zuletzt bearbeitet: 31.01.2012 09:46 Uhr
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"Es fällt mir schwer, aufzuhören"
Das Ilmenau-Kolleg ist ohne Dr. Barbara Gobsch kaum vorstellbar. Baute sie doch diese Bildungseinrichtung mit auf. Heute geht sie in den Ruhestand.
Ilmenau - Wenn Dr. Barbara Gobsch daran denkt, wie sie heute die Tür des Ilmenau-Kollegs zum letzten Mal hinter sich schließen wird, schießen ihr die Tränen in die Augen. Der Abschied falle ihr sehr schwer, sagt sie. "Es ist ja nicht nur der Unterricht, der mir sehr großen Spaß macht. Es sind auch die vielen persönlichen Beziehungen, die ich hier aufgebaut habe zu Mitarbeitern und Kollegiaten. Ich bin keine abgehobene Leiterin, ich habe viel Herzblut in das Kolleg gesteckt", sagt sie lächelnd, "denn das Kolleg ist eine prima Einrichtung!"
Als 1991 für das neu zu gründende Kolleg in Ilmenau als Außenstelle des Thüringen-Kollegs Weimar die Leitung ausgeschrieben war, bewarb sich die promovierte Physikerin auf diese Stelle und wurde eingestellt. Bis 1993 war sie stellvertretende Leiterin des Thüringen-Kollegs Weimar und Außenstellenleiterin in Ilmenau. Im Frühjahr 1993 kam die Mitteilung vom Thüringer Kultusministerium als Träger des Kollegs, dass die Kollegs Weimar und Ilmenau an einen gemeinsamen Standort verlegt werden sollten. Dagegen liefen die Ilmenauer Sturm mit dem Ergebnis, dass der Landkreis das Ilmenau-Kolleg als eigenständige Bildungseinrichtung in Trägerschaft übernahm - mit Barbara Gobsch als deren Leiterin, die alles von der Pike an mit aufbaute.
Anfänge waren nicht leicht
Sie erinnert sich: "Die Anfänge waren nicht leicht. Wir begannen damals in der ehemaligen Glasfachschule in der Prof.-Deubel-Straße mit zwei Klassenräumen, darin standen nur die Tische, Stühle und eine Tafel. Keine Lehrbücher, keine ausreichenden Gesetzlichkeiten, die Lehrpläne waren in Arbeit ... Aber wir waren sehr motiviert und wurden vom Hessen-Kolleg in Wetzlar, mit dem uns noch heute eine enge Partnerschaft verbindet, sehr unterstützt. Dort holte ich mir in den ersten Herbstferien vier Tage lang das nötige Rüstzeug zur Leitung eines Kollegs. Und auch danach standen uns die Wetzlarer Kollegen immer mit Rat und Tat zur Seite."
Das Ilmenau-Kolleg begann am 30. September 1991 mit 51 Kollegiaten und drei fest angestellten Lehrern. Für die anderen Fächer waren Lehrer von den Gymnasien abgeordnet. Heute zählen zwölf feste und sieben abgeordnete Lehrer zur Stammbelegschaft. "Bis 2011 legten insgesamt 684 junge Frauen und Männer hier ihr Abitur ab, viele studierten und promovierten danach", so Dr. Gobsch stolz. "Einer der ersten Abiturienten war Torsten Wolf. Er war 1993 als Schülersprecher auch maßgeblich daran beteiligt, dass das Kolleg in Ilmenau bleiben konnte. Heute ist er der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen."
Dr. Barbara Gobsch lag immer ein gutes, kameradschaftliches und freundschaftliches Verhältnis unter Lehrern und Kollegiaten am Herzen. Das erleichterte es sicher auch dem einen oder anderen Schüler, bei der Stange zu bleiben und den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen, auch wenn vielleicht missliche Umstände diesen Weg erschwerten. "Ich hatte für die Kollegiaten immer ein offenes Ohr und viel Verständnis. Zu mir konnte jeder kommen, wir suchten für jedes Problem eine Lösung und meist fanden wir auch eine, auch wenn es nicht immer einfach war. Dafür war die Dankbarkeit der Kollegiaten, wenn sie das Abitur trotzdem geschafft hatten, riesig."
Barbara Gobsch ist promovierte Physikerin. Sie schloss 1976 ein Forschungsstudium auf dem Gebiet der theoretischen Halbleiterphysik mit dem Doktortitel ab und unterrichtet bis heute Physik mit Leib und Seele, wie sie sagt. Aber eigentlich schlug ihr Herz in Jugendjahren für Fremdsprachen. Hier hatte sie damals auch ihre berufliche Zukunft gesehen. Wegen der guten Mathematik-Noten lenkten sie die Lehrer auf der damaligen Oberschule jedoch in die mathematisch-naturwissenschaftliche Richtung. Die Mitarbeit in einer Physik-AG bestärkte sie dann schließlich in dem Entschluss, Physik zu studieren, ein Entschluss, den sie nie bereut hat, wie sie sagt.
Meilenstein war Algerien
Ein Meilenstein in ihrem beruflichen Leben war sicher die Zeit an der Universität Sétif in Algerien. Hier unterrichtete sie von 1980 bis 1983 technische Optik in französischer Sprache. Danach machte sie eine Externenprüfung an der Uni in Leipzig zum Sprachmittler, die sie heute befähigt, Französisch in der Einführungsphase zu unterrichten. Sie war wissenschaftliche Oberassistentin an der damaligen Technischen Hochschule in Ilmenau und unterrichtete dort bis zur Wende Studenten in Physik. 1990 schloss sie ein externes Studium für Pädagogik, Psychologie und Methodik des Physikunterrichts an der Pädagogischen Hochschule Erfurt ab.
Da sie vor der Wende nie an einer "normalen" Schule unterrichtete, sei der Einstieg ins Kolleg für sie nicht mit Umstellungen verbunden gewesen, wie sie andere Pädagogen nach der Wende erlebten, sagt sie. "Es fiel mir dadurch auch nicht schwer, mich auf das neue Schulsystem einzustellen, da ich das andere ja kaum kannte", erinnert sich die 62-Jährige, für die nun heute ihre aktive berufliche Karriere zu Ende geht.
Wie es danach weitergehen wird, will die agile Ilmenauerin auf sich zukommen lassen. Zunächst steht eine Mittelmeerkreuzfahrt an, bei der sie Abstand gewinnen und zur Ruhe kommen möchte, wie sie sagt. Dann müsse die Wohnung renoviert werden, ins Theater möchte sie gehen, sich mit Freunden treffen, reisen und mit ihren Enkelkindern spielen. Und dann möchte sie wieder etwas finden, bei dem ihre Fähigkeiten und Kenntnisse gebraucht werden und wo sie ihr Wissen zur Verfügung stellen kann. Schon jetzt steht aber fest, dass sie ab Juli als erste weibliche Präsidentin den Ilmenauer Rotary-Club leiten wird, eine Aufgabe, auf die sie sich sehr freut.
Für ihre Zukunft wünscht sich Dr. Barbara Gobsch noch ein erfülltes Leben mit möglichst wenig Stress.
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