zuletzt bearbeitet: 03.04.2012 21:33 Uhr
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Selbst ist der Nordhalbener
Die Gemeinde im Oberen Rodachtal hat einige strukturelle Probleme. Die schlagen sich auch in der NP-Umfrage zur Kampagne "Leben in meiner Heimat" nieder. Doch ebenso deutlich ist: Die Nordhalbener sind Meister der Selbsthilfe.
Nordhalben - Schockieren kann "den Sepp" so schnell nichts mehr. Josef Daum, seit gefühlten hundert Jahren Bürgermeister von Nordhalben, blickt mit ruhiger Miene auf das Zeugnis, das die Bürger der Marktgemeinde ihrer Heimat ausgestellt haben. Im Durchschnitt bekommt Nordhalben die Schulnote 3,45. Gerade noch befriedigend also. Ausgestellt haben das - nicht repräsentative - Zeugnis knapp 60 Teilnehmer einer Umfrage zur Kampagne "Leben in meiner Heimat" der Neuen Presse.
Für Josef Daum ist die Umfrage ein aktuelles Stimmungsbild. Er schaut sich die einzelnen Noten (siehe Grafik unten) an - und kann sie nur zum Teil nachvollziehen. "Einen Schnitt von 3,08 bei der Lebensqualität? Das ist mir zu schlecht", befindet der Rathauschef. "Ich denke, dass die Lebensqualität hier sehr gut ist. Wir haben einen Zahnarzt, zwei Hausärzte, eine Apotheke, eine Mehrzweckhalle, ein Erlebnisbad und eine Bücherei", zählt Daum auf und kann daher auch die Note 4,5 für den Bereich Infrastruktur nicht ganz verstehen. "Das, was wir haben, haben andere Kommunen vergleichbarer Größe nicht unbedingt. Wir stehen hier sehr gut da, denke ich. Da müsste man auch dazu sagen, was denn noch besser sein könnte", meint Daum. Auch, was die Verkehrsanbindung angeht: "Klar kann man sich über das eine oder andere Schlagloch aufregen. Aber wichtiger ist doch, dass Nordhalben straßenverkehrstechnisch gut erschlossen ist. Wir sind von zwei Staatsstraßen aus anfahrbar, was bedeutet, dass wir faktisch eine Umgehung haben, die den Lastwagenverkehr draußen hält", meint der Bürgermeister.
Klar weiß Josef Daum auch um die Probleme Nordhalbens. "Der öffentliche Personennahverkehr könnte sicher besser sein und den Ort öfter anfahren. Aber fairerweise muss man auch sagen, dass viele Busse eben fast leer sind, wenn sie hier durchfahren. Da verstehe ich die Unternehmen auch ein Stück weit, wenn sie die Strecken ausdünnen."
Was Daum nicht versteht, ist die Note von 3,48 für das kulturelle Angebot in Nordhalben. Er hält dagegen, dass es - nicht nur in der Nordwaldhalle - zahlreiche Veranstaltungen gibt. "Nur die Besucher nehmen stetig ab. Da wäre es halt auch schön, wenn wir wüssten, was sich die Menschen wünschen. Vielleicht sehen wir nach der Diskussion am Donnerstag klarer", blickt der Bürgermeister voraus.
Für die beiden äußerst schlechten Noten für die Angebotssituation auf dem Arbeitsmarkt (5,33) und die Zukunftsperspektiven für junge Menschen (5,32) hat Josef Daum Verständnis. "Da schlägt natürlich die Katastrophe mit Polytec durch", sagt er. Das Unternehmen hatte nach langen Verhandlungen mit Betriebsrat und Politikern entschieden, das Werk Mitte des Jahres zu schließen. "Da hätte es mich gewundert, wenn die Noten anders ausgefallen wären." Wenngleich der Bürgermeister durchaus der Meinung ist, dass Jugendliche im Frankenwald schon keine schlechten Zukunftsperspektiven haben. "Viele Unternehmen hier klagen doch über Fachkräftemangel. Da braucht es eine neue Mentalität bei Firmen und Jugendlichen. Die Unternehmer müssen noch aktiver werben und die jungen Leute den Fokus ein wenig stärker auf die Heimat richten."
Dass die Nordhalbener Bevölkerung vieles davon bereits verinnerlicht hat, freut den Bürgermeister sehr. "Das zeigen auch die Noten", meint er und verweist auf die Zensuren für Vereinsleben (2,04), Sicherheit (2,08) und Familienfreundlichkeit (2,44). Hier spiegle sich die aktive Seite der Marktgemeinde wider. Nicht nur in der Bürgerinitiative "NohA" engagierten sich die Nordhalbener aktiv und sorgten selbst mit dafür, dass es mit dem Ort vorwärts geht.
Generell erkennt Josef Daum eine Mentalität des Ärmel-Hochkrempelns in seinem Ort: "Wir sind so etwas wie die Meister der Selbsthilfe", sagt der Bürgermeister.
Am morgigen Donnerstag, 2. Februar, stellt die Neue Presse von 19 Uhr an im Haus des Gastes die Umfrageergebnisse vor. Anschließend ist eine Diskussion mit den hoffentlich zahlreich erscheinenden Bürgern geplant.
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