zuletzt bearbeitet: 24.05.2011 09:59 Uhr
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Und immer wieder Tango
Eine glanzvolle Premiere im Hildburghäuser Stadttheater brachte neue Freunde - für das Theater und für den Tango.
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Ramona Seek und Lucian Narcis Savu vom Landestheater Eisenach präsentierten den Tango im Stadttheater Hildburghausen künstlerisch sehr eindrucksvoll und mit viel Leidenschaft und Hingabe. Fotos (2): Wolfgang Swietek
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Stan Meus lieh dem Tango seine Stimme und ließ 120 Jahre Tanzgeschichte Revue passieren.
Hildburghausen - "Tango XXL - Liebe Lüge Leidenschaft" hieß es am Samstagabend im Stadttheater Hildburghausen. Die erste gemeinsame Produktion des Theaters mit acht jungen Künstlern, an unterschiedlichen Orten der Region tätig, erlebte ihre Premiere und das mit großem Erfolg. Dass es eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit geben wird, dürfte damit feststehen.
"Eigentlich ist Tango nicht meine Welt, eine Musik mit der ich nichts anfangen kann", sagt Birgit Bischof. "Ich bin nur gekommen, weil ich sehen will, wie sich Kevin Sauer entwickelt hat." Die Lehrerin der Musikschule Fröhlich und Leiterin des Akkordeonorchesters Sachsenbrunn hatte den jungen Gellershäuser einige Jahre im Akkordeonspielen unterrichtet. Kevin Sauer, der die zehnte Klasse am Gymnasium Georgianum Hildburghausen besucht, hat in jüngster Zeit mit etlichen ersten Preisen von "Jugend musiziert" auf Landes- und Bundesebene auf sich aufmerksam gemacht. Nun saß er auf der Bühne des Hildburghäuser Stadttheaters, als Musiker im "ensemble con pasión" im neuen Tango-Programm. Birgit Bischof gibt unumwunden zu: "Noch bei den ersten beiden Tangos dachte ich: O je, wie soll ich den ganzen Abend durchstehen?" Das habe sich dann von Titel zu Titel geändert, immer mehr hatte sie sich in den Bann ziehen lassen von dem, was da auf der Bühne geschah. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus und den Zugaben kam ein Leuchten in ihre Augen: "Ich kann es mir noch nicht erklären, wie das passiert ist. Aber ich glaube, wenn das Programm noch einmal gespielt würde - ich würde gleich morgen Abend wieder hingehen!" Ein schöneres Kompliment kann man den Akteuren auf und hinter der Bühne sicher nicht machen.
Ähnliche Zustimmung erfuhr auch Kulturmanager Jürgen Ludwig von etlichen Besuchern. Wann das Programm denn noch einmal gespielt werde, wurde er immer wieder gefragt. Sie würden gerne wiederkommen mit Freunden und Bekannten, um ihnen mit dem Tango-Abend eine Freude zu machen. So könnte die Vorstellung von "Tango XXL" am Samstagabend nachträglich zu einer wirklichen Premiere werden, denn der Name Premiere ist ja eigentlich die "erste" Vorstellung nach der langen Probenzeit, der dann weitere folgen. Ob im Stadttheater oder anderen Veranstaltungsorten der Region bleibt abzuwarten.
Faszination eines Tanzes
Was fasziniert nun so an "Tango XXL"? Die Idee, sich in einem Programm dem Tango zu widmen, ist so neu nicht. Auch für die Darsteller wie den Tenor Stan Meus vom Meininger Theater und dem Tanzpaar Ramona Seek und Lucian Narcis Saru vom Landestheater Eisenach ist es nicht die erste Berührung mit der musikalischen Welt des Tangos. Doch so komplex und umfassend sich dem Thema zu nähern, nicht einfach einen Titel an den anderen zu reihen, sondern daraus ein spannendes und unterhaltsames, informatives wie leidenschaftliches Programm zu gestalten - das waren neue Wege für alle Beteiligten. Das Feuer und die Leidenschaft, die sie alle während der Probenzeit erfasst hatten, vermittelten sie nun scheinbar mühelos einem aufnahmebereiten Publikum. Stan Meus verlieh den Tango-Titeln nicht einfach seine Stimme, er erzählte die 120-jährige Geschichte des Tanzes in der Ich-Form. Wie er als ungeliebtes Kind in den Armutsvierteln von Buenos Aires auf die Welt kam, ihm die feinen Salons (zunächst) verschlossen blieben. Die argentinische Oberschicht verachtete den Tango als "Bordell-Reptil" und "Schlampen-Schwof". Entstanden war das Klischee vom verruchten Tango. Den Siegeszug nach Paris und ganz Europa können die Besucher miterleben, sie hören und sehen die schönsten Tangos jener Zeit. Immer wieder wird der Tanz fast vergessen, verachtet - und erreicht dann erneut eine Blütezeit. Von der Militärdiktatur in den 70er und 80er Jahren erneut aus Argentinien vertrieben, boomt der Tango kurz darauf wieder weltweit, und wird am 1. Oktober 2009 von der Unesco sogar zum Weltkulturerbe erklärt.
Barbara Bürger hat die Geschichte spannend erzählt, hat dem Tango (alias Stan Meus) witzige und informative Texte in den Mund gelegt, hat argentinische und spanische Tangos ins Deutsche übersetzt und auch neue Texte geschrieben, wie die drei, die dem Abend den Titel gaben: Liebe Lüge Leidenschaft. Und als während der Proben die ersten Bilder von der Katastrophe aus Japan zu sehen waren, kam noch der "Endzeit-Tango" dazu. Denn mit dem Tango kann man so gut wie alles erzählen, was menschliche Gefühle ausmachen, Trauer und Glück, Leidenschaft und Liebe.
Rudolf Hild und Stan Meus haben dazu die Melodien komponiert, Hild hat sie dann für die Musiker vom "ensemble con passión" arrangiert. Er selbst sitzt dabei am Klavier, unterstützt vom Akkordeonisten Kevin Sauer (ohne dieses Instrument wäre der Tango kaum denkbar), von Araceli Morales (Geige) und Júlia Aramon (Cello). Die beiden jungen Musikerinnen können und wollen dabei ihre spanische Herkunft nicht verleugnen. Mit ihren Instrumenten verleihen sie dem Tango weitere leidenschaftliche Farben.
Zugabe im Foyer
Doch was wäre Tango, wenn er nur zu hören wäre und nicht auch getanzt würde. Sie tanzen ihn nicht nur, sie leben ihn - Ramona Seek und Lucian Narcis Saru, der alles auch choreographierte. Dass auch Stan Meus den Tango nicht nur singen, sondern auch tanzen kann, bewies er auf der Bühne, aber auch anschließend im Foyer. Das war schon überraschend für so manche Besucherin, als sie von den Akteuren des Programms selbst zum Tango auf die Tanzfläche gebeten wurde. Ein Abend, der nicht mit der Vorstellung auf der Theaterbühne endete.
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