreis, noch viel mehr. Vier alleinerziehende Muttis mit zusammen sieben Kindern stehen derzeit bei Frau Körner auf der Warteliste für liebevolle "Ersatz"-Omas oder -Opas. Leute mit Grundsätzen, wie sie Karin Krüger hat und lebt: "Liebe teilt man nicht, sie verdoppelt sich vielmehr. Wenn man Liebe gibt, bekommt man Liebe zurück." So engagiert sie sich auch für die Ilmenauer Tafel "und überhaupt für viele, die mal Hilfe brauchen", sagt sie ganz selbstverständlich. Ein eigenes Enkelkind hat sie nicht und wenn, wird es in Ulm geboren, wo der Sohn lebt.
So schnell, wie sich Frau Krüger und Mutti Laureen einig und per "Du" waren, gehe es weiß Gott nicht immer, weiß Christine Körner. Nur sechs Leihoma-Beziehungen halten im Mehrgenerationenhaus bereits über mehrere Jahre. Manche interessierten Senioren wollen offensichtlich ihren gewohnten Rhythmus durch die Kinderbetreuung am Ende dann doch nicht allzu sehr beeinträchtigt wissen.
Lange Wartelisten
"Noch viel zu wenige Senioren engagieren sich für die 16 Thüringer Großelterndienste und es gibt lange Wartelisten junger Familien, die sich teilweise bis zu zwei Jahren gedulden müssen", sagt Dr. Sigrun Fuchs vom Projekt "Kinderbetreuung 24" der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft.
Auch Leihoma Karin, deren Ehemann noch berufstätig ist, hat eigentlich ihren festen Wochenplan mit Chorgesang, ihrer Frauenrunde, Sport, Sauna und mehr. Aber wenn die quirlige Kerli sie in Beschlag nimmt, spürt man gleich, dass für die neuen Aufgaben ihr Herz ganz schön brennt. Beizeiten hat sie das "Pampern" geübt, das Töpfchensetzen, Füttern, Waschen, Zähnchenputzen und Liedersingen abends mit Kerli im Bett, wenn Mutti später von der Arbeit kommt. Immer lieber setzt sie sich in ihren "Smart", wenn's vom Stollen aus hin zu der Kleinen geht. "Da kann meine Sauna ruhig mal warten", sagt sie ganz locker. Ihr Mann, ihr Sohn und ihre Freundinnen begleiten ihre Oma-Rolle inzwischen mit viel Interesse und bestimmt mit allerhand Anerkennung.
"Oma Ilmenau"
Mutti Laureen scheint sehr glücklich über diese Fügung, bei der es übrigens keinerlei schriftlichen Vertrag oder eine festgelegte Vergütung gibt. Vorsorglich hat Frau Krüger aber die Kinderbetreuung in ihre Haftpflichtversicherung mit einfügen lassen. Laureen Kreutzberg schätzt solche Fürsorge und Gewissenhaftigkeit sehr und fühlt sich sicher mit "Oma Ilmenau" an der Seite, wie sie von der Kleinen inzwischen genannt wird. Und sie ist offen für manche Ratschläge der erfahrenen Frau, denn sie sind niemals lehrmeisterlich.
Eine gute Arbeitsstelle zu Hause in Sachsen-Anhalt, wo Oma und Opa da wären, könnte schon eine Option für die Zukunft sein. Mal sehen. Im Moment aber genießt Laureen ausgiebig solche Augenblicke beim Nachhausekommen, wenn ihre kleine Kerli im Bett mit den Füßen zum "dicken Tanzbären" herumtappelt, den die "Oma ehrenhalber" ihr vorsingt.
Ilmenau: im Mehrgenerationenhaus "Alte Försterei", Wetzlarer Platz 2, Kontakt: Christine Körner, 03677/208625, Mail mgh-ilmenau@gmx.de
Suhl: im Familienzentrum "Die Insel", Große Beerbergstraße 39, Kontakt: Ulrike Besig, 03681/464720, Mail u.besig@familienzentrum-suhl.de
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