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555 Jahre Königreich Blaunasien

Die Stadtilmer Blaunasen feierten in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: 555 Jahre Volkskarneval. Das spiegelte sich auch im großen Umzug am Samstagnachmittag wieder.

Von Berit Richter
  • "Venedig grüßt Blaunasien", hieß es bei der Fußgruppe um Beda Voigt. Für diese tollen Kostüme gab es eine Auszeichnung. Fotos (3): b-fritz.de
  • Prinzessin Susi I und Prinz Ramon I übernahmen um 11.11 Uhr die Rathausschlüssel.
  • Die griechische Finanzkrise war wiederholt Thema im Zug, so auch bei der Bös-lebener Truppe um Marion Scheidt, die ebenfalls ausgezeichnet wurde.
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Stadtilm - Narren lieben närrische Zahlen und so war die dreifache Fünf in der Geschichte des Stadtilmer Volkskarnevals natürlich Anlass einen ganz besonderen Umzug auf die Beine zu stellen. Dieser war mit über 60 Nummern nicht nur der größte an diesem Faschingswochenende im Ilm-Kreis, sondern schaffte auch die Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart.

Historisch belegt ist, dass die Tuchmachergesellen erstmals 1457 einen Umzug mit Musik und Gesang durch die Stadt veranstalteten und ihren Meistern einen Besuch abstatteten. Am Fastnachtsdienstag feierte man so den Lohn der Hände Arbeit. Mit fröhlichen Musikanten und der Zunftfahne ging es angeführt von einem Zugführer mit gezogenem Säbel durch die Stadt. Hauptperson im Zug war der Methusalem, der von zwei Begleitern eingewebt wurde, indem man sich Schiffchen mit weißem Garn zuwarf. Am Abend ging es mit einem großen Ball und zünftigem Essen weiter. Aschermittwoch folgte ein Frühschoppen. Auch die Bezeichnung Blaunasen geht auf die Tuchmacher zurück, arbeiteten sie doch mit Waid, um ihre Stoffe blau zu färben.

145,7 Meter lange Wurst

Die Zahl 1457 wie auch die seitdem vergangenen 555 Jahre sollten schon vor dem großen Umzug am Samstag eine wichtige Rolle spielen. Nachdem pünktlich 11.11 Uhr Prinzessin Susi I und Prinz Ramon I. die Rathausschlüssel eingefordert hatten, kam eine 145,7 Meter lange Bratwurst auf den Rost. "Das ist das vierte Mal, dass wir so eine Riesenbratwurst machen", erzählte Uwe Keith, Vorsitzender des Freunde der Thüringer Bratwurst e.V. aus Holzhausen. Hergestellt worden war die Riesenwurst, die rund 50 Kilogramm wog, von der Agrargenossenschaft Griesheim. Schnell waren die 555 Portionen unters närrische Volk gebracht. "In einer Dreiviertelstunde war alles alle", berichtete Keith.

Der Erlös wird den Stadtilmer Kindergärten zugute kommen. Diese bedankten sich mit einem Auftritt am Zinsboden beziehungsweise der Teilnahme am Umzug. Die Bratwurstfreunde verbindet eine enge Partnerschaft mit dem Stadtilmer Karneval Club (SCC). "Sie kommen zu unseren Veranstaltungen, nehmen an der Bratwurstiade und am Songcontest jedes Jahr teil, da wollten wir natürlich zum Jubiläum auch etwas besonderes machen", erklärte Uwe Keith. Die 147,5 Meter müssen übrigens nicht das Ende der Bratwurst sein. Die spezielle Rostvorrichtung für die Riesenwurst kann bis zu 170 Meter aufnehmen - noch Spielraum für künftige Jubiläen also.

Der Stadtilmer Karneval heutiger Prägung hat seine Wurzeln allerdings in etwas jüngerer Vergangenheit als dem Jahre 1457. Der aus dem Rheinland stammende Karl Ditscher wollte 1937 die dortigen Traditionen auch in Stadtilm umsetzen. Der Krieg verhinderte dies. Ab 1947 - wurden dann in verschiedenen Gaststätten Stadtilms wieder Kostümfeste und Maskenbälle veranstaltet.

Schließlich fanden sich im Januar 1953 einige Stadtilmer zusammen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, den Volkskarneval neu ins Leben zu rufen und zur Tradition werden zu lassen. Der erste Umzug hatte 14 Festwagen der örtlichen Industrie und zahlreiche Laufgruppen. Schon damals entstand auch die Tradition, den Stadtschlüssel an den Stadtkommandanten zu überreichen und so die Rechte symbolisch für die ,,drei tollen Tage" an die Karnevalisten zu übergeben. Seither hält vor allem der Stadtilmer Carneval Club die Tradition am Leben.

Er war es auch, der in diesem Jahr zum Umzug aufrief und viele kamen, nicht nur aus Stadtilm sondern aus dem ganzen Umland. 62 Zugnummern konnte man vermelden. Damit war der Stadtilmer Umzug nicht nur der größte im Kreis sondern auch rund 20 Nummern größer als im letzten Jahr. Gedankt war dies einem historischen Teil, der vor allem an die Geschichte der Tuchmacher in Stadtilm erinnerte, aber auch die Geschichte vom letzten Schwein der Stadtilmer - man vertrieb Belagerer, indem man ihnen mit Bratwürsten suggerierte, die Stadtilmer hätten noch reichlich Vorrat - oder das Kloster, welches heute Rathaus ist, spielten eine Rolle.

Hier hatten sich besonders die Kindergärten "Sonnenschein" und "Fröbel" aber auch die Kindervilla Ilmtal mit eingebracht. Erstmals präsentierte sich der Traditionsverein Saline Oberilm im Zug. Den Preis für den besten Wagen im historischen Teil vergab der SCC aber an "Blaunasiens Stoffdesigner", wie Heiko Georgy mit seiner Truppe die Tuchmacher neudeutsch bezeichnete. Es folgten die "Mad Dogs", die mit ihrem "Braunasien" an die Brauereigeschichte der Stadt erinnerten und die "Deube vor 555 Jahren"der Großliebringer Zugteilnehmer.

Im aktuellen Zugteil kannte man dann vor allem ein Thema: Die Eurokrise und die Rettungsmilliarden für Griechenland. "Europa feiert und strahlt, weil der deutsche Esel zahlt", hieß es bei Stefan Wiegand und seinem Team aus Niederwillingen. "Deutschland schuftet für Griechenland" beklagte Inge Licht, die mit ihrer Nummer Platz zwei unter den Kleindarstellern erhielt. Platz eins ging an Ingo Helbig aus Witzleben, der unter dem Motto "Atomkraft nein Danke" für Solarenergie warb. Ingo Fröb erhielt mit dem "Markt-Kontroll-Team" die dritte Auszeichnung in dieser Kategorie.

Stadtilm hat den Größten

Auch sonst war der Stadtilmer Marktplatz ein gern genommenes Thema, sei es mit stolzem Hinweis darauf: "Wir haben den größten", der Torsten Scholl Platz zwei bei den aktuellen Wagenwertung einbrachte, oder als Kritik an kranken Bäumen. Die Griesheimer Piraten wollten derweil per Schiff das Rathaus stürmen, was die Jury mit einem dritten Preis belohnte. Mit Platz eins unter den aktuellen Wagen bedachte man die Hettstedter Drachenburg. Bei den Fußgruppen wurden "Venedig grüßt Stadtilm", "Die spinnen die Griechen" aus Bösleben und "Griechische Drachme" von der Aerobic-Gruppe Stadtilm geehrt.

Noch viele andere hatten viel Liebe, Zeit und Kreativität in tolle Kostüme und eindrucksvolle Wagen gesteckt. Tausend Zuschauer verfolgten bei teilweise strahlendem Sonnenschein den mehr als zweistündigen Umzug über die extra verlängerte Strecke.

 
    
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555. Karneval Stadtilm
Stadtilm
19.02.2012
    
    
    

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