zuletzt bearbeitet: 20.01.2012 10:11 Uhr
Text
Text
Abzocke oder unter falschem Namen Pornos abonniert
Ein älterer Herr soll für das Anschauen von Pornos im Internet zahlen - obwohl er das Internet noch nie genutzt hat.
Bad Salzungen - Über Abzock-Methoden aufzuklären, gehört für Günter Pfaff, Berater der Verbraucherzentrale Thüringen, zum Alltagsgeschäft. In einem Fall, in dem sich jetzt ein Rentner an ihn wandte, ist er sich allerdings nicht sicher, ob dubiose Geschäftemacher die Übeltäter sind oder jemand aus dem Umfeld des Mannes.
Der 68-Jährige war mit einem an ihn adressierten Schreiben in die Bad Salzunger Beratungsstelle gekommen, in dem ihm die "automatische Kündigung" der Test-Nutzung von BlueX.liveporn-be - einer Web-Seite, auf der Sex-Videos gezeigt werden - bestätigt wurde. "Er war ganz überrascht, dass er im Internet irgendwelche Probeabos abgeschlossen haben soll, zumal er weder über einen Computer noch über ein internetfähiges Handy verfügt", erzählt Günter Pfaff und fragt: "Womit soll er sich also Pornoseiten angeschaut haben?"
Für diese "Testperiode" sollte der Mann nun 49,50 Euro zahlen. Gehe diese Summe nicht binnen acht Tagen auf dem angegebenen Bank-Konto ein, wurde ihm weiter mitgeteilt, "freuen wir uns, Sie als Vollmitglied begrüßen zu dürfen". In diesem Fall sei dann im Voraus eine Jahresgebühr in Höhe von 104 Euro zu überweisen - und der geforderte Betrag für die Testzeit entfalle.
Obwohl er sich keiner Schuld bewusst war, fürchtete der Rentner, er komme vermutlich nicht umhin, zumindest die 49,50 Euro zu überweisen. Günter Pfaff sah sich das Schreiben an und versicherte ihm, er müsse keinen Cent zahlen.
Wundersam sei schon, "dass sich ein Probe-Abo automatisch kündigt - so etwas habe ich noch nie erlebt", sagt der Verbraucherberater und erklärt: Entweder verlängere es sich automatisch, wenn der Nutzer nicht kündige, oder es habe eine begrenzte Laufzeit, die ohne jegliche Formalien ende. "Und bei beiden Möglichkeiten ist mir nicht bekannt, dass ich im Nachhinein ein Honorar zahlen muss und schon gar nicht für eine automatische Kündigung, die es nicht gibt."
Das Schreiben sei "schön kompliziert verfasst, damit keiner durchsieht", befand der Verbraucherberater - ob hier aber tatsächlich ein Abzockversuch vom Absender vorliegt, oder doch etwas anderes dahintersteckt, vermochte er nicht sicher zu sagen. Es gebe zwei Möglichkeiten: Entweder die Firma beschaffe sich irgendwie Adressen und versende dann fingierte Schreiben in der Hoffnung, dass möglichst viele Leute aus Angst, es könnte noch teurer oder auch peinlich für sie werden, den geforderten Betrag überweisen. Oder "irgendein findiger Nachbar oder Bekannter" habe, um die Sex-Videos anschauen zu können, einfach die Anschrift des Rentners als seine Nutzer-Daten eingegeben.
"Die Wahrscheinlichkeit, dass das Bauernfängerei ist, ist genauso groß, wie, dass das ein unbekannter Dritter gemacht hat." Sei Letzteres der Fall, könnte es auch so sein, dass der Porno-Seiten-Betreiber versuche, sich das Probe-Abo über die geforderte Kündigungs-Gebühr im Nachhinein bezahlen zu lassen, was rechtlich ebenfalls nicht möglich sei.
"Egal wie", sagt Günter Pfaff. Der Rentner müsse sich nicht sorgen: "Denn die andere Seite muss nachweisen, dass der Mann etwas getan hat - und er hat es nicht getan. Er ist auch nicht verpflichtet, jetzt Nachforschungen zu betreiben, wer das möglicherweise war." Seine Konto-Daten habe "BlueX" nicht. "Er kann sich also beruhigt zurücklehnen in diesem Fall", sagt der Verbraucherberater. bf
Die Verbraucherberatungsstelle in Bad Salzungen ist krankheitsbedingt vorübergehend geschlossen. Verbrauchertelefon: 0900/1775770 (1 Euro/Minute): Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr.
Diesen Artikel
|
|||||
Die neuesten Kommentare
Ȇbersicht Bad Salzungen
Mittendrin, kurze Wege und ein schönes Stadtbild
3,8 Millionen Euro nimmt die Bad Salzunger Wohnungsbaugesellschaft in die Hand, um barrierefreies Wohnen in der Innenstadt zu ermöglichen. »mehr
Schließung des Theaters vereitelt
Bad Salzungen - - Eigentlich wollte die Kulturstiftung Meiningen-Eisenach gestern Abend den Geschäftsbereich des Landest... »mehr
Ernüchterung nach Minister-Besuch
Keine neuen Erkenntnisse brachte das Treffen zum Thema Bau der Ortsumgehung Leimbach-Kaiseroda am Dienstag bei Bauminist... »mehr
Anbaden und feiern
Mit einem Fest wird am Samstag die Saison im Vachaer Schwimmbad eröffnet. Der Förderverein macht es möglich. Der Eintrit... »mehr
Das könnte Sie auch interessieren
Party
Nachrichten
Sport
Gelesen
Kommentiert
Bewertet
Magazine
Umfrage









































