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"Rhöner gehören zusammen"

Die Kombination von Rhöner Wandertag und Mittelalterfest war ein Erfolg: Mehrere Tausend Besucher kamen am Wochenende nach Geisa, unter ihnen Ministerpräsidentin Lieberknecht.

  • Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Braumeister Julian Reukauf und Bürgermeister Martin Henkel beim Anstich des ersten Festbier-Fasses. Fotos (3): Stefan Sachs
  • Einen Rucksack kann man nicht nur auf dem Rücken, sondern auch als Bekleidung tragen, wie dieses Bild zeigt. Foto: Annett Sachs
  • Rhönklub-Präsident Ewald Klüber (l.) und Christine Lieberknecht beim Start der Prominenten-Wandertour.
  • Martin Henkel schlug Annemarie Blum zum "Ritter zu Rockenstuhl".
  • Die geführten Wanderungen erfreuten sich großen Zuspruchs. Foto: Annett Sachs
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Geisa - Nasskaltes Wetter mitten im Sommer schreckt Wanderer und Mittelalterfans nicht ab: Mehrere Tausend Besucher aus allen Teilen der Rhön, aber auch von weiter her, kamen am Wochenende nach Geisa. Die Ulsterstadt und die umliegenden Dörfer waren Gastgeber des 2. Rhöner Wandertages. Aus diesem Anlass veranstalteten sie das 2. Geiserämter Fest. Die Besucher waren begeistert vom Ambiente, aber auch von dem abwechslungsreichen Programm, das sie geboten bekamen.

"Kommt alle zu Hauf und habt Spaß!", schallte es zur Eröffnung am Samstagmorgen vom Geisaer Markt. Ausrufer Karl-Josef Schürmann, bewaffnet mit Glocke und Schriftrolle, gab das Festprogramm bekannt. Vor dem Rathaus sammelten sich Ehrengäste und Publikum. Würste, Brötchen und Schnaps (darunter die neu kreierte "Geisenmilch") wurden verteilt. Die Geisaer Stadtkapelle musizierte. Die Herolde "Laut'n Hans" und "Radolf zu Duringen" zogen mit ihren flotten Sprüchen die Aufmerksamkeit des Publikums schnell auf sich. Schließlich forderten sie Geisas Bürgermeister Martin Henkel und anschließend Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (beide CDU) zu spontanen Begrüßungsreden auf.

In Geisa übernachtet

Christine Lieberknecht war bereits am Freitag nach Geisa gekommen, hatte im neuen Gästehaus der Point Alpha Akademie im Schlossensemble übernachtet und am Morgen Gerstengrund mit der im Bau befindlichen Kirche einen Besuch abgestattet. Pünktlich kam sie zum Wandertags-Start nach Geisa. Unter den Ehrengästen waren ferner die Vizelandräte Friedrich Krauser (Wartburgkreis) und Klaus Thielemann (Schmalkalden-Meiningen), Bundestagsabgeordneter Christian Hirte und Landtagsabgeordneter Manfred Grob (alle CDU), Bürgermeister aus allen Teilen der Rhön, Vertreter aus Wirtschaft und Institutionen.

    
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Der "Marschall vom Amte zum Zentgericht", alias Berthold Dücker, freute sich in seiner hervorragend gereimten Begrüßungsansprache über die als friedliche Wandersleute geeinten Rhöner und die geschmückte Stadt. Dann kündigte er das Festbier an, welches von edelsten Tieren gezogen werde. Der Fanfarenzug "Blaue Funken" und weitere Vereine geleiteten in einem Umzug das erste Fass "Geiserämter Schlossbräu" zum Festplatz. Das Holzfass transportierte Manfred Uhlig auf einem von Geißen gezogenen Wagen.

Wanderstab empfangen

Bürgermeister Martin Henkel brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht nicht nur die Schirmherrschaft für den länderübergreifenden 2. Rhöner Wandertag übernommen hat, sondern ihn auch selbst eröffnet. Dankbar ist er allen, die zum Gelingen beitrugen, insbesondere dem Festkomitee unter Leitung von Peter Kling. Den 1. Rhöner Wandertag hatte im vergangenen Jahr Münnerstadt (bayerische Rhön) ausgerichtet. Bürgermeister Helmut Blank überreichte den geschnitzten Wanderstab an seinen Geisaer Amtskollegen Martin Henkel. "Mit dem Geiserämter Fest bekommt der Rhöner Wandertag dieses Jahr einen besonderen Glanz", sagte Landrat Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld), welcher derzeit den Vorsitz der länderübergreifenden Arbeitsgemeinschaft Rhön (ARGE) innehat. "Wir Rhöner gehören zusammen, stehen zusammen und wir halten zusammen", betonte er.

Rhönklub-Präsident Ewald Klüber erinnerte an die Tagung der ARGE im jahr 2008 in der Gedenkstätte Point Alpha, als beschlossen wurde, jedes Jahr einen länderübergreifenden Wandertag in der Rhön durchzuführen. Die frühere Rhönklub-Präsidentin Regina Rinke hatte die Idee im Nachgang des Deutschen Wandertages in Fulda eingebracht. "Wandern bringt Freude und Begegnung", sagte er. Diese Begegnung sei wichtig, auch, weil die Zusammenführung von Ost und West noch nicht abgeschlossen sei.

Wer durch die Rhön wandert, erlebe die Region als "Land der offenen Ferne". Mit diesem Alleinstellungsmerkmal müsse noch mehr geworben werden, forderte Klüber. Die Gedenkstätte Point Alpha, die am Wochenende ebenfalls Wanderziel war, sei "ein Mahnmal für politische Ferne". Klüber begrüßt das Vorhaben, einen Ländergrenzen übergreifenden Rhönklub-Zweigverein zu gründen.

Als "geniale Idee" bezeichnete es Christine Lieberknecht, Rhöner Wandertag und Geiserämter Fest zusammen zu feiern: "Ich denke, es wird ein unübertreffliches Wochenende." Begeistert äußerte sie sich über die positive Entwicklung des Geisaer Amtes in den vergangenen zwei Jahrzehnten, getreu dem Motto "Hier hat Zukunft Tradition". Geisa sei eine Stadt, die wächst, die auch jungen Familien Perspektiven biete. Die Ministerpräsidentin begrüßte es zudem, dass mit Ewald Klüber erstmals ein Thüringer Rhönklub-Präsident wurde. Er trete in sehr große Fußstapfen seiner Vorgängerin Regina Rinke, die sich sehr um Einheit der Region bemüht habe.

Der Hofmarschall lobte in seiner zweiten Ansprache im Namen des einstigen Hausherrn Fürstabt von Schleifras das grundhaft restaurierte Schlossensemble. Vor fünf Jahren, zum ersten Geiserämter Fest, habe dieser noch befürchtet, die alten Mauern könnten einstürzen. Nun sehe es schöner aus als je zuvor. Er verwies zudem auf die lange Tradition des "Geiserämter Schlossbräu". Im Jahr 1340 habe Geisa das Schank- und Braurecht erhalten. Er forderte Christine Lieberknecht als "Mutter des Landes" auf, das erste Fass Festbier anzuzapfen. Diese Bitte kam die Ministerpräsidentin gerne nach. Gemeinsam mit Julian Reukauf, Braumeister der Kaltennordheimer Rhönbrauerei, schlug sie den Zapfhahn ins Fass und füllte die ersten Krüge. Brauerei-Geschäftsführerin Christel Reukauf beteuerte, dass Braumeister und die anderen Mitarbeiter alle Kraft in dieses Bieres gesteckt haben.

Auf den Rockenstuhl mit der sanierten Schutzhütte führte die Tour, welche Christine Lieberknecht und weitere Ehrengäste gemeinsam erwanderten. Die Wanderführer Wolfgang Christmann und Peter Heim sowie Präsident Ewald Klüber übernahmen die Begleitung. Die angebotenen Wandertouren erfreuten sich regen Zuspruchs. Sie führten auf dem Point-Alpha-Weg entlang oder über den Naturlehrpfad "Geisaer Wald" oder aber zum Rockenstuhl. Die Familientour führte zum "Weg der Hoffnung", und die leichteste Strecke war eine 3,5 Kilometer lange Tour rund um Geisa.

Ein großes Mittelalter-Spektakel gab es am Samstagabend auf dem Schlossplatz. Das Programm gestalteten sowohl einheimische Gruppen als auch auswärtige Akteure. Die "Blauen Funken" musizierten mehrmals in historischen Kostümen. Die Tanzgruppe Kohlbachtal tanzte, und die Moderation übernahmen die Herolde "Laut'n Hans" und "Radolf zu Duringen". "Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken, nicht auf dem der Pferde", sagte "Laut'n Hans", als er auf das Turnier "Ritt zu Rockenstuhl" am 24. Juni zu sprechen kam. Er sinnierte mit Radolf darüber, warum die Frauen den Wettkampf gewannen. Die Siegerin Annemarie Blum aus Hilders ritt auf den Festplatz, um von Bürgermeister Martin Henkel den Ritterschlag zu empfangen. "Jeder Feind wird beim Anblick ihrer Kampfkunst erzittern", sagte er. Mit einem Schwert schlug er sie zum "Ritter zu Rockenstuhl" und überreichte ihr den Wanderpokal in Form eines Schildes.

"Sagenhaft", die Bänkelmusiker aus Kaltennordheim, traten gemeinsam mit "Ferrus Rapaxxx" auf. Sie sangen unter anderem ihr preisgekröntes Bratwurstlied "Schweinskram im Darm".

Gedicht vertont

Der in Geisa geborene Studienrat Franz Erb (1879-1964) hatte einst das Gedicht "Mein Geisa" geschrieben. Seine Großnichte Mathilde Hahn stellte das Gedicht aus dem Nachlass zur Verfügung, und der "Rhönmichel" (Kammersänger Michael Wissenbach) vertonte die Verse. Am Samstag erlebte das Publikum die Premiere: Sylvia Möller trug zunächst das Gedicht vor. Dann sang Wissenbach (der im Programm mehrmals auftrat) die vertonte Hymne, tänzerisch begleitet von Madlen Werner. Mathilde Hahn trat auf die Bühne und bedankte sich bei allen, die den Versen ihres Großonkels zu neuer Popularität verhalfen.

Die Hexe Chibraxa erzählte eine Geschichte. Das Straßentheater "Radugas" zeigte Zaubertricks, ebenso wie Doctor Marrax. Krönender Abschluss war ein Konzert der "Seldom Sober Company", die Irish Folk vom Feinsten bot. sach

    
    

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