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Eis auf dem Burgsee unberechenbar

Die Eisfläche des Burgsees ist selbst bei dauerhaften Minusgraden unberechenbar. Deshalb kann sie auch nicht zum Eislaufen freigegeben werden. Im nächsten Winter könnte es aber eine Alternative geben.

  • Das Eis auf dem Burgsee kann man aus Sicherheitsgründen nicht freigeben. Dafür soll aber im nächsten Winter geprüft werden, ob sich überschwemmte Flächen am Haad oder im Puschkinpark (Foto) zum Eislaufen eignen. Foto: Heiko Matz
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Bad Salzungen - Bürgermeister Klaus Bohl kann sich wie Leserin Ursula Möller auch daran erinnern, dass man früher bei längerer Kälteperiode auf dem Burgsee Eishockey gespielt hat. Ob der See aber offiziell freigegeben war, bezweifelt er. Bauhof-Chef Hans Zagermann meint, sich an ein Jahr erinnern zu können, in dem man offiziell auf den See durfte. Doch nach den Untersuchungen der Eisstärke in den letzten Jahren weiß er, wie trügerisch die gefrorene Fläche sein kann. "Die Eisstärke ist sehr unterschiedlich", erklärt er. Man habe im gleichen Zeitraum an unterschiedlichen Stellen eine Stärke zwischen 0 und 20 Zentimetern gemessen. "Wenn man den zugefrorenen See betritt, hört man Spannungsgeräusche. Das bedeutet, dass die Eisfläche arbeitet."

Flache Stellen, aber

nur dünne Eisschicht

Trügerisch sei auch der Gedanke, dass das Eis in flachen Bereichen stärker sein müsse. "Zum Beispiel im Bereich des Kurhauses ist der See flach, das Eis aber meistens am dünnsten." Der See sei einfach nicht berechenbar, deshalb könne man auch keine Fläche ausweisen und freigeben. Durch die unterschiedlichen Tiefen und daraus resultierenden unterschiedlichen Wassertemperaturen entstehen Strömungen. Diese und ein gewisser Salzgehalt lassen die Fläche ganz unterschiedlich gefrieren.

Das kann Dipl.-Geologe Lutz Messerschmitt (IHU Bad Salzungen) bestätigen. Er hat sich schon mehrfach mit dem Burgsee befasst und war auch an der Untersuchung des Sees beteiligt. "Ich persönlich würde den See auch nicht freigeben", meint er. Man könne ihn nicht mit der Außenalster in Hamburg vergleichen. Lutz Messerschmidt kann sich dieses Urteil erlauben, ist er doch jede zweite Woche in Hamburg, kennt das künstlich angelegte Gewässer und hat beobachtet, wie die Eisfläche dort mit einem Kernbohrgerät kontrolliert wurde. "Das Gewässer ist künstlich angelegt und maximal vier Meter tief." Das Wasser friere gleichmäßig, "da passiert nichts." Anders sieht es beim asymmetrisch angelegten Burgsee aus, der ein Ergebnis von ausgelaugten Schichten im Zechstein ist. Mindestens zwei Ereignisse, glaubt der Geologe, sind ursächlich für die Bildung des heutigen Sees. Zunächst hatte sich eine große Fläche mit einer Tiefe von drei bis vier Metern gebildet. Zu einem späteren Zeitpunkt kam dann im Bereich der Schnepfenburg der Tiefwasserbereich hinzu. Hier ist eine Tiefe bis zu 26 Metern gemessen worden. Mit einer Echolot-Messung und einer Art Ultraschall hat man den See zuletzt 1994 exakt ausgemessen. Dieser ergab im Vergleich zur Lotung Mitte der 1930er Jahre Differenzen.

Hat der Burgsee einen

Zufluss oder nicht?

Ob sich verändernder Untergrund oder damalige fehlerhafte Messungen Ursachen für die Differenzen sind, kann Lutz Messerschmidt nicht sagen. Bis heute ist auch nicht belegt, dass der Burgsee einen Zufluss hat. "Aber bei einer Tiefe von 26 Metern und der großen Wasserfläche kann der See nicht nur aus Niederschlägen gespeist werden", meint der Geologe. Es sei davon auszugehen, dass der Burgsee von Tiefenwässern gespeist wird, die salzbelastet sind. Das sei für die Salzwasserausfstiegsregion, in der Bad Salzungen nun einmal liege, ganz normal.

Der Schutz und die Sicherheit stehen an erster Stelle. "Solange der See nicht durchgängig mit einer Eisstärke von 15 Zentimetern zugefroren ist, können wir ihn einfach nicht freigeben", erklärt Bürgermeister Klaus Bohl. Er sei zwar nicht der Typ, der sich tausendfach absichern müsse, "aber in diesem Fall braucht man absolute Sicherheit".

Um alternative

Eisflächen kümmern

Der Burgsee, ergänzt Hans Zagermann, sei auch nicht mit dem Prinzenteich in Eisenach zu vergleichen. In diesem flachen Gewässer habe man eine durchgängig starke Eisfläche. "Wenn der Prinzenteich in Bad Salzungen wäre, würde ich ihn auch freigeben", meint Klaus Bohl.

Der Wunsch nach einer begehbaren Eisfläche sei verständlich. Deshalb habe man sich Alternativen überlegt. Schon jetzt würden die zugefrorenen Überschwemmungsflächen am Haad und im Puschkinpark rege genutzt. "Sollte es im nächsten Winter wieder Hochwasser und anschließend Frost geben, werden wir Flächen prüfen und auch offiziell freigeben", kündigt Klaus Bohl an. So könne man den Wunsch nach einer Eisfläche zum Schlittschuhlaufen gefahrlos erfüllen. Eine weitere Möglichkeit sieht der Bürgermeister am Jugendfreizeitzentrum Allendorf. Die multifunktionale Spielfläche könnte geflutet werden. "Dann hätten wir eine Eisfläche." Insofern sei der Vorstoß von Ursula Möller nicht umsonst gewesen. "Auch wenn wir den Wunsch, den Burgsee freizugeben, nicht erfüllen können, kümmern wir uns im nächsten Winter um eine andere Eislauffläche", sagt der Bürgermeister abschließend.

    
    

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