zuletzt bearbeitet: 21.02.2012 09:57 Uhr
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"Dresden Nazifrei": Polizei eskortiert Bürgerbündnis nach Hause
Auch 30 Bewohner des Ilm-Kreises gehörten zu den mehr als tausend Thüringern an der Seite von über 10 000 Demonstranten des parteiunabhängigen, breiten Bündnisses "Dresden Nazifrei".
Ilmenau/Kirchheim/Dresden - Der tausendfache Protest für ein nazifreies Dresden hatte am vergangenen Samstag der Elbe-Metropole seit Jahren zum ersten, von Neonazi-Aufmärschen freien, Wochenende um den Jahrestag der Bombardierung vom 13. Februar 1945 verholfen. Aus dem Ilm-Kreis vor allem mit Unterstützung durch das aktive Bürgerbündnis "Kirchheimer gegen Rechts". Das wehrt sich seit Jahren gegen bundesweite Neonazi-Umtriebe in einem Gasthof des eigenen Dorfes, sensibilisiert gegen eine stille Duldung rechtsextremer Aktivitäten auch in der oft zitierten, duldenden Mitte der Gesellschaft.
Vom Dresdner Hauptbahnhof aus zogen die Thüringer Teilnehmer über fünf Stunden mit vielen Zwischenstationen als Teil eines bunten Zuges bis weit hinter den Neustädter Bahnhof. Eskortiert von einem martialischen Spalier Polizeihundertschaften - ebenfalls aus ganz Deutschland. Die unter anderem Sachsens in heftige Kritik geratene Ministerien hermetisch abriegelten. Die friedliche Demo hatte ihr "Nazifrei"-Ziel aber offenbar schon vor ihrem Start verwirklicht: "Denn hatte sich Dresden in den letzten Jahren mit bis zu 7 000 Teilnehmern rechtsradikaler Geschichtsrevisions-Aufmärsche zum größten Neonazi-Treffpunkt Europas entwickelt, waren am Samstag keine Rechten zu sehen", freute sich unter anderen Diana Hennig. Dadurch ermutigt, reihten sich auch immer mehr Einheimische von den Straßenrändern in den sonnenbeschienenen Umzug ein, darunter Familien mit Kindern.
Keine Antwort
"Ich bin zum ersten Mal in Dresden, zum ersten mal überhaupt auf einer Demonstration", sagt Meryem Baglan, Biomedizin-Erstsemester an der TU Ilmenau. Die in dritter Generation in Deutschland lebende, türkischstämmige Rheinland-Pfälzerin und Muslima gehörte zu den wenigen Ilmenauer Studierenden, die der Demo-Info des Studentenrates folgten. Und in angeregten Gesprächen mit Demonstrationsteilnehmern unterschiedlichsten Alters viel zu rechten Versuchen erfuhr, über Deutschlands Geschichte "neue" Deutungshoheiten zu gewinnen.
Diana Henning, rührige Sprecherin und Organisatorin des Bürgerbündnisses war sichtlich stolz und erleichtert, als der Bus mit Demonstranten 16 Stunden nach Reisebeginn zur Elbe-Metropole alle Teilnehmer wohlbehalten absetzen konnte. Bis auf die letzten Meter zum Hauptbahnhof Ilmenau von sechs Polizei-Mannschaftswagen begleitet. Die Beamten sollten offensichtlich Überfälle auf abreisende Demonstrationsteilnehmer durch Rechtsradikale verhindern, wie sie Thüringen vor Jahren an der Autobahnraststätte Teufelstal in die Schlagzeilen brachte.
Die Linke-Landtagsabgeordnete Sabine Berninger auf der Rückfahrt: "Gut, dass die Bus-Kosten vom Land Thüringen unterstützt wurden. Schlecht, dass nach der Bitte der Kirchheimer um Angebote von Busgesellschaften des Ilm-Kreises nicht eine einzige Antwort kam!"
Würdigung
Der Ilmenauer Professor Reinhard Schramm, Vizevorsitzender der Jüdischen Gemeinden Thüringens, freute sich abschließend mit anderen Teilnehmern der Demo darüber, dass das Kirchheimer Bündnis gegen Rechts für den 23. Februar zur Würdigung in das Bundespräsidialamt eingeladen wurde. Dazu, dass in Deutschland, 67 Jahre nach Ende der Nazi-Diktatur, zum Engagement wie dem der Kirchheimer viel, viel Mut gehört, betonte er: "Es ist nicht nur ihre Freizeit, die die Aktiven der 'Bündnisse gegen Rechts' einsetzen. Indem sie Gesicht zeigen, gewinnen sie Verbündete. Sie rütteln die Gleichgültigen auf und sie stellen sich den Rechtsextremisten in den Weg. Damit begeben sie sich in wirkliche Gefahr, denn der Rechtsextremismus beweist bis heute, dass Brutalität zu seinem Wesen gehört. Ich bewundere die jungen Frauen und Männer vom Kirchheimer Bündnis und all die anderen Mitglieder dieser Bündnisse. Sie sind es, die unsere Demokratie wehrhaft machen."
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