zuletzt bearbeitet: 02.02.2012 14:13 Uhr
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Drei im Streit um Alupress-Betriebsrat
Die Alupress GmbH steht in Hildburghausen vor dem voraussichtlich erfolgreichstem Geschäftsjahr. Trotzdem rumort es im Unternehmen: Die IG Metall möchte die Wahl eines Betriebsrates voranbringen, Werkleiter Oliver Melzer versucht das gerichtlich zu verhindern.
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Mit der Firma Alupress nahm Bürgermeister Steffen Harzer - hier im Gespräch mit Werkleiter Oliver Melzer (M.) und Hartmut Hoffmann - nahm gestern die Tradition der Betriebsbesuche wieder auf. Neben wirtschaftlichen Erfolgen hat das Unternehmen im Moment allerdings auch ein Problem - die Betriebsratswahl
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Dennis Krasson hat eine Gegenliste zu den IG-Metall-Kandidaten aufgestellt.
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Christian Rhein (l.) und Peter Horn wollen gemeinsam mit der Gewerkschaft einen Alupress-Betriebsrat etablieren.
Hildburghausen - Der Eilantrag der Alupress GmbH an das Arbeitsgericht Suhl zum Abbruch der Betriebsratswahlen ist gescheitert. Werkleiter Oliver Melzer legte dagegen Beschwerde bei der nächsthöheren Instanz, dem Landesarbeitsgericht Thüringen, ein. Die Gewerkschaft IG Metall sieht darin nach Worten von Thomas Steinhäuser, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Suhl-Sonneberg, einen ganz besonderen Fall von Gegenwehr eines Arbeitgebers. In einem modernen Betrieb gehöre nach Einschätzung der Gewerkschaft der vom Gesetzgeber verlangte Betriebsrat genauso wie ein Telefonanschluss. Am 8. Februar soll die Betriebsratswahl stattfinden.
Gerichtstermin am Montag
Am Montag, dem 6. Februar, wird in Erfurt über die Beschwerde Melzers entschieden. Der Alupress-Werkleiter sprach das Thema gestern selbst an bei einem Betriebsbesuch von Bürgermeister Steffen Harzer und der Amtsleiterin für Wirtschaftsförderung der Stadt, Kerstin Heß. "Die Mehrheit der Belegschaft will gar keinen Betriebsrat", ist sich Melzer sicher. Und er habe es nicht nötig, sich von einer Gewerkschaft von außen etwas aufzwingen zu lassen, machte der Werkleiter seine Position klar. Dabei habe er nicht mal ein Problem mit einem Betriebsrat als Interessenvertretung der Beschäftigten an sich. Er sei selbst früher Jugendvertreter gewesen und auch Gewerkschaftsmitglied. "Aber die Art und Weise, wie ein Betriebsrat hier von außen im Unternehmen etabliert werden soll, damit habe ich ein Problem." Und vor allem seien die drei, vier Leute, die auf der Liste der Gewerkschaft stünden, von ihrer Persönlichkeit her nicht gerade geeignet, für alle zu sprechen.
Es habe sich mit den Jahren ein sehr gutes Betriebsklima bei Alupress entwickelt und die Ziele, die die Gewerkschaft für den künftigen Betriebsrat aufgestellt habe, seien im Wesentlichen Dinge, die ohnehin im Fluss seien und in engem Zusammenwirken von Werkleitung und Belegschaft gelöst würden - auch ohne Betriebsrat. Melzer führte einige Beispiele an: "Die Forderung nach einem gerechten Prämiensystem: Wir arbeiten gerade gemeinsam ein neues Prämiensystem aus, wobei die Arbeitnehmer natürlich mitwirken. Weiterbildung: Es gibt wohl kaum einen weiteren Betrieb in der Region, der so viel in die Qualifizierung jedes Mitarbeiters steckt, wie wir. Ausbildung: Gut, da lässt sich was verbessern, aber da sind wir schon dran, um frühzeitig Probleme bei Azubis zu erkennen und ihnen helfen zu können. Urlaub: Unser Ziel sind 30 Tage, und schrittweise werden wir dahin kommen, so wie es unser Betriebsergebnis erlaubt. Rauchverbot im gesamten Betriebsgelände: Wenn das gewünscht wird, kein Problem! Lohnerhöhung für alle gleich: Ich frage Sie, wäre das überhaupt sinnvoll?" Melzer erklärte: "Wir werden weitere Arbeitskräfte einstellen und wissen: Wenn wir gute, zuverlässige Facharbeiter wollen, müssen wir gut bezahlen." Bis nach Coburg werde annonciert. "Wobei dann die Coburger nicht anders bezahlt werden als die Hildburghäuser", sagt Melzer auf Nachfrage. In anderthalb, zwei Jahren werde man auf mehr als 200 Mitarbeiter aufstocken, blickte er voraus. Und die derzeit um die 160 Beschäftigten seien alles Festangestellte. "Auf Leiharbeiter greifen wir nur im Notfall zurück. Und dann höchstens mal zwei, drei Leute", betont der Werkleiter. Es habe erstmals nach der Krise wieder Weihnachtsgeld gegeben im vergangenen Jahr. "Bei unserem Sommerfest waren rund hundert Leute da, bei der Weihnachtsfeier 120 bis 130 - zeugt das nicht auch davon, dass sich die Leute hier wohlfühlen?"
Die Zukunft des Unternehmens hört sich aus Melzers Sicht sehr vielversprechend an: "2011 war ein recht gutes Jahr. Für 2012 rechnen wir jetzt schon mit einem Umsatz von etwas über 20 Millionen Euro. Das wäre dann das stärkste Jahr unserer Betriebsgeschichte hier in Hildburghausen." Es seien neue Produkte entwickelt worden und es gebe auch wieder neue Projekte mit der Firma GPM Merbelsrod.
Trotzdem konnte Bürgermeister Steffen Harzer (Linkspartei) in Punkto Betriebsrat nicht ganz mit Melzer konform gehen. "Grundsätzlich ist für mich ein Betriebsrat selbstverständlich", sagte Harzer, der Anfang der 90er Jahre selbst als Betriebsrat tätig war. Was die Kandidaten betreffe, da trenne sich nach einiger Zeit allein die Spreu vom Weizen, wenn die Belegschaft sehe, wer ihre Interessen wie vertrete.
Werkleiter Oliver Melzer geht es aber ums Prinzip: "Wenn die Leute von sich aus eine solche Vertretung wollen, habe ich kein Problem. Aber nicht von außen initiiert. Und nicht mit diesen Leuten." Sogar innerhalb der Belegschaft sei ja schon eine "Gegenliste" zu der von der IG Metall gestützten Liste aufgestellt worden.
Freies Wort sprach mit Dennis Krasson, dem Initiator der zweiten Liste. Ihn habe schon bei der IG-Metall- Veranstaltung im November gestört, dass sich nur die paar favorisierten Leute für die Betriebsratswahl gemeldet hätten. "Die Namen standen auch schon unter dem Werbeplakat der IG Metall. Und es sind definitiv die falschen Leute. Sie sind zu jung beziehungsweise können nicht mal ihre eigenen Probleme lösen, geschweige denn, die Interessen der Belegschaft vertreten", so Krasson. Daher hätten er und einige andere beschlossen, wenn schon ein Betriebsrat gewählt werden sollte, dann mit anderen Leuten. "Wir haben eine eigene Liste aufgestellt." Aber viele Mitarbeiter hätten auch klipp und klar gesagt, dass sie keinen Betriebsrat brauchen. Als ärgerlich empfand der Schichtleiter, dass die Wahlausschreibung ausgerechnet am 27. Dezember ausgehängt worden sei, zu einer Zeit, wo nur ein paar Leute im Betrieb gewesen seien. "Ich hatte praktisch dann im Januar nur eine Woche, um eine Liste fristgemäß aufzustellen und abzugeben." Aber es sei nicht schwer gewesen, zehn Kandidaten für "Liste 2" und die nötigen Stützungs-Unterschriften zusammenzukriegen. Und noch etwas will Krasson unbedingt loswerden: "Viele Mitarbeiter haben uns auch gesagt: Was will die Gewerkschaft jetzt? Als es uns 2009, 2010 und 2011 schlecht ging, hat keiner gefragt. Jetzt wo alles läuft, wollen sie mit Gummibärchen und ein paar Flyern die Welt verändern, sich ins gemachte Nest setzen und die Lorbeeren ernten, an denen sie keinen Anteil haben."
Peter Horn, der Vorsitzende der Betriebsratswahlkommission, und sein Stellvertreter Christian Rhein, die beide auch als Kandidaten für die von der IG Metall initiierte Liste stehen, sehen das anders. "Ich bin Mitglied der Gewerkschaft und wir haben mit anderen Gewerkschaftern in der Firma schon lange einen Betriebsrat wählen wollen. Das ist Verfassungsrecht", sagt er auf Nachfrage von Freies Wort. Natürlich habe man sich bei der IG Metall Unterstützung geholt. Dass ihre Liste nur vier Kandidaten habe, liege daran, dass nicht genug Zeit gewesen sei, andere anzusprechen. Über dringliche Aufgaben, die der Betriebsrat zu lösen habe, wollte sich Rhein gegenüber der Zeitung nicht äußern. Das werde man dann unter vier Augen mit Werkleiter Melzer tun, sagte er.
Flugblätter kursieren
Indessen kursierten aber gestern Nachmittag eine Art Flugblätter der IG Metall in der Alupress. Neben der Pressemitteilung zum Stand der Dinge aus Sicht der IG Metall, die auch Freies Wort vorlag, wurden auf der Rückseite Schichtleiter Krasson und andere durch den Kakao gezogen. Dennis Krasson bezeichnete die Schrift als "bodenlose Frechheit". Mit den Methoden der IG Metall hat auch Denny Eckstein Probleme, obwohl er auf der "Liste 1" mit Horn und Rhein als Kandidat steht. "Ich bin ehrlichen Herzens angetreten, mit der IG Metall einen Betriebsrat zu wählen. Aber wie die Gewerkschaft in dieser Sache vorgeht, hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich bin deswegen vor zwei Wochen ausgetreten", sagte er gestern Nachmittag noch Freies Wort. Obwohl er darum gebeten habe, sei er aber nicht mehr von der Liste gestrichen worden. Klar ist für ihn aber: "Sollte ein Betriebsrat gewählt werden und dabei Liste 1 gewinnen - ich nehme die Wahl auf dieser Liste nicht an!"
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Die neuesten Kommentare
@revolvermannvon unbekannt am 05.02.2012 22:00Hi Revolvermann es geht nicht um das freies Wort wenn du mal auf anderen Internetseiten suchst nach diesen Thema kommt dir Firma nicht gut weg
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@Benjivon revolvermann
(32) am 03.02.2012 13:44bevor du über die zitat "scheiß medien" auf deren eigener seite herziehst, solltest du den bericht da nicht vielleicht mal zu ende gelesen haben. ich finde da kommt die firma sehr gut weg. außerdem hat doch jede seite ihren senf zu der situation sagen können. |
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Meine Meinungvon Kritiker am 02.02.2012 19:50Zum o.g. Kommentar folgendes : Bevor du die Betriebsleitung als lächerlich hinstellst, von mir nur ein paar Fakten. Ich bin in dieser Branche groß geworden und habe genügend Insiderwissen. Ich selbst habe immer ein offenes Ohr bei der Betriebsleitung gefunden und brauche somit keinen Betriebsrat. Die Einschätzung des Herrn Krasson über die aufgestellten Kanditaten sehe ich als voll zutreffend. |
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Schwachsinnvon unbekannt am 02.02.2012 18:12Jeder der sich über die Firma Alupress aufregt hat keine Ahnung !!!!!! Die Firma ist in mancher Hinsicht nicht Perfekt aber warum wird diese Firma mit vielen Auszeichnungen geehrt, des weiteren ist es einer der stärksten Betriebe in Hildburghäuser Raum. Die Gießhallen sind für ein Gießereibetrieb außerordentlich sauber und wenn ein Mitarbeiter sich weiterbilden möchte, werden ihn die Türen nicht vor der Nase zugeschlagen. Und die Scheiß Medien rücken die Firma in ein schlechtes Licht und mit solchen aussagen noch dazu. Die Leute hätten einen internen Betriebsrat wählen können und nicht gleich zur IG Metall rennen müssen so sieht es aus. Mit freundlichen Grüßen Benji |
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Lächerlichvon Raimund am 02.02.2012 16:20Die Firmenleitung der alupress macht sich immer mehr lächerlich. Zum einen ist die stark kritisierte Art und weise wie diese Betriebsratswahl statt findet völlig normal. Natürlich muss man eine BR wahl kurzfristik ankündigen weil, wie ja dieses Beispiel zeigt, die Leitung keinen Betriebsrat erwünscht. Solche Tricks sind also völlig normal und dies können sicher auch die meisten der rund 2,3 Mio IGM Mitglieder bestätigen. Zum anderen werden hier Mitarbeiter indirekt beleidigt "können nicht mal ihre eigenen Probleme lösen". Dennis Krasson wirkt in diesem Zeitungsberricht als wäre er der Werksleiter höchst persönlich. Zumindest kennt man Aussagen wie diese normalerweise nur von sich sträubenden Werksleitern. Grüße R |
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