zuletzt bearbeitet: 27.01.2012 10:13 Uhr
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"Das ist unser Nationalfeiertag!"
Schon vor sechs Uhr bauen die ersten Händler ihre Tische auf. Wer einen gemütlichen Marktbummel schätzt, sollte bis spätestens neun da sein. Ab 10 Uhr fällt kein Apfel mehr zu Boden in den Straßen und Gassen zwischen den Ständen - es ist Kalter Markt in Römhild.
Römhild - "Der frühe Vogel kann mich mal ..." prangt auf einem T-Shirt am Stand von Wolfgang Löffler. Aus dem hessischen Ottrau bei Alsfeld ist er gestern nach Römhild angereist - wie seit mehr als zehn Jahren immer am letzten Donnerstag im Januar. Für die meisten Marktbesucher trifft der Slogan wohl inzwischen zu, nicht aber für Margarete Loos. Nur ganz früh komme sie mit ihrem Rollator noch an die Stände, erklärt die Seniorin, während ihr Sohn schon zwei Rostbratwürste zum Frühstück gekauft hat. "Heute frühstücken wir hier", sagt sie. Wie jedes Jahr zum Kalten Markt. An diesem traditionellem Markttag zu Hause zu sitzen, kommt für beide nicht in Frage. "Das ist schließlich für uns Römhilder der Nationalfeiertag", sagt Alexander Loos.
Noch wesentlich früher auf den Beinen waren die Werners aus Hildburghausen. Mit ihren selbstgefertigten Seilerei-Waren seien sie inzwischen der letzte wirkliche Handwerkerstand auf dem Markt, sagt Rita Werner. 5.15 Uhr waren die Werners schon da, um ihren Stammplatz am Markt einzunehmen. Noch früher aufgestanden sind Evelyn Rothmeier und ihre Mutter, die aus Nürnberg mit Schals, Mützen, Hüten und anderen Accessoires aus Nürnberg nach Römhild kamen. In der Nacht um halb drei sind sie losgefahren. "Eine große Entfernung ja, aber nicht die größte - wir gehen auch bis nach Salzburg zu Märkten, wenn sie Flair und ein gewisses Niveau haben", sagen die beiden Damen. In Römhild sind sie zum zweiten Mal.
Mit selbstgefertigten, farblich sehr schön anzuschauenden Seifen steht Ingrid Mohring aus Alkersleben bei Arnstadt schräg gegenüber. Eine Bekannte hat ihr den Tipp mit Römhild gegeben. Mal sehen, ob man sich auch auf dem Kalten Markt für ihre Düfte erwärmen kann.
Aus Bad Fallingbostel ist Günther Braacke mit seinen Gemüsehobeln nach Römhild gekommen. Seit 1991 sei er jedes Jahr dabei, genauso wie sein Kollege gegenüber. Der kommt aus Balingen in Baden-Württemberg und war einen Tag zuvor schon in Jüchsen auf dem Markt, "um die Unkosten reinzukriegen", wie er sagt. Das Römhilder Markt-Publikum weiß er genauso wie die anderen zu schätzen: Nett, interessiert und kauffreudig - auch wenn mitunter lange überlegt wird ...
Mehr als 200 Stände reihen sich auch in diesem Jahr wieder in der Griebelstraße, am Markt, in der Hönn-Straße und in den Gassen aneinander, die hinunterführen zur Spring. Zwischen deren Ufer und der Regelschule werben auch noch jede Menge Händler mit ihren Angeboten von der Unterhose über Blumenzwiebeln bis zum Scheibenwischer oder einem wärmenden Glühwein.
Und wer nicht auf dem Kleintiermarkt war, der hat zweifellos etwas versäumt in Römhild. Erstmals haben sich die Hühner-, Enten-, Tauben- und Kaninchenzüchter im und vor dem einstigen Spartenheim niedergelassen. Alle Vorschriften zur Präsentation von Tieren werden genau eingehalten. Vor allem die Kleintierzüchter sind es, die sich hier treffen, fachsimpeln und auch kaufen. Doch auch Familien mit Kindern bestaunen die niedlichen Hasen, die prächtigen Tauben oder die schönen Ziervögel. Nicht nur Tiere selbst sind in diesem Bereich zu haben, auch Leckeres aus Tierprodukten. Eierlikör, zum Beispiel, den Thomas Zintl auf seinem Geflügelhof natürlich aus Eiern glücklicher Hühner selbst herstellt. Und eine Marktbesucherin bestätigt nach einer Kostprobe: "Super!"
Die organisatorischen Fäden für den Kalten Markt hatte wieder Isabelle Kariton von der VG Gleichberge in der Hand. Dafür, dass jeder Besucher mit Pkw auch einen Parkplatz fand, sorgten die Jungs (und Mädchen) von der Feuerwehr - und zwar nicht nur die von der Römhilder, sondern auch jene von den anderen VG-Mitgliedern. Am Ortseingang aus Richtung Milz und Mendhausen standen zum Beispiel Christopher Zöllner von der Stützpunktwehr in Römhild und der Milzer Wehrführer Tilo Krause. "Bei uns gibt's keine Probleme, auch nicht in der künftigen Einheitsgemeinde", stimmen beide überein. "Man hilft sich, wo man kann." Auch sechs Mann von der PI Hildburghausen waren in Römhild im Einsatz, aber nur zum Regeln des Verkehrs, mehr gab es zum Glück nicht zu tun.
Immerhin haben laut Bürgermeister Klaus Theilig auch in diesem Jahr wieder rund 10 000 Gäste aus nah und fern den Kalten Markt besucht. "Bei um die null Grad ideales Wetter", meint Theilig. Nur der Sonnenschein, wie er 2011 die Gäste verwöhnte, fehlte gestern. Dass fast jeder auch ein paar Euro da ließ, ist nicht schwer zu erraten. Für viele besteht der eigentlich Reiz des Marktes aber vor allem darin, Bekannte und Freunde zu treffen, die man - mindestens ein Jahr lang - nicht gesehen hat. Einige ehemalige Römhilder kommen jedes Jahr extra zum Kalten Markt wieder nach Hause. Und auch für viele andere Besucher aus nah und fern ist der Kalte Markt längst alle Jahre wieder ein fester Termin im Kalender.
Man kennt sich auf dem Kalten Markt. Nicht selten verabschieden sich auch Händler und Kunden an den Marktständen mit "Na dann, bis zum nächsten Jahr ..."
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Der Markt fand in diesem Jahr schon zum 212. Mal statt. Er war ursprünglich ein Viehmarkt zum Handel mit Rindern, Schafen, Schweinen oder Pferden. Danach gingen die Bauern noch gerne ins Wirtshaus und bei einem Tänzchen wurden hier auch Ehen angebahnt.
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