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Die Klang-Werkstatt

Retro mit Schmackes: Die BMW R nineT Scrambler greift tief in die Emo-Kiste. Optisch umwerfend und mit Konzentration aufs technisch Wesentliche macht sie einfach nur Lust.



Lebensfreude, Glücksmomente und die Erinnerung an eine andere, vielleicht bessere Zeit: BMW R nineT Scrambler. Foto: Maximilian Busl
Lebensfreude, Glücksmomente und die Erinnerung an eine andere, vielleicht bessere Zeit: BMW R nineT Scrambler. Foto: Maximilian Busl  

Was nach vierzehn Tagen mit der BMW R nineT Scrambler vor allem bleibt, ist die wohlige Erinnerung an den unvergleichlichen Sound. Noch nie zuvor klang der Boxer so geil wie in diesem Motorrad. Aus dem hochgezogenen Auspuff des Spezialisten Akrapovic brummelt, grummelt und patscht es in allen Fahrsituationen. So muss - streng nach Gesetzesnorm übrigens - ein Motorrad klingen.

Vintage, Heritage, Retro - wie auch immer: Motorräder mit der Anmutung von Gestern sind am Markt unübersehbar breit platziert. BMW hat sich mit der R nineT eindeutig festgelegt: Die Modelle dieser Reihe bieten das Wesentliche, verzichten auf allerlei elektronische Assistenzsysteme und sprechen eine klare Design- und Charaktersprache: Zurück zu den Wurzeln. Und die liegen bei BMW im luftgekühlten Boxer, im Kardanantrieb und in der übersichtlichen Gestaltung. So verwundert es kaum, dass die Vorbilder der Modelle für Kenner der Zweirad-Historie des weiß-blauen Propellers auf den ersten Blick erkennbar sind. Mit diesem gewollten Effekt bewegt sich BMW ein großes Stück weg vom aktuellen Bestreben der Motorrad-Designer, immer aggressiver wirkende Zweiräder oder monströse Cruiser auf die Gummis zu legen. Die Formen der Retro-Bikes aus München erinnern an die große Zeit des Motorrades, als der Tank keine Attrappe war, die Sitzbank noch Sattel hieß und das Licht aus einem dicken runden Teil kam, dass unter dem Lenker montiert war (und nicht der Physiognomie einer Hornisse glich).

Back to the roots, retour a la nature, Leben im Leben - und das mit einer Mobilitätsphilosophie, die die schiere Freude an der Bewegung auf zwei Rädern als Selbstzweck feiert. Dafür braucht man nicht mehr als eine Maschine, die die Basics und Essentials, wie es heute heißt, mit einer Unmenge von Emotionen verbindet.

Klang-Erlebnisse, ein wunderbar leicht zu steuerndes Fahrwerk, moderne Motorentechnik, ein zuverlässiger und kräftiger Antrieb in einem Gesamtkonzept vereint, das vor allem einem Ziel gewidmet ist: Das Fahren bewusst zu erleben, sich dem Flow hingeben, der sich bei tiefer Verbundenheit mit dem Motorrad wie von selbst einstellt - Motorradfahren als kontemplatives Er-Fahren, völlig losgelöst von Alltagshektik, von Terminstress oder dem bohrenden schlechten Gewissen, ob das denn alles überhaupt zu verantworten sei... Fahren nur um zu fahren. Ja, es ist. Denn die Retro-Bikes aller Hersteller fordern es heraus, sich mit dem Satz zu beschäftigen: Ich fahre, also bin ich.

Die Scrambler, die sich bei BMW in die Reihe mit der klassischen R nineT, mit der neuen Urban G/S, Racer und Pure fügt, ist eine höchst aktive Fahrmaschine, deren Fahrwerk keine Schwächen aufweist, auch wenn die sonst sehr gerne gewählten Assistenten zur Fahrwerkeinstellung fehlen. Ihr Reich ist die kurvige Landstraße - oder noch besser: die Stadt. Das Motorrad fällt auf, optisch ebenso wie akustisch. Die Design-Zitate aus den Zeiten, als BMW-Boxer wegen ihres weichen Fahrwerks gerne auch Gummi-Kuh genannt wurden, sind witzig: Die Gummi-Faltenbälge an der Gabel, die einst Regen und Staub abhalten sollten; der auffällige Scheinwerfer, der die Frontansicht dominiert; das Einzelinstrument, das nur als Geschwindigkeitsanzeiger funktioniert (mit zusätzlichen unauffälligen Kontroll-Leuchten); die für längere Ausritte in der Tat zu harte und unbequeme Sitzbank, die eher an einen Sattel aus den 1960er-Jahren erinnert. Schön ist das alles - und stimmig in die Gestaltung des Motorrades eingebunden. Wuchtig indes erscheint der nach guter Scrambler-Tradition hochgezogene Schalldämpfer von Akrapovic, der für den unverwechselbaren satten Klang verantwortlich ist (im Übrigen hatte schon der legendäre Rennfahrer Schorsch Meier an seiner Wettbewerbsmaschine R 68 in den 1950er-Jahren eine hochgezogene Zwei-in-eins-Auspuffanlage).

Heritage, Erbe also, wohin man schaut. Dabei kommt die Gegenwart nicht zu kurz: Selbstverständlich ist ABS an Bord, die Bremsanlage mit zwei 320-Millimeter-Scheiben vorne und einer 256er-Scheibe hinten ist auch von heute. Der Tank fasst 17 Liter, was bei einem Verbrauch von gut fünf Litern eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern möglich macht. Der Stahlrohrrahmen verleiht dem Motorrad in jeder Lage Stabilität. Der Boxer leistet 110 PS und ein Drehmoment von maximal 116 Newtonmeter, was einen flotten Antritt und ein beschwerdefreies Vorankommen zu jeder Zeit gewährleistet. BMW bietet für die Scrambler jede Menge Zubehör an, mit dem sich das Motorrad nach dem persönlichen Geschmack ausstatten lässt. Die Scrambler gibt es ab 13 000 Euro.

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Maximilian Busl
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Veröffentlicht am:
17. 06. 2017
00:00 Uhr

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17. 06. 2017
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