zuletzt bearbeitet: 21.02.2012 10:03 Uhr
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Jüngstes Prinzenpaar Thüringens
"Krisen vergeh'n - mei Hutzeln besteh'n." Unter diesem Motto starteten die Bermbacher Karnevalisten in ihre 58. Kampagne.
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Kaplan Holger Heil berichtete aus dem Leben eines Stadtstreichers.
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Von der sagenumwobenen Hutzelbirne erzählten die jungen Frauen des Ortes.
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Übernehmen für drei tolle Tage die Regentschaft: Prinz Christian II. vom Trostehof mit seiner Prinzessin Patricia I. vom Oebermellersch-Hof und das Kinderprinzenpaar Paul I. von der Brückemich und Lorenea I. vom Südhang. Fotos (3): Manuela Henkel
Bermbach - Mit einem Kanonenschuss wurden die drei tollen Tage mit Prinzenkürung, großem Büttenabend, Frühschoppen, Mitwirkung beim Rosenmontagsumzug in Geisa und Kinderfasching eröffnet.
Der Präsident des Bermbacher Hutzel Carneval Vereins (BHCV), Peter Kind, konnte gemeinsam mit seinem Elferrat und "Till" Lukas Looskorn im Saal zahlreiche Narren begrüßen, die mit viel Spannung auf die Kürung des neuen Prinzenpaares warteten. Zuvor wurde ein abwechslungsreiches Programm aus Büttenreden, Show- und Gardetänzen geboten. Peter Kind ließ in seiner Eröffnungsrede das vergangene Jahr Revue passieren. "Die Welt befindet sich in den Miesen, und wird erschüttert von manchen Krisen", so das Fazit des Präsidenten. Ob Milliardenlöcher, technische Probleme bei der Bahn, ein Bundespräsident, der kein Fettnäpfchen auslässt, oder ein schwedischer König, der seine Kronjuwelen ins Freudenhaus trägt - Peter Kind rechnete schonungslos ab unter dem Motto: "Die Krisen werden alle vergehen und Politiker, Adelige und die Deutsche Bundesbahn werden wie die Hutzeln fortbestehen." Im Übrigen hatte der Präsident einen ganz besonders sicheren Geldanlagetipp: "Investiert in den Hutzeltaler, die härteste Währung der Welt, die an der Theke bis zu 40 Prozent bringt!"
Mit tollen Schritten, Drehungen und einem Spagat aus dem Sprung heraus zeigte Tanzmariechen Luisa Diel ihr Können. Die Zwölfjährige wird eigentlich von ihrer Mutter Annette trainiert, hatte in diesem Jahr aber die Choreographie für ihren Tanz mehr oder weniger alleine einstudiert. Viel Applaus erhielten auch die vier Mädchen der Garde des BHCV, bevor die wohl "traurigsten Menschen" des Abends, das Prinzenpaar der vergangenen Saison, ihre Abdankungsrede hielten. Gebhard Schiffhauer und Claudia Kircher gaben dem Elferrat noch die Empfehlung, an den Rosenmontagswagen einen Anhänger für ausreichend Getränke anzubauen.
Dann wurde das erste Geheimnis des Abends gelüftet, und unter viel Applaus zog das neue Kinderprinzenpaar ein. Paul I. von der Brückemich (Paul Simon) und Lorena I. vom Südhang (Lorena Winter) stammen beide aus närrischen Dynastien. Präsident Peter Kind verriet, dass Paul am selben Tag seinen 11. Geburtstag feierte. "Was gibt es Schöneres, als in diesem närrischen Alter den Thron in Bermbach zu besteigen", so Kind.
Als Stadtstreicher ging Kaplan Holger Heil mit seinem Freund "Lambrusco" in die Bütt. Nach dem Motto "Lieber vom Saufen gezeichnet als vom Rembrandt gemalt" berichtete er im zerknitterten Trenchcoat, mit roter Pappnase und eingesammelten Bratwurstresten, dass sein Blut als Spätlese beim Ärzteball sehr beliebt sei und er als sparsamer Penner nur einen Liter auf zehn Kilometer verbraucht. Als er nach zahlreichen Gags, wackeligen Aussetzern und verdrehten Augen am Grund seiner Flasche angekommen war, verabschiedete er sich von einem begeisterten Publikum mit den Worten: "Das wär mein Traum - sechs Wochen blau - helau!"
Zauberhafte Aussichten boten Anita Diel und Christina Grosch als Hexe und Sterntaler. Sie spekulierten über die Zukunft von Bermbach und sahen die Einheitsgemeinde BBM - Bermach-Borbels-Mieswarz - voraus, die sich nicht nur einen eigenen Kindergarten, Grundschule und ein Einkaufszentrum, sondern auch einen eigenen Pfarrer im Pfarrhaus leisten kann.
Für 25-jährige Mitgliedschaft im Karnevalsverein wurde Frank Dieter Schultes und für 40-jährige Mitarbeit Hans-Jürgen Ott ausgezeichnet. Überrascht war Präsident Kind, als er die Urkunde für die "Hutzel des Jahres" erhielt. "Mit viel Engagement ist er nicht nur im Karnevalsverein, sondern auch bei der ortsansässigen Feuerwehr tätig und zeigt immer das nötige Fingerspitzengefühl", sagte Elferratsmitglied Markus Diel. Dass der Präsident beim Bermbacher Karneval auf eine gute Organisation achtet, bewies die Tatsache, dass hier das "Flughafenpersonal" nicht streikte. Die Showtanzgruppe des BHCV zeigte als Stewardessen, dass die "Hutzel Airline" zumindest in der närrischen Zeit immer flugbereit ist und für gute Laune sorgt.
Mit einer besonderen "Hutzelüberraschung" warteten die jungen Frauen des Ortes auf. Sie lüfteten das sagenumwobene Geheimnis der Hutzelbirne. Bereits 1958 ertönte erstmals in Bermbach der Schlachtruf "Hutzel helau". Die Hutzel war in der Rhön ein beliebtes Dörrobst, das in den Wintermonaten gegessen wurde. Silke Grosch, Andrea Ritz, Stefanie Hartung, Kerstin Elter sowie Bettina und Regina Göllmann wussten, dass die besten Früchte in Bermbach auf der Sängerwiese an einem kleinen Birnenbäumchen wachsen. Mit einem aufwendigen Bühnenbild und tollen Kostümen zeigten die Frauen, wie dieses "größte Rätsel der Rhön, das auch als das achte Weltwunder bekannt ist" entsteht. "Wer einmal von der Birne gegessen, bekommt das närrische Hutzelfieber", erklärten sie und sangen als verkleidete Hutzelbirnen die legendäre Hutzelhymne "De Hutzel sen gesote", in die das begeisterte Publikum mit einstimmte.
Weiterhin sorgten die Showtanzgruppen des Wartburgkreises, die Gelbe Garde und die Schoppesänger aus Geisa für ausgelassene Stimmung. Musikalisch wurden die Narren von der Tanzband "Desire" unterhalten.
Unbestrittener Höhepunkt des etwa vierstündigen Programms war die Kürung des neuen Prinzenpaares. Christian II. vom Trostehof (Christian Fischer) wird mit Patricia I. vom Oebermellersch-Hof (Patricia Kind) die Bermbacher Narren bis zum Aschermittwoch regieren. Mit ihren 24 und 21 Jahren stellen sie wahrscheinlich Thüringens jüngstes Prinzenpaar und sind beide Mitglied bei den Bermbacher Blasmusikanten. Sie luden alle Jecken zum humorvollen Mitfeiern ein. Bürgermeisterin Rosa Maria Kind übergab ihnen die Schlüssel mit den Worten: "Humor ist der Schwimmgürtel auf dem Strom des Lebens." mh
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